Stillstand soll beendet werden: Was wird aus der "Alten Druckerei" in Sinzig?

Stillstand soll beendet werden : Was wird aus der "Alten Druckerei" in Sinzig?

Die Sinziger SPD will die seit Jahren leer stehende "Alte Druckerei" an der Mühlenbachstraße in die Stadtentwicklung mit einbinden. Gespräche mit der Eigentümerin sollen von Seiten der Stadt aufgenommen werden.

Die SPD in Sinzig will die Stadtentwicklung vorantreiben. Im Visier steht dabei in erster Linie die Zukunft der „Alten Druckerei“ im Herzen der Stadt. Das Gebäude steht seit Jahren leer und könnte multifunktional genutzt werden. Allerdings wurde die Liegenschaft vor rund fünf Jahren an eine Kölner Investorin verkauft. Sie legte seinerzeit Baupläne vor, die in den städtischen Gremien auf wenig Gegenliebe stießen. Seither hört man nichts mehr von dem Vorhaben.

Die SPD will nun in der nächsten Stadtratssitzung am 9. Mai erreichen, dass Gespräche mit der Eigentümerin der Liegenschaft aufgenommen werden, „um zu prüfen, welche Möglichkeiten bestehen, das Gelände für Ziele der Stadtentwicklung zu nutzen“. Kann eigentlich nur heißen: Die Stadt soll ein Signal aussenden, damit der über kurz oder lang zu befürchtende Schandfleck in eine neue Zukunft geführt und zu neuem Leben erweckt wird. Denkbare Variante wäre jedoch auch, dass die Stadt das Areal kauft, was freilich eine Verkaufsbereitschaft der Investorin voraussetzt, die bislang ihre – aus städtischer Sicht – überdimensionierten Baupläne in Sinzig nicht umsetzen konnte.

Bereits seit 18 Jahren stehen die Räume auf dem zentral gelegenen Gelände zwischen Mühlenbachstraße und Barbarossastraße bis auf die Buchhandlung an der Mühlenbachstraße 40 weitgehend leer. Vor rund fünf Jahren kaufte schließlich die Kölner Investorin Manijeh Pischnamazzadeh (Nova Investment Management GmbH) das Anwesen mit dem Ziel, fünf Wohn- und Geschäftshäuser auf dem knapp 4000 Quadratmeter großen ehemaligen Druckerei-Grundstück zu errichten.

Die vorhandene Bebauung sollte weichen. Das rief allerdings die Sinziger auf den Plan. Nicht nur wegen der vorgesehenen zu großen Baukörper, sondern auch, weil das markante Gebäude der Buchhandlung „Walterscheid“ dem Baggerzahn ebenso zum Opfer fallen sollte wie die benachbarten Häuser, die dem Straßenzug als Gesamtensemble einen besonderen Charakter verleihen. In der jüngeren Vergangenheit wurde dann in der Bürgerschaft der Gedanke geboren, Teile des Gebäudes für Kunst und Kultur zu verwenden. „Ich unterstütze gerne ein Bürgerprojekt und möchte die Innenstadt in Sinzig beleben. Für mich als Investorin muss sich das am Ende aber auch rechnen“, sagte Investorin Pischnamazzadeh damals. Seither herrscht Stillstand. Nicht ganz. Denn im Gebäude der ehemaligen Druckerei hat sich in den vergangenen fünf Jahren ein reges kulturelles Leben entwickelt, das durchaus zur Belebung der Innenstadt beiträgt. Das Potenzial der Alten Druckerei für die weitere Sinziger Stadtentwicklung ist inzwischen auch im Integrierten Stadtentwicklungskonzept (ISEK) ausdrücklich erwähnt. „Eine städtische Nutzung des Geländes, oder eines Teiles davon, erweitert die Entwicklungsoptionen für die Kernstadt“, schrieb SPD-Fraktionsvorsitzender Hartmut Tann in seinem nun dem Stadtrat vorgelegten Antrag. Somit schließt zumindest die SPD nicht aus, dass die Stadt die Liegenschaft – oder zumindest Teile – von der Investorin abkaufen, pachten oder mieten könnte. Beispielsweise für ein Tourismusbüro.

„Auch dem Bedarf an öffentlichen Räumen beispielsweise für ein Mehrgenerationenhaus, ein Bürgerzentrum oder für kulturelle und andere Veranstaltungen könnte nachgekommen werden“, so Tann. Bekanntlich gibt es in Sinzig außer dem alten Helenensaal keine nennenswerte Versammlungsstätte. Die SPD-Initiative habe das Ziel, eine Einbeziehung des Grundstücks in ein Stadtentwicklungskonzept abzuklären, unterstrich Tann. „Damit böte sich der Stadt die Gelegenheit, die Entwicklung des Geländes in – aus städtischer Sicht – positiver Weise mitzugestalten und der Entwicklung der Kernstadt einen wesentlichen Impuls zu geben“, so der Fraktionsvorsitzende weiter. Auch würde die Gefahr verringert, dass das historisch bedeutsame Gebäude „Walterscheid“ abgerissen wird.