ÖPNV im Ahrtal: Elektrifizierung: Ahrtalbahn darf den Zug nicht verpassen

ÖPNV im Ahrtal : Elektrifizierung: Ahrtalbahn darf den Zug nicht verpassen

Die Elektrifizierung der Ahrtalbahn stand im Mittelpunkt eines Treffens im Mayschosser Bahnhof. Politiker aus dem Kreis Ahrweiler wollen die Verantwortlichen im Mainzer Verkehrsministerium von der Dringlichkeit der Modernisierung überzeugen.

70 Prozent der Bahnstrecken will der Bund bis zum Jahr 2030 elektrifizieren. Dafür ist viel Geld zu erwarten. So hoffen Kommunalpolitiker aus der Region auch auf neue Zeiten für die Ahrtalbahn. Bei einem Treffen mit Kommunalpolitikern, Vertretern der „Freunde der Ahrtalbahn“ und der Bundestagsabgeordneten Mechthild Heil (CDU) im Mayschosser Bahnhof diskutierten sie jetzt Strategien, um die Verantwortlichen im Mainzer Verkehrsministerium von der Dringlichkeit einer Elektrifizierung der Züge im Ahrtal zu überzeugen.

Dabei wurde nicht ganz klar, ob das Ministerium eine Prioritätenliste für die Elektrifizierung von Strecken landesweit bereits fertig hat oder ob sie derzeit noch in Arbeit ist. Die Landtagsabgeordneten aus der Region sollen das erkunden. Im Kreis sollen derweil Argumente pro Elektrifizierung zusammengetragen werden.

Als Mayschosser Bürgermeister begrüßte Hubertus Kunz die Diskussionsrunde. Er dankte den „Freunden der Ahrtalbahn“, die „entscheidende Hinweise“ zu dem Elektrifizierungsprojekt und den Absichten des Bundes gegeben hätten. Demnach soll ab 2030 der Rhein-Ruhr-Express von Bielefeld aus bis zum Endpunkt der Ahrtalbahn in Ahrbrück geführt werden. Willi Tempel von den Freunden der Ahrtalbahn regte an, den Endpunkt grundsätzlich nicht in Ahrbrück festzuschreiben, sondern auch nach Lösungen für eine Weiterführung bis Adenau zu suchen – wie es früher war. Die Kreisstadt wolle sich ebenfalls in die Anstrengungen einbringen, sagte Kunz.

Grundsätzlich war sich die Runde einig, dass überzeugende Punkte für eine schnelle Elektrifizierung der Ahrtalstrecke zusammengetragen werden müssten, Argumente, die sich nicht mit denen konkurrierender Regionen deckten: Alleinstellungsmerkmale.

Wolfgang Groß, Vorsitzender der „Freunde der Ahrtalbahn“, brachte das elektronische Stellwerk ins Gespräch, das die Bahn in Ahrweiler zur Beschleunigung der Betriebsabläufe längst vorgesehen hat, das aber noch immer nicht realisiert worden ist. Diese neue Technik betrachte er als Voraussetzung für Verbesserungen auf der Strecke. Außerdem müssten alle Bahnsteige auf eine Höhe von 76 Zentimetern gebracht werden, was nicht problematisch sei. Noch in diesem Jahr solle eine technische Machbarkeitsstudie für die Ahr erstellt, anschließend die Wirtschaftlichkeit geprüft werden. Groß rechnet bei Elektrifizierung mit einem „Gewinn von zehn Minuten“ zwischen Remagen und Ahrbrück. Statt mit 120 Stundenkilometern könnten die Züge mit 140 bis 160 Stundenkilometern verkehren. Er regte auch an, sich über die Elektrifizierungsprojekte im südlichen Nordrhein-Westfalen kundig zu machen.

Resolution im Kreistag

Nach Meinung der Bundestagsabgeordneten müsse bei den Argumenten die Wirtschaftlichkeit an vorderster Stelle stehen. Außerdem führte Heil den Tourismus und die Arbeitsplätze im Köln-Bonner Raum an. Sie wolle in der Sache den Verkehrsminister des Landes anschreiben.

Die schnelle Elektrifizierung sei wirtschaftlich interessant für Rheinland-Pfalz, argumentierte sie. Der Kreis müsse die eigenen Stärken herausarbeiten und damit auch nach Berlin gehen. Karl-Heinz Sundheimer, der Vorsitzende der CDU im Ahrweiler Kreistag, kündigte eine Resolution des Kreistags Richtung Mainz in der Sache an. Groß brachte eine Untersuchung von Ende der 1990er Jahre in Erinnerung, nach der 90 Prozent der Pendler von der Ahr Richtung Norden führen. Er wies auch darauf hin, dass die Stadt Bonn den Autoverkehr reduzieren wolle.

Kunz sprach über die Lage des Kreises am Rande der Ballungsregion im Norden. „Die Menschen dort haben alles, aber sie haben keinen Wein“, brachte er in die Diskussion. Der Individualverkehr mit Pkw sei im Kreis schon wegen fehlender Parkplätze nicht ausbaubar. Speziell für Mayschoß berichtete er, dass das Land das Quartierskonzept für Fernwärme mit 95 Prozent bezuschusse. Das Nahwärmenetz könne mit Holz aus der Region betrieben werden und damit Mayschoß in zehn Jahren frei von CO2 sein – wenn die Elektrifizierung der Bahn komme. Man solle nicht mit Kompromissen in die Diskussion gehen, sondern einen Plan fassen und allein die Elektrifizierung fordern.

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