Aktuelle Kostümtrends: Wehe, wenn sie losgelassen

Aktuelle Kostümtrends : Wehe, wenn sie losgelassen

Es ist schon ein gewöhnungsbedürftiger Anblick, wenn sich ein mächtiger Flamingohals zwischen den Beinen eines Mannes nach oben schlängelt. Aber das närrische Volk fährt darauf ab, und deshalb: Viel Spaß mit den aktuellen Kostümtrends, die der Freizeitmarkt Knauber und Deiters als „Marktführer für Verkleidungen aller Art“ in ihrer ganzen Bandbreite anbieten.

Ups, ist das ein …? Nein, zum Glück, weiter oben am Halsende und fast auf Kinnhöhe des Besitzers kommt der nervöse Blick des Betrachters zu Ruhe. Nur ein Flamingo. Uff. Klar, weiter unten, wo der rosa Hals zwischen den Beinen des Trägers beginnt, das ist ja auch kein … na, Dings, sondern ein Vogelkörper. Klar, total witzig, der Kerl sitzt in einem sogenannten Huckepackkostüm auf dem Flamingo. Irgendwie. Also alles wie es sein soll zu Karneval 2019 – total witzig und bunt und poppig und abgedreht.

Nix ist mehr, wie es sich die Ur-Narren mal dachten, als sie die französischen Besatzungstruppen mit ihren Uniform-Verballhornungen auf den Arm nahmen. Aber die Zeiten wandeln sich, und die Franzosen sind längst gute Nachbarn. Deshalb heute: Bunt ist angesagt.

Das zeigt sich auf der riesigen Saisonfläche im Freizeitmarkt Knauber besonders gut. Anders als in anderen Kostümgeschäften ist hier alles wohlgeordnet, hängt das fröhliche Vermummungsangebot thematisch sortiert und eine freundliche Angestellte steht mit Rat und Tat zur Seite. Regina Obieglo ist Abteilungsleiterin und als langjährige Karnevalistin bestens mit den Ansprüchen ans Verkleiden vertraut. „Viele Themen bleiben ja oft ähnlich“, erklärt sie. „Aber die Anbieter suchen immer nach neuen Interpretationen.“ Und ganz offensichtlich ist neben dem diesjährigen Modetier Flamingo das Thema Candy ziemlich angesagt. Da zeigt das Kostüm – ähnlich wie bei den Früchten – viel Buntes auf dem Stoff. Auch Tüll, Hütchen und natürlich ganz viele Accessoires dürfen nicht fehlen.

Für dieses Zubehör gibt es sowohl bei Knauber als auch auf den vier Etagen von Deiters in der Bonner Innenstadt enorm viel Raum. Von Schminke und Glitter bis hin zu Perücken, Schlipsen und Schals, Hüten und Brillen, Handtaschen, Masken, Strumpfhosen und Plastikwaffen ist alles vorhanden, was der Karnevalist für die Verkleidung benötigt. Kunstblut in Spritzen, Medaillen, Orden, Boas, Schwerter – die Auswahl ist unendlich, sofern man sich schon für ein Kostüm entschieden hat.

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Wie wäre es beispielsweise mit Kostümen im Stil der 80er-Jahre, für die beide Geschäfte viele Angebote bereit halten. Wer im Disco- und Miami-Vice-Stil auftreten will, muss natürlich bunt und schrill auftauchen und viele Blicke auf die Haut gestatten. Überall blinkt und blitzt es und man wartet nur darauf, dass Jane Fonda mit Löwenmähne und engem Aerobic-Shirt um die Ecke biegt. Selbst Handtäschchen für Nasenpuder, Lippenstift und andere Karnevalsutensilien finden sich im glitzernden Kussmund-Design. Lang lebe der Pop! Und 2019 auch die Schwester der Modelinie, die Pop Art. Bunte Anzüge und Kostüme, die an die Werke von Andy Warhol und Roy Lichtenstein erinnern.

Und das etwas düstere Steampunk-Outfit hält sich beharrlich als Karnevalstrend: Lange Mäntel im Lederdesign, dazu Hüte, Kappen, Ketten, dunkle Brillen – ein wenig Gothic und eine Prise Rammstein, und schon ist der Hingucker garantiert.

Relativ neu ist auch das wenig aussagekräftige, aber bunte Gambling – Klamotten und Hüte mit Spielkarten oder Roulette-Emblemen wirken nett, aber harmlos. Wer sich’s generell einfach machen will, der schlüpft in einen Overall. Ob Astronauten, Nonnen, Jetpiloten oder Sträflinge – der Einteiler ist seit Jahren ein gern gesehenes Kostüm, das für Männlein wie Weiblein gleichermaßen tragbar ist. Übrigens auch in den Ausführungen Zebra und Tiger erhältlich.

Und sonst? Rot-weiß ist – man lebt in der Nähe von Kölle – immer im Trend, genauso wie das schwarz-weiß geringelte Dress. Knallbunte Jacken und Patchworkmäntel sind angesagt und immer mehr im Kommen sind die Opposuits. „Das sind die Renner bei jungen und jung gebliebenen Männern, die eine gute Figur machen wollen“, beschreibt Regina Obiglo den eng geschnittenen Anzug.

Zirkus und Pantomime haben ihren Reiz behalten, genauso wie alles, was mit Film zu tun hat. Ein schönes Beispiel dafür ist bei Knauber das kunterbunte Dress der „Hutmacherin“, die mit Tüllrock, knappem Jäckchen und einem tollen hohen Hut die Blicke auf sich zieht und von der Kinoleinwand inspiriert wurde. Bei Deiters haben die roten Overalls und Masken aus der Netflix-Serie „Haus des Geldes“ einen guten Platz erobert. Figuren aus Harry Potter, Starwars und anderen Filmklassikern werden uns im Karneval in Massen begegnen. Und zum Themenkomplex Film und Serie gehören leider auch martialische Einzelkämpfer- und Polizisten-Outfits.

Womit wir schon in den Kinderabteilungen angelangt wären. Für die Kleinen bleiben Cowboys und Indianer, Piraten, Polizisten, Ninjas und Ritter das Maß aller Dinge. Und für insgesamt alle gilt schon seit Generationen: „Clowns gehen immer.“⋌ jöw