Ist das Haus der Bildung eine Nummer zu groß?

Ist das Haus der Bildung eine Nummer zu groß?

Zum Artikel "Lautstarker Protest im Stadthaus", erschienen am 26. November

Ich habe großes Verständnis für Sparmaßnahmen, nur macht es mich wütend, dass das Haus der Bildung jetzt so viel teurer wird als veranschlagt. Heißt denn Sparen nicht auch bei einem städtischen Bau eine verantwortliche Haushaltführung und Aufsicht, damit die Kosten nicht aus dem Ruder laufen?

Hinzu kommt, dass die ausgelagerten Stellen immer noch nicht das Haus der Bildung beziehen können. Auch das kostet. Ich bin davon überzeugt, dass mit diesen Mehrkosten jahrelang die Miete für die Bücherei hätte bezahlt werden können und wahrscheinlich auch ein Teil der Personalkosten. Warum nehmen das die Parteien einfach hin?

Rolf Schleßmann, Bonn

Wäre damals bei der Planung des Hauses der Bildung, bei auch schon zu dieser Zeit existierender knapper Haushaltslage, als Folge die Schließung von Stadtteilbibliotheken benannt worden, so wäre die Akzeptanz für dieses Großprojekt sicherlich stark gesunken. Und so begann ein für die Bonner Stadtpolitik sehr bekanntes Spiel mit "gezinkten Karten", an dessen Ende ein weiteres teures Prestigeobjekt steht, respektive unterhalten werden muss. Dafür sollen bürgernahe, im wortwörtlichen Sinne soziale Beziehungen und Bildungsraum gestaltende Institutionen mit hohem ehrenamtlichen Engagement und vielen Synergien geschlossen werden. Das Haus der Bildung frisst sozusagen seine Kinder.

Nach der Konzeptvorstellung der Leiterin der Stadtbibliothek, Gabriele Frau Belloff, in der Kulturausschusssitzung entsteht ein funkelnder, aber höchst seelenloser Diamant in der Bonner Innenstadt. Ein weiterer Auftrittsort für das sogenannte Bildungsbürgertum, bezeichnend das von ihr versprochene Überraschungsei "literarischer Salon".

Und bezahlt wird dies mit der kulturellen Trockenlegung des Umlandes. Bonn lebt in seinen Vierteln, mit seinen kleinkulturellen Initiativen, den Sportvereinen, Karnevalsvereinen und wahrlich vielem mehr. Diese Lebendigkeit, ob im Melbbad, dem Friesi, den Sportplätzen, der Kulturmeile oder in den Stadtteilbibliotheken in Zeiten knapper Kassen zu erhalten ist lebensnotwendig für die Zukunft dieser Stadt. Im Sinne von "small is beautiful" entsteht aus jedem städtischem Euro durch ehrenamtliches Engagement ein höchst bedeutender unverzichtbarer kultureller als auch monetärer Mehrwert.

Jürgen Graff, Bonn

Nun ist also das neue "Haus der Bildung" (hoffentlich) bald einzugsbereit. Bestimmt ist es sehr schön, äußerst modern und natürlich sehr teuer. Vielleicht ist es auch eine Nummer zu groß und zu teuer für Bonn. Zudem muss es noch der Volkshochschule Platz bieten. Jetzt will man also, da ja gespart werden soll, vier bewährte Stadtteilbüchereien schließen und am liebsten alle und alles im Haus der Bildung zusammenfassen. Macht das Sinn, alles an einem Punkt zu konzentrieren?

Die Nutzer, Befürworter und Förderer der betroffenen Stadtteilbüchereien, wo Bildung und Erziehung Hand in Hand gehen, haben in Leserbriefen und anderem mehr bereits viele überzeugende Argumente dargelegt. Auch vernünftige Sparvorschläge für die Büchereien wurden gemacht, die jetzt nur umgesetzt werden müssten. Demnächst also die Kids, Eltern und sonstigen Nutzer, die ihre liebgewordenen Stadtteilbüchereien fußläufig oder mit Fahrrad erreichen können, im Haus der Bildung zu zentralisieren - eine gute Idee? Wohl eher nicht. Wahrscheinlich werden von diesem Personenkreis nur wenige dorthin kommen können.

Zudem kann eine Zentralbibliothek wie das Haus der Bildung die vielen besonderen, auch sozialen Aufgaben und Möglichkeiten einer Stadtteilbücherei gar nicht abdecken. Wussten Sie übrigens, dass Bonn bei den laufenden Ausgaben für Bibliotheken hinter armen NRW-Städten wie Duisburg oder Gelsenkirchen liegt (GA vom 10. November)?

Isa und Uwe Engelbrecht, Bonn

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