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Bonn und Region: Alle Infos zu Sturmtief "Sabine" zum Nachlesen

Sturmtief „Sabine“ : Alle Infos zum Sturm in Bonn und der Region zum Nachlesen

Sturmtief „Sabine“ zieht weiter über Bonn und die Region. Am späten Montagabend warnte der Wetterdienst vor starkem Gewitter. Auch am Dienstag ist der Sturm noch nicht ganz vorbei. Alle Infos gibt es hier.

"Im Laufe des Dienstags beruhigt sich das Wetter“, sagt Meteorologe Karsten Brandt im Gespräch mit dem GA. Der starke Regen könne allerdings für Hochwasser sorgen. "In den kommenden Tagen ist ein Pegel bis sieben Meter möglich", sagt der Meteorologe. Mehr als 7.100 Einsätze und 13 Verletzte hat Sturmtief „Sabine“ in der Nacht auf Montag in Nordrhein-Westfalen verursacht. Fast 22.000 Einsatzkräfte von Feuerwehr und Hilfsorganisationen seien auf den Beinen gewesen, teilte das NRW-Innenministerium am Montag mit. Hinzu kamen fast 3.000 Einsätze der Polizei.

Brandt räumt auch ein: "Die Computermodelle haben den Sturm stärker angezeigt als er tatsächlich war." Aus seiner Sicht habe es im Vorfeld zudem eine mediale Übertreibung gegeben. „Man muss immer die Verhältnismäßigkeit wahren“, so Brandt.

Zwar sei der Sturm schwächer als erwartet eingetreten, dennoch habe er am Montag im Bonner Stadtgebiet 75 Stundenkilometer erreicht, sagt der Experte im Gespräch mit dem GA. Auch wenn die Unwetterwarnung aufgehoben ist, sollte man Waldgebiete laut Brandt meiden. Dort sind auch am Dienstag noch starke Windböen mit Stärke 10 möglich. Der Sturm sei noch nicht ganz vorbei.

Feuerwehr Bonn verzeichnet mehr als 100 Einsätze

Wie die Leitstelle der Feuerwehr Bonn am Montag mitteilte, wurden bis 18 Uhr 117 sturmbedingte Einsätze verzeichnet. In erster Linie habe sich die Feuerwehr um heruntergefallene Äste, umgestürzte Bäume und lose Dachziegeln kümmern müssen. Unter anderem wurden die Rettungskräfte am Montagmorgen zu einer Baustelle am UN-Campus gerufen, wo sich Teile eines im Bau befindlichen Hochhauses gelöst hatten. An der Bonner Oper musste in der Nacht ein zerrissenes Plakat abmontiert werden.

Ein weiterer Einsatz war auf der Oberkasseler Straße zwischen Ramersdorf und dem neuen Kreisverkehr Oberkasseler Straße/Pützchens Chaussee. In diesem Abschnitt musste die Straße gesperrt werden, da mehrere Bäume umgestürzt waren. Die Sperrung wird voraussichtlich noch bis morgen früh andauern.

Bereits am Sonntagabend war das Personal auf den Wachen verstärkt worden, damit die Lage auch im Bonner Umfeld eingehend beobachtet werden konnte. Seitens der Stadt wurde ein Bürgertelefon eingerichtet. Denn die Feuerwehr und auch die Stadtverwaltung appellierten an die Bürgerinnen und Bürger, nicht den Notruf von Feuerwehr und Polizei zu blockieren - dort sollten nur echte Notfälle gemeldet werden.

Bonner Polizei im Einsatz

Viele Einsätze hatte auch die Bonner Polizei abzuarbeiten. Sicherheitshalber mussten auch einige Straßen gesperrt werden – darunter die Oberkasseler Straße. In der Nacht auf Montag kam es auf der B9 in Fahrtrichtung Bad Godesberg auf Höhe der Landesbibliothek zu einer gefährlichen Situation: Die Polizei hatte dort über die Straße in mehreren Lagen Flatterband gespannt, weil Dachziegel herunterzufallen drohten. Da die Sperrung aber nicht beleuchtet war, fuhren einige Autos in das stramm gezogene Absperrband. Autofahrer, die das Hindernis frühzeitig entdeckten, konnten abbremsen, andere wichen aus. „Das Tiefbauamt wollte die Stelle mit Warnbaken sichern, kam aber aufgrund der Einsatzfülle nicht rechtzeitig dazu“, erklärte Polizeisprecher Robert Scholten. Nach Hinweisen konnte das Tiefbauamt die Stelle eine Stunde später sichern.

