Entsorgung : Kraftstoff aus der Biotonne

Die Rhein-Sieg-Abfallwirtschaftsgesellschaft investiert 36 Millionen Euro in eine innovative Kompostieranlage. Das ist ein weiter wichtiger Schritt in die Zukunft.

Rund 80 000 Tonnen Bioabfall sammelt die Rhein-Sieg-Abfallwirtschaftsgesellschaft (RSAG) pro Jahr über die braunen Biotonnen ein und verarbeitet diese an drei Standorten in Sankt Augustin, Gut Müttinghoven und Swisttal-Miel zu Naturkompost. Die Hallenanlage in Miel, die dort seit 1998 in Betrieb ist, wurde in den letzten Jahren erweitert, denn dort investierte die RSAG 8,5 Millionen Euro in eine sogenannte Anlage für Tunnelkompostierung und verdoppelte damit die Kapazität. Eine noch größere Investition wird jetzt am Standort Sankt Augustin geplant. Dort soll in den nächsten Jahren unter dem Namen „BIENE Bioenergie aus Bioabfall“ eine innovative Kombination aus modernem Kompostwerk und Biogasanlage entstehen. Und auch hier wird die alte Boxenkompostierung durch geschlossene Tunnel ersetzt.

 „Die Boxenkompostierung entspricht nicht mehr dem Stand der Technik und ist zudem sehr wartungsintensiv“, erläutert RSAG-Pressesprecher Joachim Schölzel. Denn das Material wird in den Boxen durch Förderschnecken transportiert, die schnell verschleißen und dann mit großem Aufwand ausgetauscht werden müssen. Die geplanten 16 Tunnel werden dagegen per Radlader befüllt und entleert – eine deutlich wartungsfreundlichere Lösung.

Ergänzt wird das neue Kompostwerk mit einer Kapazität von 30 000 Tonnen durch eine Biogasanlage mit einem Fermenter, in dem weitere 30 000 Tonnen Abfall zu Biogas vergärt werden sollen. Die Reststoffe aus dem Fermenter gehen anschließend ins Kompostwerk, das Biogas wird zu Methangas aufbereitet, das zukünftig als Kraftstoff für die Abfallsammelfahrzeuge der RSAG dienen soll. „Wir haben eine Fahrzeugflotte von 113 Fahrzeugen, die nach und nach auf Gasantrieb umgestellt werden“, so Schölzel. Mit dieser Umstellung könnte die RSAG bei einer angenommenen Nutzungszeit der Fahrzeuge von 20 Jahren rund 6100 Tonnen Kohlenstoffdioxid pro Jahr sparen. „Damit entsprechen wir den aktuellen Anforderungen an Energieeffizienz und tragen auch dem Klimaschutz Rechnung“, erklärt Schölzel. Die Investitionskosten liegen bei 36 Millionen Euro, doch die RSAG hofft , dass das Bundesumweltministerium das innovative Konzept mit Fördergeldern unterstützen wird.

Bis zum Ende des Jahres will die RSAG den Genehmigungsantrag stellen, der Bau soll 2021 beginnen. „Und wenn alles gut geht, können wir die Anlage 2023 in Betrieb nehmen“, so Schölzel. Der in der Anlage erzeugte hochwertige Kompost wird wie bisher vermarktet und im Landschaftsbau und zu geringem Teil auch im Weinbau eingesetzt. Dafür ist eine gleichbleibende Qualität des Produkts erforderlich.

„Leider werfen die Bürger immer wieder Plastiktüten in die Biotonne, die sich trotz aufwändiger Bearbeitung oft nicht vollständig entfernen lassen“, erläutert der Pressesprecher. Durch eine umfangreiche Aufklärungskampagne versucht die RSAG deshalb momentan, die Bürger für dieses Problem zu sensibilisieren. „In die Biotonne gehören niemals Plastiktüten, auch nicht die angeblich kompostierbaren. Wer seinen Müll einwickeln möchte, sollte dafür Zeitungspapier nutzen, denn das verrottet schnell und beeinträchtigt die Kompostqualität nicht“, bittet Schölzel um Unterstützung.