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Neue Verpackungsregister: So will Deutschland die Recyclingquote erhöhen

Neue Verpackungsregister : So will Deutschland die Recyclingquote erhöhen

Die Bundesregierung will die Recyclingquote spürbar anheben. Einen Beitrag dazu soll das neue Verpackungsregister leisten. Was es damit auf sich hat, wie damit Müll vermieden werden soll - ein Überblick.

Weniger Verpackung, weniger Müll, mehr Recycling. Deutschland drückt seit Beginn des neuen Jahres mit einem neuen Verpackungsgesetz und einem verpflichtenden Verpackungsregister aufs Tempo. Nach den Worten von Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) will die Bundesregierung erreichen, dass die Wirtschaft künftig „umfassend“ über die Notwendigkeit von Verpackung und über die dabei verwendeten Materialien nachdenkt. Laut Schulze ist Deutschland derzeit mit einem Verpackungsverbrauch von 220 Kilogramm pro Bürger pro Jahr Verpackungs-Spitzenreiter in der EU. Bei der Vorstellung des Verpackungsregisters sagte Schulze: „Abfallvermeidung ist das erste und oberste Prinzip einer nachhaltig ausgerichteten Wirtschaft.“

Was ist das Verpackungsregister?

Mit der „Stiftung Zentrale Stelle Verpackungsregister“ (ZSVR) sollen Mindeststandards für die Recyclingfähigkeit von Verpackungen gesetzt werden. Künftig ist jedes Unternehmen oder jeder Hersteller, der Verpackung herstellt, in Umlauf bringt oder mit Ware befüllt, verpflichtet, sich bei der Zentralen Stelle Verpackungsregister auch zu registrieren. Ministerin Schulze spricht von einer sogenannten „Systembeteiligungspflicht“. Tut er dies nicht und wird dies festgestellt, können Vertriebsverbote und Bußgelder verhängt werden. Dafür sind nach den Worten der Vorsitzenden der „Stiftung Zentrale Stelle Verpackungsregister“, Gunda Rachut, in aller Regel die Sädte und Landkreise zuständig. Bringt ein Händler Verpackung in Umlauf, hat sich aber nicht im Verpackungsregister angemeldet, kann dies für ihn dazu führen, dass er seine Ware nicht mehr verkaufen darf.

Was leistet das neue Register noch?

Das Register soll Unternehmen auch eine Orientierungshilfe geben, wie gut die Recyclingfähigkeit der gewählten Verpackungen ist. Insgesamt ist das Ziel: weniger Plastik, höhere Recycling-Quote. Ministerin Schulze will dabei auch eine Trendwende einleiten – weg von der Wegwerf- und Verpackungsmüllgesellschaft. Alle Unternehmen, die Verpackungen in Umlauf bringen, müssen sich beim Register anmelden.

Wie reagieren die Händler?

Laut der Zentralen Stelle Verpackungsregister hat sich der ohnehin harte Wettbewerb mit dem Start des Registers weiter verschärft. Dutzende Online-Händler hätten sich bereits gegenseitig angezeigt, also bei der ZSVR Meldung gemacht, dass Wettbewerber A oder B sich noch nicht registriert hätten. Stand 14. Januar dieses Jahres sind im Verpackungsregister 130 000 Unternehmen gemeldet. Damit seien 70 000 Unternehmen mehr gemeldet als bislang bei den dualen Systemen. Stiftungsvorsitzende Rachut: „Das ist ein guter Start.“ Bis zum Ende dieses Jahres soll die Zahl der registrierten Unternehmen dann 230 000 bis 250 000 erreicht haben.

Was haben die Kunden davon und wird es für die Kunden teurer?

Bundesumweltministerin Schulze will mit dem neuen Verpackungsregister auch mehr Klarheit für die Bürger. Verbraucher sollen beim Griff ins Regal leichter erkennen, ob sie ein Einweg- oder Mehrweg-Produkt auswählen. Ob es für Endverbraucher teurer wird, ist abschließend noch nicht zu sagen. Die Zentrale Stelle Verpackungsregister erwartet jedenfalls höhere Recyclingquoten. Mehr Recycling bedeute aber auch höhere Kosten. Je mehr Unternehmen sich registrieren ließen, umso Geld fließe dann aber wiederum ins System. So müsse beispielsweise ein US-amerikanischer Kaffeehersteller, der seine Heißgetränke millionenfach in Pappbechern ausgebe, sich künftig ebenso registrieren lassen wie eine kleine Schmuckhändlerin, die Unikate auch online anbiete und verpackt verschicke.