Hoher Krankenstand: Ausfälle bei Bonner Bus und Bahn ärgern Fahrgäste

Hoher Krankenstand : Ausfälle bei Bonner Bus und Bahn ärgern Fahrgäste

Die Stadtwerke Bonn (SWB) haben erneut Probleme mit Ausfällen und Verspätungen auf den Bus- und Bahnlinien. Das liegt laut SWB auch an kurzfristigen Krankmeldungen von Fahrern.

Die Stadtwerke haben in den vergangenen Wochen erneut Probleme mit Ausfällen und Verspätungen auf den Bus- und Bahnlinien gehabt. Vor allem zwei Gründe haben nach Angaben der SWB Bus und Bahn dazu geführt. „Neben Verspätungen aufgrund von Behinderungen im Liniennetz durch Baustellen, Unfälle und Berufsverkehr führten in der zweiten Septemberhälfte auch kurzfristig erhöhte Krankenstände zu zeitlich begrenzten Ausfällen im Netz“, sagte SWB-Sprecher Michael Henseler. Nicht immer hätten nach krankheitsbedingten Ausfällen kurz vor Dienstbeginn alle Strecken mit Reservefahrern besetzt werden können, bedauerte er.

Als Beispiel nannte Henseler die Buslinie 633, die vom Duisdorfer Bahnhof bis zum Bahnhof Bornheim-Sechtem fährt. Wegen einer Baustelle zwischen Bornheim und Sechtem hätten die Fahrer oft im Stau gestanden. Da die Fahrer gesetzlich vorgeschriebene Lenkzeiten nicht überschreiten dürften, führten solche Verspätungen zu Umdisponierungen in der Leitstelle, denn die Pausen müssten eingehalten werden. Das kann laut Henseler dazu führen, dass Fahrer an vielbefahrenen Haltestellen wie dem Bertha-von-Suttner-Platz oder dem Zentralen Omnibusbahnhof ihre Route abbrechen, um von dort wenigstens die Rückfahrt pünktlich bedienen zu können.

Insgesamt fahren die SWB auf 38 Buslinien, sechs Stadtbahnlinien und drei Straßenbahnlinien. Eine GA-Leserin, die nicht namentlich genannt werden will, klagte darüber, dass die Buslinie 602 in den vergangenen Wochen teilweise vier Mal pro Woche ausgefallen sei. „Ich bin dann von der Ellerstraße zu Fuß zum Stadthaus gegangen“, sagte die Frau, die mit einem Jobticket fährt. Verkehrsprobleme könnten nicht zu diesen Ausfällen geführt haben, denn sie nehme den Bus morgens um 6.36 Uhr, wenn die Straßen noch frei seien.

Stadtwerke hoffen auf Besserung

Das Beschwerdemanagement habe ihr auf Nachfrage mitgeteilt, kurzfristige Krankmeldungen seien ausschlaggebend gewesen. „Ich denke, dass auch eine kurzfristige Krankmeldung eines Fahrers in keiner Weise den Ausfall der öffentlichen Verkehrsmittel rechtfertigt“, klagte sie. Henseler bestätigte, dass die Linie 602 von Tannenbusch über den Hauptbahnhof zum Venusberg vor allem zwischen Bornheimer Straße und Hauptbahnhof wegen der angespannten Verkehrslage Verspätungen einfahre.

Die Stadtwerke hoffen auf Besserung. In diesem Jahr seien 70 Fahrerinnen und Fahrer eingestellt worden, für weitere 15 Stellen liefen Bewerbungsverfahren. „Unsere Maßnahmen greifen. In den kommenden Wochen werden sie für die Fahrgäste in Bussen und Bahnen sichtbar sein. Allein 30 Nachwuchsfahrer sind derzeit im Zuge ihrer operativen Ausbildung bereits im Liniennetz unterwegs“, erklärte SWB-Sprecher Werner Schui.

Wie die vergangenen Quartalsberichte über die Leistungsfähigkeit des öffentlichen Nahverkehrs der SWB zeigen, haben Ausfälle und Verspätungen spürbar zugenommen. Da Fachkräfte in der Branche fehlen, haben die Verkehrsbetriebe ein digitales Online-Bewerberportal ins Leben gerufen und ein vereinfachtes Bewerbungsverfahren eingeführt. An Schnuppertagen auf dem Betriebshof konnten Interessenten sich selbst hinters Steuer setzen und informieren. Für den Ausbildungsgang Berufskraftfahrer hätten die SWB im Jahr 2017 acht Bewerber verpflichten können, in diesem Jahr seien es zehn gewesen, so Schui. Für 2019 liegen dem SWB-Sprecher zufolge 35 Bewerbungen für weitere zehn Stellen vor.

Gabi Mayer, Aufsichtsratsmitglied der SWB Bus und Bahn, bewertet die Anwerbeversuche positiv. „Der Schichtdienst ist natürlich anstrengend, umso wichtiger ist es, ein attraktives Umfeld zu schaffen“, sagt die SPD-Politikerin. Es müssten ausreichend Fahrerinnen und Fahrer eingestellt werden, um eine Reserve bei Krankheitsfällen in der Hinterhand zu haben. Auch müsse möglicherweise über finanzielle Anreize bei Sondereinsätzen nachgedacht werden.

Immerhin vermeldete Mayer bei dieser Gelegenheit, dass die Stadt Wesseling einer künftigen Taktverdichtung der Bahnlinie 16 zwischen Bonn und Wesseling mit dem nächsten Fahrplanwechsel zugestimmt habe. Bonn und Bornheim hatten eine solche Taktverdichtung in beide Richtungen bereits beschlossen.