Aktion Weihnachtslicht: "Das Paradies ist etwas anderes"

Aktion Weihnachtslicht : "Das Paradies ist etwas anderes"

Nicole D. hatte viel Pech im Leben. Stefan S. lebt von Grundsicherung.

Die 73-jährige Nicole D. ist enttäuscht vom Leben: "Das Paradies ist etwas anderes." Vor 15 Jahren zog sie in eine 48-Quadratmeter-Wohnung im Süden Bad Godesbergs. Das Wohnhaus ist heruntergekommen, kürzlich wurde die Hautür eingetreten. Auch in ihrer Wohnung lässt so manches zu wünschen übrig. Für die winzige Küche wünscht sich die Seniorin von der Aktion Weihnachtslicht eine neue Spüle. Und die beiden E-Herdplatten geben bald auch ihren Geist auf.

"Ich hatte kein Glück mit den Männern", berichtet sie. "Mein erster Mann war Alkoholiker, der zweite ein Schürzenjäger." Die gemeinsamen Kinder kamen in die Obhut des Jugendamtes, seit 18 Jahren hat sie keinen Kontakt mehr zu ihnen.

Ohne Schulabschluss und Beruf hielt sich Nicole D. mit Aushilfsjobs in der Gastronomie über Wasser. "Ich hatte einfach kein Glück im Leben", stellt sie resigniert fest. (wem)

Dass der Präsentkorb für ihn allein sein soll, kann Stefan S. nicht glauben. „Da habe ich ja noch wochenlang etwas davon“, staunt er. Der Bonner hat eine Ausbildung im Handwerk absolviert. "Aber immer, wenn mir irgendwo etwas nicht gepasst hat, bin ich direkt gegangen. Als junger Mensch denkt man nicht an später", erklärt er.

Die Folge: Heute lebt er von Grundsicherung. "Früher bin ich viel gewandert, heute geht es nur noch mit dem Fahrrad", berichtet er und zeigt auf das Rad. Er schwärmt von seinen Touren im Sommer. "Ich packe mein Zelt ein und fahre immer am Rhein entlang."

Über die Spende vom Weihnachtslicht freut er sich sehr. "Bisher habe ich jeden Cent für Radtouren zurückgelegt, aber von einem Computer träume ich schon lange", überlegt der 70-Jährige. "Oder doch eine neue Waschmaschine. Sie ist nicht mehr die Jüngste und ich weiß nicht, wie lange sie es noch macht." (khn)

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