Stadt der Zukunft: Umweltbewegung neuen Stils

Stadt der Zukunft : Umweltbewegung neuen Stils

Vor wenigen Jahren noch als „Großstadt-Ökos“ belächelt, die am Straßenrand ihr Gemüse anbauen, sind Urban Gardener heute in fast allen deutschen Städten anzutreffen: ob Berlin, Köln, Bonn oder Andernach. Ob auf Dächern, in brachliegenden Hinterhöfen, entlang der Stadtmauern oder auf öffentlichen Plätzen und Verkehrsinseln. Gemeinschaftsgärten mitten im Stadtraum haben sich etabliert.

Über die Rückkehr der Gärten und der Landwirtschaftin die Stadt hat Christa Müller ein Buch herausgegeben. Die Soziologin forschtseit Jahren über nachhaltige Lebensstile, neue Wohlstandsmodelle und UrbanGardening. „Das ist eine neue Form der urbanen Intervention mit Anleihen ausder Aktionskunst und der Nachhaltigkeitsbewegung, eine Umweltbewegung des neuenStils sozusagen“, sagt Müller. Deren jungen Akteure ließen sich nicht gerneetwas vorschreiben, auch nicht von der Stadtplanung, sondern probierten Dingelieber aus.

Um das Jahr 2000 kam der Begriff Urban Gardening auf und wurde schnell zum Trend. Das erste und bis heute bekannteste Projekt ist der Prinzessinnengarten am Moritzplatz in Berlin-Kreuzberg. Von der Hauptstadt breitete sich die Bewegung aus. Der Umgang mit Lebensmitteln, die Vielfalt der heimischen Natur, der soziale Zusammenhang: Beim Urban Gardening kommen einige Punkte zusammen. „Da sind neue Formen der Gemeinschaftentstanden. Die Leute suchen den Kontakt zur Natur und haben so auch dasSelbermachen wiederentdeckt“, erklärt Müller.

Auch im „Ermekeilgarten“ geht es nicht nur ums Ernten und Essen. Hier ist ein Lernort für Umweltbildung, Nachhaltigkeit und lokales Engagement entstanden. Die Ermekeil-Initiative bietet vor Ort unter anderem Workshops für Schulkassen und Infoveranstaltungen zum Klimawandel an.

Auch Wissenschaftler sehen in Gemeinschaftsgärteneine Chance, den Problemen der meist wachsenden Städten entgegenzutreten. „Eswird in Zukunft neue Planungskonzepte für Städte geben“, sagt auch Müller. DieSelbstversorgung und der Pflanzenbau in der Stadt werden ihrer Meinung nach inZukunft noch deutlich an Bedeutung gewinnen. „Die Landwirtschaft kehrt in dieStadt zurück.“ Das alles liege auch an den stark zunehmenden Ölpreisen, dieLebensmittel von außerhalb teurer werden ließen.

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