Sogenannter "Medicane": Wirbelsturm über dem Mittelmeer möglich

Sogenannter "Medicane" : Wirbelsturm über dem Mittelmeer möglich

Über dem Mittelmeer ist derzeit Ungewöhnliches zu beobachten: In der Nähe Italiens entstehen mächtige Gewittersysteme. Diese könnten sich in den kommenden Tagen zu einem Wirbelsturm entwickeln.

Meteorologen bezeichnen die speziellen Mittelmeer-Stürme als Medicanes (mediterranean hurricanes). „Damit sie entstehen können, muss die Wassertemperatur des Meeres mindestens 26 Grad betragen. Dann verdunsten große Wassermassen und kondensieren zu mächtigen Gewitterwolken“, sagt Matthias Habel, Meteorloge bei WetterOnline. "Durch die Drehung der Erde werden diese in Rotation versetzt – der Sturm entsteht."

Tropische Hurrikane und Taifune existieren oft über mehrere Wochen, da sie sich über den warmen und ausgedehnten Wasserflächen der Ozeane selbst erhalten können. "Dies gelingt Medicanes nicht, da das Mittelmeer dafür schlicht zu klein ist", erklärt Habel. „Die Sturmsysteme stoßen daher schnell an Land und saugen dort trockenere Luft ein. Ihre hurrikanartige Struktur mit dem markanten Auge zerfällt innerhalb weniger Stunden.“ Das gesamte Sturmtief existiere meist nur wenige Tage.

Spitzenböen können weit über 120 Stundenkilometer erreichen und werden von intensiven, lang anhaltenden Regenfällen begleitet. Zerstörerische Windgeschwindigkeiten wie in starken Hurrikanen treten in Medicanes nicht auf. Allerdings führen sie laut Habel dennoch am Festland zu teils erheblichen Schäden.

Medicanes erst seit 30 Jahren erforscht

Regelmäßig beobachtet werden Medicanes seit den 1980er Jahren, als Satellitenbilder, die bis dahin völlig unbekannte Sturmsysteme mit ihrem wolkenfreien Auge über dem Mittelmeer zeigten. Bis heute sind die Stürme wegen ihres seltenen Auftretens nur sehr wenig erforscht.

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