Eine abgerissene Markise hat am Montagmorgen die große Scheibe des Juweliergeschäft Ernst in Bad Godesberg zerstört. „Eine Sturmböe hat die festinstallierte Konstruktion aus der Hauswand gerissen“, sagte Inhaber Manfred Ernst. Er selbst war noch gar nicht im Laden, als der Vorfall geschah. „Aber aufmerksame Nachbarn haben direkt die Polizei und uns verständigt“, so Ernst. Das war umso wichtiger, da zumindest Wecker und Uhren griffbereit dagelegen hätten. „Es ist aber nach ersten Erkenntnissen nichts weggekommen“, so Ernst. In der Nacht fiel in der Liegnitzer Straße in Alt-Tannenbusch ein Baum auf ein geparktes Auto und zerstörte dabei die Front des Fahrzeuges.

Zahlreiche Schulen ließen Unterricht ausfallen

An den meisten Bonner Schulen ist am Montag der Unterricht aus Vorsicht ausgefallen. „Die Sicherheit der Kinder geht vor, die Lehrer haben dennoch Anwesenheitspflicht“, sagte Karin Steinberger, Schulleiterin der Matthias-Claudius-Grundschule in Endenich. Sabine Kreutzer, Schulleiterin der Marie-Kahle-Gesamtschule erklärte, dass das Altbaudach der Schule noch mit Ziegeln gedeckt sei, das stelle ein Risiko für die Schüler dar. Dennoch habe die Schule ein Betreuungsangebot für Kinder, deren Eltern beruflich verhindert waren, angeboten. Eine der wenigen Schulen, die den Eltern freistellte, ob sie ihre Kinder zur Schule schickten, war die Gesamtschule Beuel (IGS). Mit deutlich dezimierten Klassen verlief der Unterricht wie gewohnt.

Bahnverkehr in NRW eingestellt

Der Sturm hat seit Sonntagnachmittag auch Auswirkungen auf den Bahnverkehr. Züge hatten Verspätungen wegen Störungen an Bahnübergängen und Oberleitungen. Gegen 17.30 Uhr wurde der Bahnverkehr in NRW komplett eingestellt. Zwar lief der Bahnverkehr ab Montagmittag wieder an, dennoch fielen Züge aus. Viele Fahrgäste waren deshalb offenbar direkt auf andere Verkehrsmittel umgestiegen: Bei den Stadtwerken Bonn gab es keine Ausfälle.

Das Eisenbahnunternehmen National Express hatte im Vorfeld des Sturmes Vorkehrungen getroffen, um möglichst gut auf verschiedene Szenarien vorbereitet zu sein. „Ein Herabsetzen der Geschwindigkeiten der verkehrenden Züge ist sehr wahrscheinlich“, erklärte Cansu Erdogan von National Express. National Express hat den Fahrbetrieb am Montagmorgen gegen 7.30 Uhr zwar schrittweise wieder aufgenommen. Der Verkehr erfolgt aber nach wie vor mit verminderter Geschwindigkeit und nur auf befahrbaren Streckenabschnitten. Daher komme es weiterhin zu Verspätungen und Ausfällen, heißt es.

Der Sturm hatte aber auch Auswirkungen auf Kultur und Sport. So sagten die Telekom Baskets Bonn ihr Heimspiel gegen Ratiopharm Ulm im Telekom Dome nach Rücksprache mit der Feuerwehr ab. Malentes Theater Palast hatte die Aufführung von „Oh Alpenglühn“ abgesagt. „Sicherheit geht vor, denn ab Windstärke 8 müssen wir den Spielbetrieb einstellen“, erklärten die Verantwortlichen auf ihrer Facebook-Seite.