Unterstützung durch das Weihnachtslicht: Am Monatsende bleibt nur Kleingeld

Unterstützung durch das Weihnachtslicht : Am Monatsende bleibt nur Kleingeld

In den Wintermonaten kommen viele hilfsbedürftige Menschen an ihre Grenzen. Das Weihnachtslicht kann einigen Menschen helfen und ihnen die Winterzeit ein wenig erleichtern.

Maria M. friert. Sie trägt zwei Paar Socken übereinander und hat eine Decke über ihre Schultern gelegt. „Kommen Sie schnell in die Küche. Da ist es mollig warm“, lächelt die 79-jährige Rentnerin. Maria M. lebt und schläft derzeit in ihrer winzigen Küche. Auf knapp neun Quadratmetern hat sie sich eingerichtet: Sie schläft auf dem alten Küchensofa, die Fotos der Enkelkinder stehen auf der Fensterbank, ihr Bettzeug liegt akkurat gefaltet auf einem Stuhl. Das andere Zimmer ihrer kleinen Wohnung betritt sie derzeit nur ganz selten. Denn dort ist es bitterkalt. „Im Winter heize ich nur die Küche. Ich habe Angst, dass ich die Heizkosten sonst nicht bezahlen kann“, sagt sie.

Maria M. hat schon immer jeden Cent umdrehen müssen. Sie heiratete mit 21 Jahren und bekam fünf Kinder. Einen Beruf hat sie nie erlernt. Als ihr Ehemann früh starb, musste sie allein für ihre Kinder sorgen. Geschafft hat sie das nur, weil sie stets mehrere Aushilfsjobs gleichzeitig hatte. „Irgendwie sind wir immer über die Runden gekommen. Mir war wichtig, dass die Kinder nicht merkten, dass wir arm sind.“ Heute lebt Maria M. von 424 Euro Grundsicherung. „Am Ende des Monats ist oft nur noch Kleingeld im Portemonnaie. Manchmal reicht es nicht einmal mehr für frische Lebensmittel. Gerade im Winter muss ich rechnen. “

Das Schicksal von Maria M. ist kein Einzelfall. Altersarmut ist in einer vergleichsweise reichen Stadt wie Bonn ein Thema, das immer mehr Menschen betrifft. Das belegen aktuelle Zahlen des Sozialamtes: Erhielten zum Stichtag 31.12.2012 noch 2773 Personen ab 65 Jahren Grundsicherung, so stieg deren Anzahl im Laufe der Jahre kontinuierlich an (2977 in 2013; 3177 in 2014; 3439 in 2015; 3477 in 2016 sowie 3637 in 2017). Ende des vergangenen Jahres waren es bereits 3797 Bonner. In diesem Jahr spitzt sich die Situation dann noch einmal zu. Nach Angaben des Sozialamtes wurden bis 31. August bereits 3974 Bonner unterstützt.

Die größten Armutsrisiken sind nach wie vor Langzeitarbeitslosigkeit sowie Beschäftigungen im Minijobsektor. Frauen sind wesentlich häufiger betroffen. Von den 3974 Bonnern, die aktuell unterstützt werden, sind 2167 weiblich. „Prävention ist der beste Schutz vor Altersarmut“, appelliert Sozialdezernentin Carolin Krause. „Als Kommune stehen wir mit vielfältigen Beratungs- und Hilfsangeboten zur Seite.“ Allerdings haben gerade junge Familien und Alleinerziehende kaum Geld, um fürs Alter vorzusorgen. Steigende Lebenshaltungskosten und insbesondere hohe Mietzahlungen lassen dafür keinen Spielraum.

So wie Maria M. geht es vielen Senioren in Bonn und der Region. Am Ende eines arbeitsreichen Lebens sind sie oftmals arm. Ihnen möchte die Aktion Weihnachtslicht des General-Anzeigers in den kommenden Wochen eine Freude bereiten und ihnen wenigstens zur Weihnachtszeit für einen Moment ein sorgenfreies Leben ermöglichen. Heute startet die neue Kampagne der Hilfsaktion. Seit nunmehr 67 Jahren besuchen Mitarbeiter des Weihnachtslichts notleidende Mitbürger und beschenken sie.

Möglich ist die Hilfe allerdings nur durch die große Unterstützung sowie die enorme Spendenbereitschaft der Bevölkerung. Kinder, Erwachsene, Familie, Vereine sowie Unternehmen lassen sich immer wieder etwas Neues einfallen, um Geld für das Weihnachtslicht zu sammeln. „Die Hilfsbereitschaft der Menschen aus Bonn und der Region ist außerordentlich, und die Kreativität der Unterstützer überrascht uns immer wieder“, lobt Bernd Leyendecker, Vorsitzender des Vereins Weihnachtslicht, das freiwillige Engagement.

In den kommenden Wochen besuchen Mitarbeiter des General-Anzeigers arme Senioren in unserer Nachbarschaft und erzählen deren Lebensgeschichte auf den Weihnachtslicht-Seiten. Sie berichten aber auch über tapfere Mitbürger, die sich trotz zahlreicher Rückschläge nicht entmutigen lassen. Zu ihnen gehört Maria M. „Ich hadere nicht mit meinem Schicksal. Ich hatte einen guten Mann, habe fünf Kinder und vier wunderbare Enkel. Ich bin mit meinem Leben zufrieden“, sagt die 79-Jährige. „Trotzdem ist es schön, wenn ich mir jetzt keine Sorgen darüber machen muss, ob ich die Heizkosten bezahlen kann.“

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