Bonner Bundesamt in der Kritik: Nach Datenklau-Skandal: BSI wehrt sich gegen Vorwürfe

Bonner Bundesamt in der Kritik : Nach Datenklau-Skandal: BSI wehrt sich gegen Vorwürfe

Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) soll bereits seit Wochen von dem massiven Datenklau von Politikern und Prominenten Kenntnis gehabt, diese aber nicht an andere Sicherheitsbehörden weitergeleitet haben. Nun hat sich die Bonner Behörde zu den Vorwürfen geäußert.

Wusste das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) schon seit Wochen von dem massiven Diebstahl persönlicher Daten von Politikern wie Kanzlerin Angela Merkel und Prominenten wie Jan Böhmermann, hat diese aber nicht an andere Sicherheitsbehörden weitergeleitet? Die Bonner Behörde muss sich derzeit viel Kritik wegen des Umgangs mit dem Datenklau-Skandal anhören.

Der FDP-Digitalpolitiker Manuel Höferlin sagte der dpa, man müsse sich über die Informationspolitik der Behörde wundern. „Das Bundesamt muss seine Vorgehensweise darlegen und kritisch überprüfen.“ Auch Linke-Fraktionschef Dietmar Bartsch reagierte empört: „Angesichts der Dimension dieses Datenklaus ist die Nichtinformation von Partei- und Fraktionsvorsitzenden durch die Behörden völlig inakzeptabel. Gibt es etwas zu verbergen?“

Am Samstag versuchte das BSI, die Kritik mit einer Mitteilung zu entkräftigen: So sei die Behörde Anfang Dezember von einem Mitglied des deutschen Bundestages darüber informiert worden, dass dieser fragwürdige Bewegungen auf privaten und personalisierten E-Mail- und Social-Media-Accounts festgestellt habe. Das BSI habe diesen Fall sehr ernst genommen und ihn in das Nationale Cyber-Abwehrzentrum eingebracht.

Dem Politiker habe man Unterstützung angeboten und sei mit einem Mobile Incident Response Team vor Ort gewesen. Zu diesem Zeitpunkt sei man aber noch von einem Einzelfall ausgegangen. Von einem Zusammenhang mit den durch den Twitter-Account „G0d“ (@_0rbit) veröffentlichten Daten habe das BSI bis zur Nacht von Donnerstag auf Freitag keine Kenntnis gehabt.

"Anfang Dezember 2018 war in keiner Weise absehbar, dass es weitere Fälle gegeben hat. Ein Zusammenhang der oben genannten Einzelfälle konnte erst im Nachhinein durch die Analyse der Gesamtheit der aktuell im ganzen veröffentlichten Datensätze festgestellt werden", heißt es in der Erklärung des BSI von Samstagnachmittag.

Nach derzeitigem Erkenntnisstand handelte es sich überwiegend um Angriffe auf private und persönliche Accounts der Betroffenen. "Das BSI ist zuständig für den operativen Schutz der Regierungsnetze. Für die Absicherung parteilicher oder privater Kommunikation von Mandatsträgern kann das BSI nur beratend und auf Anfrage unterstützend tätig werden", hieß es weiter.

Die Linke-Politikerin Domscheit-Berg sagte dazu: "Diese Art Kommunikation ist dazu geeignet, das Vertrauen in staatliche Sicherheitsorgane zu erschüttern."

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