Kommentar zur AfD in Ostdeutschland: Geteiltes Land

Kommentar zur AfD in Ostdeutschland : Geteiltes Land

Es wäre an der Zeit für eine ehrlichere Analyse statt für die Weitererzählung der Mär von den vergessenen und bemitleidenswerten Ostdeutschen. Gerade Sachsen ist in Sachen Bildung und Wirtschaftskraft ein Musterland, kommentiert GA-Korrespondentin Rena Lehmann.

In der nächsten Woche werden in Mainz die Feierlichkeiten zum Tag der Deutschen Einheit stattfinden. Das Wahlergebnis vom Sonntag dürfte die Euphorie über die Einheit etwas dämpfen. Denn es wirft 27 Jahre nach der historischen Wiedervereinigung die Frage auf, wie einig dieses Land mental und kulturell ist. Beim Wählen ist es ein nach wie vor geteiltes Land.

In den neuen Bundesländern ist die AfD überwiegend zweitstärkste Kraft geworden, in Sachsen mit mehr als 30 Prozent sogar die stärkste. Während sie in den westlichen Ländern überwiegend im Bundesschnitt für die Partei lag, erzielten die neuen Rechten im Osten Deutschlands Ergebnisse von weit über 20 Prozent. Ein spezifisch ostdeutsches Phänomen will darin aber keine der Parteien erkennen.

Die Linkspartei, über viele Jahre im Osten stark und auch für viele sogenannte Protestwähler eine Option, sieht darin nur einen weiteren Beleg dafür, dass die Menschen im Osten ganz besonders unter sozialer Ungerechtigkeit zu leiden haben. Die Wähler im Osten wollten Angela Merkel und ihrer großen Koalition dafür den größtmöglichen Denkzettel verpassen – und hätten deshalb die AfD gewählt, so die Linkspartei. Auch Merkel, selbst Ostdeutsche, will in dem Phänomen nur einen Ausdruck dessen sehen, dass die Menschen im Osten den Eindruck hätten, ihre Probleme würden nicht gehört.

Es wäre an der Zeit für eine ehrlichere Analyse statt für die Weitererzählung der Mär von den vergessenen und bemitleidenswerten Ostdeutschen. Gerade Sachsen ist in Sachen Bildung und Wirtschaftskraft ein Musterland, die historischen Städte sind mit Milliarden an Steuergeldern prachtvoll saniert worden. Der Osten glänzt an vielen Orten.

Statt aber auf diese Leistungen stolz zu sein, wählten viele Ostdeutsche – in Sachsen sogar sehr viele – aus Angst, Sorge oder gar „aus Protest“ eine rechte Partei, die nun „Frau Merkel jagen will“, und in deren Reihen wiederum viele sind, die diese Demokratie ablehnen. Dabei waren es im Herbst 1989 die Ostdeutschen, die so mutig und beeindruckend die Demokratie für sich erkämpft haben. Für das Wahlverhalten vieler von ihnen muss man kein Verständnis haben.

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