Hochwasserschutz in Mehlem: Bau des neuen Entlastungskanals in Mehlem fast komplett

Hochwasserschutz in Mehlem : Bau des neuen Entlastungskanals in Mehlem fast komplett

Für den Bau des neuen Entlastungskanals gräbt sich die Stadt in diesen Tagen unter den Bahngleisen und der B9 in Mehlem hindurch. Nur noch wenige Meter, dann ist der neue Hochwasserschutz für Mehlem komplett.

Von außen sieht es recht unspektakulär aus, was links und rechts neben der B 9 über der Meckenheimer Straße gerade passiert: pausenlos bis in tief in die Nacht zum Sonntag. Ein Bagger holt alle paar Minuten eine Lore voll Erde aus einer der zehn Meter tiefen Gruben heraus, setzt eine leere in dem Loch wieder ab. Die Hightech für den Hochwasserschutz spielt sich unten ab: Eine Vortriebsmaschine gräbt sich Stück um Stück 74 Meter lang unter der Straße und den Bahngleisen hindurch.

Bonns Tiefbauamtsleiter Peter Esch stapelt tief: Das Bohrverfahren in zehn Meter Tiefe sei fast so was wie Routine. Routine mit Maßarbeit. Die Ingenieure wissen ganz genau, an welcher Stelle die Schräme – eine Art Meißel – in der Grube Rolandswerther Straße herauskommt. Das sieht dann aus, als ob ein Küken die Schale seines Eis aufpickt.

Oben könne maximal ein Zentimeter etwas absacken. Deshalb hat Esch auch kein Herzklopfen, dass sich in Mehlem ein ähnliches Unglück wie jüngst in Rastatt ereignet, wo sich bei Tunnelarbeiten die Schienen abgesenkt hatten.

Bentonit ist unbedenklich für die Umwelt

Das liegt am Bauverfahren: Die Vortriebsmaschine kratzt mit ihrer Schräme das Erdreich in einem Durchmesser von 2,80 Metern aus. Ein Schild sorgt dafür, dass kein Hohlraum entsteht. Über ein Fließband wird die Erde nun nach hinten zur Lore transportiert. Gleichzeitig werden von der Grube aus die Kanalbetonrohre hydraulisch hinter die Vortriebsmaschine geschoben, rücken also Stück für Stück unter der B 9 vor. Außen herum wird als Schmiermittel Bentonit eingespritzt. Das funktioniert wie die Creme bei einem Zäpfchen.

Bentonit ist als Tonmineral dabei völlig unbedenklich für die Umwelt. Es wird auch bei Lebensmitteln und in der Kosmetik eingesetzt. Laut Plan wird der Bohrer am Samstag um 22 Uhr geborgen. Dann muss an dem Loch, wo er rausgekommen ist, noch eine Naht mit Beton gegossen werden. „Das dauert drei Stunden“, sagt Esch. Wie mit der Deutschen Bahn ausgehandelt, kann die am Sonntag um 1 Uhr dann wieder die Langsamfahrstelle über der Baustelle aufheben. Natürlich: In die Gruben kommen dann noch Schächte und alles wird verfüllt. Am Ende ist oben nur noch ein Kanaldeckel zu sehen.

Kosten waren ursprünglich 8,3 Millionen Euro

Ursprünglich sollte der Kanalbau 8,3 Millionen Euro kosten (60 Prozent davon zahlen Bund und Land). Doch es wird wohl mehr: Das liegt laut Esch unter anderem daran, dass die Bahn Angst um Fundamente und Widerlager der Brücke Meckenheimer Straße hatte. Der Handschlag von März war nichts mehr wert: Die Stadt musste (teuer) umplanen, sodass der Kanal an der Brücke nun einen Knick macht. Auch die Beschädigung eines Schmutzwasserkanals während der Arbeiten treiben die Kosten nach oben. Um wie viele Euro, weiß man noch nicht genau.

Nach den Unwettern der vergangenen Jahr hatten die Experten über Lösungen für einen sinnvollen Hochwasserschutz gebrütet. Im Raum standen Entsiegelungen, Schaffung von Retentionsflächen oder Bau eines Rückhaltebeckens. „Das nutzt aber bei Naturkatastrophen nichts“, sagt Esch.

Bei den riesigen Wassermassen bringe nur ein Überlauf in den neuen Kanal etwas. Der entsteht – als nächster Arbeitsschritt – für eine Million Euro ab kommender Woche an der Bachemer Straße. An dieser Weiche können dann als Maximum 14 000 Liter Wasser pro Sekunde durch den Bach rauschen, 40 000 durch die Röhre. Esch verspricht, dass am 31. März alles betriebsbereit sei. Trotzdem hat er einen Wunsch: „dass der Kanal niemals voll wird.“

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