Wila Bonn : Am Puls der Zeit

Seit 35 Jahren bringt der Wissenschaftsladen Bonn Akteure aus Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft zusammen

Klimawandel und Digitalisierung sind nur zwei Schlagworte, bei denen klar wird: Die Welt steht vor mehreren Umbrüchen, die sowohl den Arbeitsmarkt als auch die Wissenschaft und natürlich die Gesellschaft herausfordern. Ein Zusammenspiel all dieser Kräfte kann dabei viele fantasievolle Lösungen zu Tage fördern. Das beweist der Wissenschaftsladen seit 35 Jahren immer wieder. Unter anderem deshalb zählt er zum größten seiner Art weltweit.

Ortsbesuch im Haus des Wila, wie die Institution liebevoll genannt wird. Schnell wird klar: Hier tickt vieles anders. Geschäftsführerin Brigitte Peter, Leiter des Fachbereichs Arbeitsmarkt vom Wila Arbeitsmarkt Krischan Ostenrath und Pressereferentin Franziska Böhm sitzen gleichberechtigt nebeneinander. „Mit unserem Beteiligungskonzept gibt es hier keine Macht“, erklärt Peter. „Wir beraten alle Themen gemeinsam, stimmen dann ab, und wie es die Mehrheit festlegt, so wird es dann auch gemacht.“ Während allerorten noch von flachen Hierarchien gesprochen wird, ist der Wila schon einen Schritt weiter.

Entsprechend fordert das Team seit seiner Gründung im Jahr 1984 generell mehr Beteiligung in vielen gesellschaftlichen Bereichen. Wenn Jugendliche und Erwachsene bei den „Fridays for Future“ für mehr Klimaschutz auf die Straße gehen, dann wird deutlich: Bürger wollen bei gesellschaftlich wichtigen Fragestellungen beteiligt werden. Sie wollen gehört werden und mitgestalten. „Das ist das, wofür der Wila Bonn steht. Wir möchten Bürger und Wissenschaft kompetenter machen, gemeinsam Handlungsoptionen entwickeln und damit zum gesellschaftlichen Wandel beitragen.“

Eine „Schnittstelle zwischen Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft“ nennt Krischan Ostenrath das. Als vor einigen Jahren die Erneuerbaren Energien immer mehr ins Gespräch kamen aber kaum jemand wusste, wie er mit dem Begriff umgehen soll, organisierte der Wila Schulungen und Jobmessen, bündelte Stellenangebote und erstellte Studien.

Dabei bleibt der riesige Komplex aus Ökologie und Nachhaltigkeit ganz oben auf der Agenda. Den „grünen Arbeitsmarkt“ immer weiter ausforschen und die Akteure zusammenbringen ist das Ziel des vom Wila initiierten „Netzwerk Grüne Arbeitswelt“, das vom Bundesumweltministerium im Rahmen der Nationalen Klimaschutzinitiative gefördert wird. Es erkundet entsprechende Berufsfelder, erstellt einen Angebotskompass zur Berufsorientierung, stellt Bildungsmaterialien für Interessenten und Hintergrundinfos für Berufsorientierungsfachkräfte, organisiert Veranstaltungen und gibt Newsletter mit Mitglieder des Netzwerkes heraus.

Und so sieht das ganz konkret aus: Wenn Jugendliche ihre Wunschberufe definieren, bleiben sie immer noch in den klassischen Bildern wie Kfz-Mechatroniker. Aber für die Zukunft werden andere Kompetenzen erwartet. „Deshalb sagen wir jungen Leuten: Schaut doch mal in Richtung E-Mobility“, erklärt Ostenrath. Natürlich, die klassischen MINT-Berufe, also Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik sind gefragt, wobei man sich hier unbedingt auch in Richtung alternative Energie und Umwelttechnik orientieren sollte. Und immer gilt auch für alle anderen Fachbereiche, den Blick über den Tellerrand zu wagen. Einem angehenden Juristen rät man beispielsweise, sich auf Umweltrecht zu spezialisieren statt auf Strafrecht. Eines der ganz wichtigen Prinzipen bei allen Wila-Aktivitäten: „Wir wollen natürlich auch junge Frauen für klassische Männerberufe begeistern und umgekehrt.“

Wohin die Zukunft der Arbeit tendieren wird, ist in vielen Bereichen noch nicht ganz klar. Aber der Arbeitsmarkt bietet schon fast drei Millionen Jobs im weit gefassten grünen Bereich. Und während der Bedarf ständig steigt, zeigt der Wila, wo die Chancen liegen.