Selbsthilfe : Helfer in der Not

Ehrenamtliche Mitarbeiter in Hilfsorganisationen sind für viele Krebskranke eine unschätzbare Hilfe. Die ILCO-Selbsthilfegruppe kümmert sich um Darmkrebs-Patienten.

Sie ist die wichtigste Krebsvorsorgeuntersuchung überhaupt – und doch lassen sich nur ein Fünftel der Deutschen rechtzeitig auf Darmkrebs untersuchen. Wenn aber die Diagnose da ist und Menschen nach einer Operation zunächst in ein tiefes Loch fallen, dann sind die aktiven Mitglieder von ILCO ganz oft eine unschätzbare Hilfe.

Erich Grohmann ist ein unglaublich netter, kompetenter und ruhiger Gesprächspartner, wenn es um das Thema Darmkrebs geht. Und er ist ein leidenschaftlicher Vertreter von der IlCO. Die Abkürzung des Vereinsnamens steht für die lateinischen Bezeichnungen Ileum (Dünndarm) und Colon (Dickdarm). Und genau darum geht es für tausende Menschen, die die Diagnose Darmkrebs erhalten haben. Für viele von ihnen wird ein Stoma, also ein künstlicher Darmausgang, zumindest zeitweise zum wichtigen Lebensbegleiter.

Ein Stoma ist lästig, aber nicht das Ende – so zumindest kann man sich die Information vorstellen, die Erich Grohmann und die ehrenamtlichen Helfer vom der ILCO den Betroffenen schon am Krankenbett erklären. Als selbst Betroffene sind alle ILCO-Helfer, die am Besucherdienst des Vereins mitwirken, wichtige Unterstützer in der Not ihrer Gesprächspartner. „Im Gegensatz zum klinischen Personal haben wir Zeit, und wir gehen erst wieder, wenn alle Fragen geklärt sind“, erzählt Grohmann von seiner Arbeit. Oft schon am Krankenbett und am liebsten auch im Beisein von Angehörigen der Patienten geben die ILCO-Mitglieder des Besucherdienstes erste wichtige Informationen und vor allem Mut.

„Es tut natürlich gut, wenn man nach einer Krebsdiagnose oder nach einer OP mit jemandem sprechen kann, der das alles überstanden hat, was jetzt wie ein riesiger Berg vor einem zu liegen scheint“, sagt Grohmann. Die Antworten auf drängende Fragen wie „Wie ist das Leben nach der Operation?“, „Wie geht man mit einem Stoma um?“ und „Kann ich wieder Rad fahren“ sind so drängend, dass ein freundlicher Rat oft Gold wert ist. Übrigens: „Ja, man kann alles – also Rad fahren, reiten, tauchen, Bergsteigen“, berichtet Grohmann.

Der 70-jährige Rentner ist seit seiner eigenen Erkrankung vor 16 Jahren Mitglied bei ILCO. Zunächst besuchte er Gruppengespräche und nahm andere Informationsveranstaltungen in Anspruch. „Das war alles immer so herzlich und nett“, erzählt er bis heute begeistert. Später engagierte er sich im Ausbau des ILCO-Besucherdienstes an allen Bonner Kliniken und wurde in den Vorstand des Landesverbandes gewählt. Seit einigen Jahren ist er im Bundesvorstand aktiv – seit sechs Jahren als Vorsitzender.

„Erst wurde mir geholfen, jetzt helfe ich“, fasst Grohmann sein Engagement zusammen. Aber nicht nur bei ILCO mit seinen 7000 Mitgliedern, 300 Gruppen und 650 ehrenamtlichen Helfern sieht er die Lösung vieler medizinisch-gesellschaftlicher Probleme. „Obwohl die Selbsthilfe in unserem Bereich noch viel zu unbekannt ist, sind viele Menschen in vielerlei Hinsicht auf uns und andere Hilfsorganisationen angewiesen.“

Information kann viele Türen öffnen, kann den Betroffenen sehr viel Geld sparen und kann Wege durch das Labyrinth des medizinischen Versorgungssystems erleichtern. „ILCO gibt es seit 48 Jahren – das muss also gut sein, oder?!“, sagt Grohmann zum Abschluss des Gesprächs. Und man weiß, dass er Recht hat: Die ehrenamtliche Hilfe all der engagierten Berater ist wirklich unschätzbar. jöw