Universität Bonn

Diese Prominenten haben in Bonn studiert

Nr. 270 der Delinquentenliste: Der Bonner Student Karl Marx verbüßte vom 16. zum 17. Juni 1836 wegen nächtlichen Lärmens und Trunkenheit eine Arreststrafe im Karzer, dem universitätseigenen Gefängnis.

Nr. 270 der Delinquentenliste: Der Bonner Student Karl Marx verbüßte vom 16. zum 17. Juni 1836 wegen nächtlichen Lärmens und Trunkenheit eine Arreststrafe im Karzer, dem universitätseigenen Gefängnis.

Literaturnobelpreisträger oder UfA-Star, Bundeskanzler oder Yankee-General, Kaiser oder Komödiant: Nicht wenige einst Immatrikulierte der Bonner Universität brachten es zu großer Bekanntheit.

Dass man es vom verwegenen Revolutionär zum veritablen Minister eines bürgerlich-demokratischen Staates bringen kann, hat nicht erst Joschka Fischer unter Beweis gestellt. Sondern schon ein Jahrhundert zuvor der Bonner Student Carl Schurz. Der junge Mann scheute keineswegs vor Gewalt zurück, um das herrschende System auf deutschem Boden zu erschüttern. Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung, bewaffneter Raub, Widerstand gegen die Staatsgewalt, Urkundenfälschung, Gefangenenbefreiung – die Liste der verübten Straftaten nahm kein Ende.

Deren Sanktionierung entzog sich der junge Mann durch Flucht ins Ausland. Erst jenseits des Atlantiks zahlten sich seine politische Haltung und sein Schaffensdrang aus: Schurz wurde Senator in Washington, Botschafter, General, Zeitungsverleger und Innenminister der Vereinigten Staaten von Amerika.

Der 1829 in Liblar (Rhein-Erft-Kreis) geborene Sohn eines Landschullehrers nahm 1847 in Bonn das Studium der Geschichte und Philologie auf. Wie intensiv er dies betrieb, ist nicht verbrieft. Wohl aber die enge Freundschaft zu seinem Professor: Johann Gottfried Kinkel, gebürtiger Oberkasseler, radikal-demokratischer Revolutionär, mit seiner Frau Johanna Gründer des Maikäferbundes und zudem Chefredakteur der Bonner Zeitung.

Der Professor und sein Student nahmen im Mai 1849 am Sturm auf das Siegburger Zeughaus teil. Man wollte sich dort Waffen für die Revolution beschaffen. Das ging allerdings ebenso schief wie die anschließende Beteiligung an der Revolution zur Niederschlagung der Feudalherrschaft in Baden. Als preußische Soldaten die Festung Rastatt einnehmen, wird Kinkel verhaftet und zu lebenslanger Haft verurteilt. Carl Schurz entgeht der Verhaftung in letzter Minute per abenteuerlicher Flucht durch den Abwasserkanal der Festung.

In der Nacht zum 7. November 1850 befreit der Student seinen Professor aus dem Zuchthaus Spandau. Die beiden fliehen nach Warnemünde, gelangen per Schiff in die schottische Hauptstadt Edinburgh und reisen per Bahn weiter nach London. 1852 heiratet Schurz Margarethe Meyer und wandert mit ihr in die USA aus. Seine Frau gründet dort 1856 den ersten Kindergarten der Vereinigten Staaten. Schurz engagiert sich für die Abschaffung der Sklaverei und für die Rechte der indianischen Bevölkerung.

Der erste gebürtige Deutsche im Washingtoner Senat

Präsident Abraham Lincoln macht ihn zum US-Botschafter in Spanien. Nach seiner Rückkehr dient Schurz im Bürgerkrieg in der Armee der Nordstaaten, zuletzt als Divisionskommandeur im Rang eines Generalmajors. Nach dem Sieg des Nordens ist Carl Schurz der erste gebürtige Deutsche im Washingtoner Senat – nachdem er noch schnell die republikanische Zeitung Detroit Post gegründet hat.

Auch nach seiner Amtszeit als Minister bleibt Carl Schurz politisch engagiert – gegen die zunehmend imperialistisch orientierte Außenpolitik der USA etwa in Lateinamerika oder Ostasien, gegen Korruption im Weißen Haus und für den Erhalt der Wälder. Am 14. Mai 1906 stirbt der ehemalige Bonner Student mit 77 Jahren in New York. Den Nachruf in Harper’s Weekly schreibt sein Freund Mark Twain.

Ein halbes Jahrhundert später verkörperte Hollywood-Star Edward G. Robinson den gebürtigen Rheinländer im John-Ford-Western „Cheyenne“ (1964). In New York City wurde ein Park nach Schurz benannt, in Bonn immerhin ein Reihenhaus-Sträßchen in Duisdorf.

