Kooperation: Ein Gewinn für Schulen und Unternehmen

Kooperation : Ein Gewinn für Schulen und Unternehmen

Lernpartnerschaften bringen Wirtschaft und Fachkräfte von morgen zusammen – wie bei der Gesamtschule Rheinbach und der Sarstedt AG

Raus aus dem Elfenbeinturm – heißt es für Unternehmen auf der einen und Schüler auf der anderen Seite. Denn angesichts des Fachkräftemangels müssen die einen sich ihren Nachwuchs heranziehen. Und die anderen frühzeitig überhaupt Kenntnis von den vielen Möglichkeiten bekommen, die es auch jenseits eines Studiums gibt. Mit der Vernetzung von Schule und Arbeitswelt bieten die KURS-Lernpartnerschaften  als Win-Win-Kooperationen für beide Seiten hervorragende Chancen. KURS steht für Kooperation Unternehmen der Region und Schule.

Im Rhein-Sieg-Kreis gibt es rund 100 KURS-Lernpartnerschaften, darunter seit April 2019 die Partnerschaft zwischen der Gesamt­schule Rheinbach und dem Medizingeräte-Hersteller Sarstedt AG mit seinem Rheinbacher Standort. Das international operierende Unternehmen, das Geräte und Material für Medizin und Wissenschaft produziert, vertreibt seine Produkte in 33 Ländern, hat 2800 Mitarbeiter an 14 Standorten unter anderem in den USA, Brasilien, Frankreich und Australien. Weltweit bietet Sarstedt 70 Ausbildungsstellen an. Oliver Trampenau von der Werksleitung Sarstedt Rheinbach stellte bei der feierlichen Besiegelung der KURS-Partnerschaft mit der Gesamtschule den Betrieb vor, der am Standort 130 Mitarbeiter beschäftigt und für junge Frauen und Männer Ausbildungsplätze anbietet in den technischen Berufen Mechatroniker, Verfahrensmechaniker (Kunststoff- und Kautschuktechnik) und Werkzeugmechaniker.

In Rheinbach achte man traditionell auf Kompetenzen in den MINT-Fächern Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik, stimmten Bürgermeister Stefan Raetz und der Erste  Beigeordnete Raffael Knauber überein. Schulleiterin Elke Dietrich-Rein sagte, dass Lernpartnerschaften dem praxisnahen Wissenstransfer und der Berufswahl dienen. „Das Unternehmen soll den Schülerinnen und Schülern der Partnerschule im Verlauf ihrer Schullaufbahn als Modell der unternehmerischen Arbeitswelt in verschiedenen Jahrgangsstufen und in unterschiedlichen Fächern und Zusammenhängen sowie in der Berufsorientierungsphase begegnen.“ Dabei sei es besonders wertvoll, dass es sich um ein Unternehmen vor Ort handelt und direkte Kontakte geknüpft werden, zum Beispiel während einer Praktikumsphase.

Als einige der Aktivitäten, die bisher stattgefunden haben, nannte sie: Interessierte Lehrer haben sich bei Betriebsführungen vor Ort über das Unternehmen Sarstedt informiert. Umgekehrt sind Auszubildende des Unternehmens in die Schule gekommen, um Unternehmen und Ausbildungsgänge vorzustellen. Bei Girls‘ und Boys‘ Day haben Schüler den Betrieb kennengelernt, was mit ausgewählten Schülern der Jahrgangsstufe 10 bei Langzeitpraktika intensiviert wurde. Das Erstellen von Bewerbungen wurde bereits gemeinsam eingeübt, und Vorstellungsgespräche sollen künftig im Rollenspiel eingeübt werden.

Für die Rheinbacher Gesamt­schule, die sich zurzeit im Aufbau befindet – aktuell bis Jahrgangsstufe 10 –, soll es aber nicht nur bei der KURS-Lernpartnerschaft mit Sar­stedt bleiben, wie die Schulleiterin ankündigte. „Die Berufsorientierung besitzt im allgemeinen Aufbauprozess unserer Gesamtschule einen hohen Stellenwert. Derzeit sind wir in Planungen zu weiteren Kooperationen mit Betrieben aus anderen Branchen, um vielfältig aufgestellt zu sein.“

Weitere Beispiele für KURS-Lernpartnerschaften: Die Gertrud-Koch-Gesamtschule in Troisdorf-Sieglar ist mit dem Unternehmen Maschinenbau Kitz im Juli dieses Jahres ihre dritte KURS-Partnerschaft eingegangen. Unter dem Leitmotiv „Begeisterung für Technik“ wollen die Mitarbeiter von Maschinenbau Kitz ihre Leidenschaft in die Schule bringen und mit gemeinsamen Aktionen besonders im Technikbereich das Interesse auch bei den Schülern entzünden. Damit wollen sie Jugendliche mit einer Begeisterung für Technik die Möglichkeiten in der Wirtschaft aufzeigen und für sich gewinnen. Die Integrative Gesamtschule Oberpleis hat im Sommer 2019 zwei neue KURS-Lernpartnerschaften geschlossen: mit der RHI Magnesita Didierwerke AG und der Kreissparkasse Köln. Die RHI Magnesita AG ist Weltmarktführer in der Herstellung von Feuerfestprodukten, die in industriellen Hochtemperaturverfahren weltweit verwendet werden. Sie sind unverzichtbar für die Stahl-, Zement-, Kalk-, Glas-, Energie-, Umwelt- und Chemieindustrie.

„Wenn Schulen und Wirtschaft sich füreinander öffnen, können beide Seite voneinander profitieren. So ist es seit vielen Jahren ein Anliegen der Kreissparkasse Köln, die Schulen in ihrem Geschäftsgebiet eng zu begleiten und zu fördern“, sagte Lisa Limmer, Regionaldirektorin bei der Kreissparkasse Köln anlässlich der feierlichen Unterzeichnung der KURS-Lernpartnerschaft mit der Integrativen Gesamtschule Oberpleis. „Mit Lernpartnerschaften sollen Schülerinnen und Schüler an Fragen aus Wirtschaft und dem Berufsleben herangeführt werden und neben der Vermittlung von wirtschaftlichen Inhalten ebenso mögliche Perspektiven für berufliche Zukunft aufgezeigt bekommen.“