Meckenheim : Das vorbildliche Gewerbegebiet

Die Stadt Meckenheim stellt Nachhaltigkeitsanspruch an Unternehmen im neuen „Unternehmerpark Kottenforst“

„Wenn wir nicht vor Ort mit der Nachhaltigkeit anfangen, wer dann?“ Darin ist sich Meckenheims Wirtschaftsförderer Dirk Schwindenhammer mit Bürgermeister Bert Spilles und dem Rat einig. Konsequent stellt die Stadt Meckenheim den Nachhaltigkeitsanspruch auch an die Entwicklung ihres neuen Unternehmerpark Kottenforst. Dieser soll dem Ziel „Gerne im Grünen leben und arbeiten“ folgen und Teil des „bio innovation park Rheinland“ werden. „Es ist eine günstige Zeit, diesen Anspruch auch durchzusetzen, denn die Nachfrage nach Gewerbegrundstücken ist groß“, stellt Wirtschaftsförderer Schwindenhammer fest. Auch wenn sich täglich mindestens ein Unternehmen mit der Anfrage nach einem Gewerbegrundstück melde, „stehen bio-innovative Unternehmen nicht gerade Schlange“, wie er einräumt, und auch sei noch „nicht sofort jedes Unternehmen im Thema“. Aber: „Der Prozess zeigt, dass es funktioniert, wenn wir die Unternehmen mitnehmen.“

In erster Linie soll das neue Gewerbegebiet mit insgesamt 20 Hek­tar Netto-Baulandfläche im ersten Bauabschnitt Grundstücke bieten für kleine und mittelständische Unternehmen. Die Größen der stadteigenen Grundstücke sind variabel zwischen 2000 und 30 000 Quadratmetern. Über jeden einzelnen Kaufvertrag beschließt der Stadtrat. Aktuell sei bereits ein Kaufvertrag mit der Firma „Aubergine & Zucchini“ unterzeichnet. Das Catering-Unternehmen, das speziell auch Vollwertkost für Kindergärten und Schulen liefert, will im Unternehmerpark Kottenforst eine komplett neue Küche bauen. Das Gebäude soll in Holzbauweise errichtet und mit einem ausgeklügelten Energiesystem ausgestattet werden. Nur der Technikkern soll in Betonbauweise sein. Der Verkauf einer Fläche an ein weiteres Unternehmen aus dem Energiebereich sei vom Rat schon beschlossen, so der Wirtschaftsförderer, aber der Name könne noch nicht öffentlich genannt werden. Mit weiteren Interessenten laufen Verhandlungen.

Ausgangspunkt dieses zukunftsweisenden Gewerbegebiets ist der Verein „bio innovation park Rheinland“, der spezialisierte Unternehmen, Forschungseinrichtungen und Hochschulen vernetzt und einen Kompetenz- und Präsentationsraum der grünen Technologien aufbaut. Diesem Netzwerk gehört die Stadt Meckenheim ebenso an wie die Stadt Rheinbach, die Universität Bonn, die Hochschule Bonn/Rhein-Sieg und die Alanus-Hochschule. „Mit diesem Netzwerk wollen wir gezielt Unternehmen fördern, die wir schon haben, aber auch neue Unternehmen anziehen“, erklärt Wirtschaftsförderer Schwindenhammer. Aus einem Forschungsprojekt im Rahmen der Nationalen Klimaschutzinitiative war die Idee entstanden, einen klimaneutralen Wissenschafts- und Gewerbepark zu etablieren.

Darauf baut das Konzept des „Unternehmerpark Kottenforst“ auf. Kern des Konzeptes sind konkrete Vergabekriterien für die Grundstücke. Ein Schwerpunkt liegt auf den Bereichen Ernährung, nachwachsende Rohstoffe, erneuerbare Energien und Gesundheit, verknüpft mit innovativer Hochtechnologie, um gezielt ein Cluster von Betrieben und Einrichtungen in diesem Themenbereich zu bilden. Entsprechend werden Gewerbeflächen an Unternehmen veräußert, die in das Profil „bio innovation“ passen. Denn das Ziel eines klimaneutralen Wissenschafts- und Gewerbeparks kann eben nur erreicht werden, wenn sich Unternehmen verpflichten, bestimmte Klimaschutzkriterien einzuhalten. Im Vordergrund steht die Minimierung von CO2-Emissionen, aber auch ressourcenschonender Umgang mit dem wertvollen Gut Boden, gesellschaftliche Verantwortung etwa durch Arbeitsplätze für ältere Arbeitnehmer oder Flüchtlinge und Synergien mit anderen Unternehmen und Netzwerkpartnern des „bio innovation park“.

Insbesondere in der „ersten Reihe“, also auf prominent positionierten Schlüsselgrundstücken in bester Lage, sollen „baukulturell beispielhafte Projekte“ in Holzbauweise, gegebenenfalls auch in Kombination mit anderen nachwachsenden und nachhaltigen Bauweisen, errichtet werden.

„Nachhaltig-ökologische Bauweise ist ein neuartiger Ansatz im richtigen Gewerbebau, den gab es bisher so noch nicht“, erklärt Wirtschaftsförderer Schwindenhammer. Und nennt das Stichwort NaWaRo (Nachwachsende Rohstoffe). Da wiederum kommen die Netzwerkpartner des „innovation park Rheinland“ ins Spiel: die Forschungseinrichtungen und Hochschulen. Denn am Campus Klein-Altendorf beschäftigt sich das Team um Professor Ralf Pude zum Beispiel mit der Pflanze Miscanthus, die sich als Riesen-China-Schilf als nachwachsender Rohstoff für den Einsatz als Baustoff eignet. Die Bau-Konstruktionen dazu kommen von der Alanus-Hochschule. Zentrales Element aber ist der Holzbau, gegebenenfalls auch in Kombination mit anderen Baustoffen etwa für die Statik, sowie die Verwendung natürlicher Dämmstoffe für die Gebäude im Unternehmerpark Kottenforst. „Es geht nicht darum, alle Häuser mit Holzfassade auszustatten, sondern um ökologisches Bauen“, so Schwindenhammer. „Professor Pude hat zum Beispiel auch einen Dämmputz aus NaWaRo entwickelt, den man aufspritzen kann.“

Weitere zentrale Elemente sind selbstverständlich der Einsatz erneuerbarer Energien sowie die Bepflanzung der jeweiligen Grundstücke mit Gehölzen. Auch für die allgemeinen Flächen haben Begrünung, Bepflanzung und Blühflächen sowie Gewässerschutz wichtigen Stellenwert.

Damit sich interessierte Unternehmen zu den Anforderungen orientieren können, wurde in Zusammenarbeit mit der Alanus-Hochschule und einem Büro für Stadtplanung ein „Beratungshandbuch Unternehmerpark Kottenforst – Für das Bauen mit Holz und nachwachsenden Rohstoffen im interkommunalen Wissenschafts- und Gewerbepark – bio innovation park Rheinland“ entwickelt. Darüber hinaus sollen interessierte Unternehmen auch eine persönliche Beratung in Anspruch nehmen.

unternehmerpark-kottenforst.de

Kontakt: Wirtschaftsförderer der Stadt Meckenheim Dirk Schwindenhammer, Tel. 0 22 25/917 216, Mail: dirk.schwindenhammer@meckenheim.de, www.wirtschaftsfoerderung-meckenheim.de