Da wurde einem anderen ehemaligen Studenten Ehre an attraktiverer Stelle zuteil: Die Heinrich-Brüning-Straße liegt mitten im alten Regierungsviertel zwischen Tulpenfeld und Deutscher Welle. Brüning studierte in Bonn von 1911 bis 1915 Volkswirtschaft, nachdem er seit 1904 in München, Straßburg, Rostock und London schon allerlei von Jura bis Philosophie ausprobiert hatte.

Ehre, wem Ehre gebührt

So wirken die Studentenjahre des späteren katholischen Zentrumspolitikers ähnlich orientierungslos wie seine Politik als Reichskanzler von März 1930 bis Mai 1932. Wer weiß, was man sich in Bonn dabei dachte, einem der Totengräber der Weimarer Republik diese Ehre zuteil werden zu lassen. Keine Bonner Straße ist dem ehemaligen Bonner Studenten Joseph Goebbels gewidmet. Auch auf der Alumni-Ehrentafel im Universitätsmuseum fehlt der Name des späteren Propagandaministers und Nazi-Chefdemagogen aus Rheydt. Gut so. Ehre, wem Ehre gebührt.

Im Gegensatz zum ehemaligen Bonner Medizinstudenten Willi Graf, Mitglied der Widerstandsgruppe „Weiße Rose“ der Geschwister Scholl. Der 1918 in Euskirchen-Kuchenheim geborene Student wurde am 19. April 1943 wegen „Hochverrats, Wehrkraftzersetzung und Feindbegünstigung“ von Roland Freislers berüchtigtem Volksgerichtshof zum Tode verurteilt. Die Gestapo versuchte anschließend monatelang, Namen aus dem Studenten herauszupressen. Welche körperlichen und seelischen Qualen muss Willi Graf in dieser Zeit erlitten haben. Das Todesurteil wurde am 12. Oktober 1943 vollstreckt, der 25-Jährige mit dem Fallbeil enthauptet.

Den Nationalsozialismus wie durch ein Wunder überlebt haben zwei ehemalige Bonner Studentinnen und äußerst mutige Frauen, die mit ihrer Meinung zu diesem mörderischen, menschenverachtenden Regime nie hinter dem Berg gehalten haben. Elisabeth Schmitz wurde nach dem Studium der Germanistik und Geschichte Lehrerin – und als Mitglied der Bekennenden Kirche Widerstandskämpferin.

In einer Denkschrift hatte sie schon 1935 zutreffend prognostiziert, was mit dem Nationalsozialismus auf die Juden zukomme. Ihre Denkschrift schickte sie an 200 prominente Mitglieder der Evangelischen Kirche. Ihr Ziel: die Kirche zum öffentlichen Protest gegen die Judenverfolgung zu bewegen. Tatkräftig half sie jüdischen Mitbürgern. So nahm Elisabeth Schmitz die jüdische Ärztin Martha Kassel, die 1933 ihre Praxis und damit ihre Existenz verlor, bis zu deren Emigration im Dezember 1938 bei sich auf.

Das Konzentrationslager überlebt

Isa Vermehren, aufgewachsen in Lübeck, flog im Frühjahr 1933 vom Gymnasium, weil die Schülerin sich weigerte, die Hakenkreuzfahne zu grüßen. In Berlin holte sie das Abitur an der Abendschule nach, machte als Filmschauspielerin bei der UfA Karriere und gehörte dem Ensem-ble der „Katakombe“ an, Werner Fincks Kabarett. Auf der Bühne sang die junge Frau öffentlich gegen das NS-Regime an. Nachdem einer ihrer Brüder, der Diplomat Erich Vermehren, 1944 zu den Briten übergelaufen war, wurde Isa mit den Eltern und ihrem Bruder Michael verhaftet und im Zuge der „Sippenhaft“ interniert. Sie überlebte die Konzentrationslager Ravensbrück, Buchenwald und Dachau.

Nach dem Krieg studierte sie in Bonn Deutsch, Englisch, Geschichte, Philosophie und Katholische Theologie. Am 15. September 1951 trat sie in das Herz-Jesu-Kloster St. Adelheid der Kongregation der Schwestern vom Heiligsten Herzen Jesu in Pützchen ein. Die Ordensoberen erkannten das Talent der Nonne, auch anspruchsvolle Stoffe lebendig zu vermitteln. Sie durfte unterrichten und wurde 1961 mit der Leitung des Sankt-Adelheid-Gymnasiums in Pützchen betraut. Einem bundesweiten Publikum bekannt wurde Isa Vermehren, als sie von 1983 bis 1995 in der ARD „Das Wort zum Sonntag“ sprach.