Besuch in Bonn: Aktivistin aus Bangladesch informiert über dortige Arbeitsbedingungen

Besuch in Bonn : Aktivistin aus Bangladesch informiert über dortige Arbeitsbedingungen

Nach dem Einsturz einer Fabrik vor fünf Jahren haben sich die Arbeitsbedingungen für Beschäftige der Bangladescher Bekleidungsfabriken verbessert. Bei einem Besuch in Bonn sprach Aktivistin Kalpona Akter darüber, warum der Boykott von Kleidung aus Bangladesch falsch ist.

Am 24. April 2013 verbreitete sich aus Bangladesch eine tragische Nachricht. Bei einem Fabrikeinsturz in der Stadt Sabhar kamen damals über 1100 Menschen ums Leben, viele davon Arbeiterinnen bei einem Textilunternehmen. Das achtgeschossige Gebäude, genannt Rana Plaza, hatte schwere bauliche Mängel und kollabierte schließlich an jenem 24. April. „Der Einsturz des Fabrikgebäudes war ein menschengemachtes Desaster“, sagt Kalpona Akter, die als Gewerkschaftsführerin und Aktivistin für bessere Arbeitsbedingungen in den Textilfabriken Bangladeschs kämpft.

Um auch fernab der Heimat über die aktuelle Situation in den Fabriken zu berichten, ist Akter derzeit auf Europareise. Neben Paris, Brüssel und Amsterdam stattete sie auch dem Verein Femnet in Bonn einen Besuch ab, der sich für die Rechte von Frauen in der weltweiten Bekleidungsindustrie einsetzt. Dazu gehört auch die Forderung nach einem neuen Abkommen, das kurz nach der Katastrophe mit 220 Textilherstellern geschlossen wurde, in diesem Mai aber ausläuft.

„Durch das Abkommen hat sich in den vergangenen fünf Jahren bei der Sicherheit in den Fabriken einiges verbessert“, betont Akter, die dabei auf neue Regeln beim Brandschutz und der allgemeinen Gebäudesicherheit verweist. In den rund 1600 Fabriken, die von der Vereinbarung betroffen sind, gebe es nun Brandschutztüren, Notausgänge und automatische Sprinkleranlagen. „Allerdings sind auch einige Fabriken nach einer Überprüfung geschlossen worden, weil sie erhebliche bauliche Mängel hatten“, erzählt die Aktivistin.

Löhne sollen von 52 Euro im Monat auf 157 Euro steigen

Sie selbst begann einst als Zwölfjährige in einem dieser Bekleidungsbetriebe, wurde wegen ihrer gewerkschaftlichen Arbeit aber vor die Tür gesetzt. Ihr Engagement für die Rechte der über vier Millionen Arbeiter in der Textilindustrie in Bangladesch behielt sie dennoch bei.

Neben der weiteren Verbesserung der Arbeitsbedingungen in den Fabriken verlangt Akter mit ihren Mitstreitern auch höhere Löhne. Aktuell liegt der Mindestlohn bei umgerechnet 52 Euro – pro Monat. Geht es nach der Gewerkschaft, soll sich dieser Betrag in Zukunft um das dreifache auf etwa 157 Euro erhöhen. „Die Löhne sind in den vergangenen fünf Jahren trotz Inflation nicht gestiegen“, sagt Gisela Burckhardt, Vorstandsvorsitzende von Femnet. Sie sieht die Lohnforderungen auch deshalb als eher zurückhaltend an. Was die Regierung zu diesen sagt, ist bislang noch nicht bekannt. Laut Akter will sie im Juni ein eigenes Angebot vorlegen.

Verflechtungen zwischen Politik und Wirtschaft

Generell sei von der Regierung aber keine große Unterstützung für die Anliegen der Gewerkschaft zu erwarten, meint Akter. Der Grund: „Sie hat starke Beziehungen zu den Besitzern der Fabriken“, sagt die Aktivistin. Nach ihrer Einschätzung sind rund 30 Prozent der Parlamentarier in Bangladesch sogar selbst Fabrikbesitzer.

Trotz der schwierigen Umstände betont Akter aber, welche Bedeutung die Textilbranche für ihr Land hat – und dass ein Boykott von dort genähten Kleidungsstücken der falsche Weg ist. „In anderen Ländern wie Vietnam oder Kambodscha sind die Arbeitsbedingungen auch nicht besser“, sagt die Gewerkschafterin. Ihr Wunsch: Verantwortungsbewusste Konsumenten. „Wenn die Kunden im Geschäft nach den Arbeitsbedingungen und der Bezahlung in Bangladesch fragen, dann wird auch das zu Veränderungen führen.“

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