Diskussionen um Boykott und Gesundheit: Das steckt hinter den Berichten zu Nutella

Diskussionen um Boykott und Gesundheit : Das steckt hinter den Berichten zu Nutella

Nutella gehört zu den beliebtesten Brotaufstrichen in Deutschland. Doch nun gibt es Diskussionen um das enthaltene Palmöl und um einen möglichen Boykott einer Supermarktkette. Nutella hat sich mittlerweile selbst dazu geäußert.

Eine Meldung zum beliebten Aufstrich Nutella sorgt aktuell für Aufregung: Ein italienischer Lebensmittelmarkt soll die Nuss-Nugat-Creme aus dem Sortiment genommen haben. Die Gesundheitsgefahr durch die enthaltene Palmöl sei zu groß. Was steckt dahinter?

Tatsächlich hat die italienische Supermarktkette coop 200 Produkte aus dem Sortiment genommen, in denen Palmöl zur Herstellung verwendet wurde. Nutella gehört aber nicht dazu; und wurde "auch noch nie in irgendeinem Land wegen Palmöl aus den Supermarkt-Regalen genommen", schreibt Nutella dazu auf der eigenen Homepage.

Die Entscheidung der Supermarktkette, Eigenprodukte aus dem Sortiment zu nehmen und diese nun mit anderen Ölen wie Sonneblumen- oder Olivenöl herzustellen, sei bereits im vergangenen Jahr gefallen und beruhe auf einer Studie der europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) aus dem vergangenen Sommer.

Demnach können vor allem bei der Verarbeitung von Pflanzenölen gesundheitsgefährdende Stoffe entstehen, wenn das Öl dabei auf mehr als 200 Grad erhitzt werde. Die Behörde rief Verbraucher jedoch nicht dazu auf, kein Palmöl mehr zu verzehren. Nicht nur Coop hat auf die EFSA-Studie reagiert, auch der Backenwarenproduzent Barilla hat nach dem Bericht Palmöl aus ihrer Produktion verbannt.

Nutella geht in die Offensive

Einen ganz anderen Weg geht nun Ferrero. Der Süßwarenhersteller, zu dessen bekanntesten Produkten eben Nutella gehört, setzt weiter auf Palmöl, das zu großen Teilen in dem Brotaufstrich verarbeitet wird; und reagiert auch auf aktuelle Berichte bezüglich der gesundheitlichen Bedenken. "Der Verzehr von Ferrero-Produkten ist sicher und Nutella ist nicht krebserregend", heißt es in einer Erklärung, die auf der Nutella-Homepage veröffentlicht wurde. Zudem würden "spezielle industrielle Verfahren" angewendet, um "das Vorhandensein von Schadstoffen auf ein Minimum zu begrenzen – in völliger Übereinstimmung mit den von der EFSA festgelegten Parametern." Nach eigenen Angaben achte man bei der Produktion auf Temperaturen von unter 200 Grad und wenig Druck.

Wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtet, hat Ferrero in Italien zudem eine große Werbekampagne gestartet und dafür geworben, dass das verwendete Palmöl sicher sei. Das Öl werde nur aus "frisch gepressten Früchten gewonnen und bei kontrollierten Temperaturen verarbeitet", zitiert Reuters den Ferrero-Einkaufsleiter Vincenzo Tapella.

Tapella betont die Bedeutung von Palmöl für die eigenen Produkte: "Wenn wir Nutella ohne Palmöl herstellen würden, würden wir einen schlechteren Ersatz für das echte Produkt produzieren, das wäre ein Schritt zurück". Seit der Erfindung von Nutella in den 1960er-Jahren wird Palmöl bei der Produktion verwendet. Seit 2013 werde die Nuss-Nugat-Creme nur noch mit Palmöl aus rückverfolgbarer nachhaltiger Produktion hergestellt. Bei Umweltorganisationen steht Palmöl schon länger in der Kritik. So würden für die Errichtung von neuen Ölpalmplantagen in großem Umfang Regenwälder zerstört werden.

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