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Coronavirus und Geldanlage: „Wirkliche Sicherheit gibt es nicht mehr“

Coronavirus und Geldanlage : „Wirkliche Sicherheit gibt es nicht mehr“

Die wirtschaftlichen Auswirkungen des Ausbruchs des Corona-Virus haben einmal mehr gezeigt, dass Risiken für Geldanleger aus völlig unerwarteten Richtungen kommen können. Daher ist das Risikomanagement in der Vermögensverwaltung ein wesentliches Element – ohne dabei langfristig die Aktie als wichtigste Anlageklasse zu vergessen.

Das Corona-Virus sorgt aktuell für großen Wirbel und viele Sorgen. Eine wachsende Zahl von Erkrankten auch in Deutschland, Todesfälle und das Ausrufen der Pandemie stellen dramatische Entwicklungen dar. Ebenso weitreichend sind die wirtschaftlichen Auswirkungen. Trotz drastischer Maßnahmen von politischer Seite und von Seiten der wichtigsten internationalen Notenbanken hat sich die Talfahrt an den Börsen auch am Wochenanfang fortgesetzt. Das gilt für den Dax, der historische Tiefststände erreichte, aber auch für die Börse an der Wall Street in den USA, wo zuletzt abermals der Handel unterbrochen wurde, weil die Aktienkurse ins Bodenlose zu kippen drohten.

Wie es weitergeht, weiß aktuell kaum jemand. Es kann sein, dass sich die Wirtschaft schnell wieder erholt – es kann aber auch sein, dass China als „Werkbank der Welt“ wesentlich länger mit Problemen zu kämpfen hat und dass es ebenso in Europa zu Produktionsausfällen, einem Konsumrückgang und anderen Verwerfungen kommen kann. Bis jetzt weiß niemand abschließend, welche Auswirkungen das Corona-Virus noch mit sich führen kann, wobei Experten längst erwarten, dass das Virus der (chinesischen) Wirtschaft größeren Schaden zufügen wird als der Ausbruch der Sars-Epidemie 2003. Die Rating-Agentur Scope hat die Wachstumsprognosen für das Reich der Mitte für das laufende Jahr schon von 5,8 auf fünf Prozent reduziert.

Die Unsicherheit zieht sich dementsprechend wie ein roter Faden durch Marktanalysen und Kommentare. „Wir wissen weder, wann das Virus eingedämmt werden kann, noch welche Maßnahmen die Staaten ergreifen, um es unter Kontrolle zu bekommen“, sagte Chefinvestor Mark Haefele von der Investmentbank UBS. „Mit der globalen Verbreitung des Virus erreichen die ökonomischen Belastungen eine neue Dimension“, sagt Anlagestratege Ulrich Stephan von der Deutschen Bank.

Aber: Die Thurgauer Kantonalbank schrieb schon nach Karneval in einer Mitteilung an die Kunden, dass historisch gesehen die Aktienindizes sich jeweils relativ schnell nach dem Höhepunkt einer Epidemie beziehungsweise Pandemie erholt hätten. Wie dem auch immer sei: Für Fondsmanager Thorsten Mohr von Argentum Asset Management zeigt die aktuelle Entwicklung deutlich, dass es in der heutigen Zeit in der Vermögensverwaltung jederzeit darauf ankommt, „den Finger am Abzug zu haben: Risiken können sehr kurzfristig aus vermeintlich völlig unwahrscheinlichen Richtungen kommen – denn wer hätte ehrlicherweise mit dem Ausbruch des Corona-Virus gerechnet? Risikomanagement ist das A und O, um Vermögen zu schützen. Wirkliche Sicherheit gibt es heute nicht mehr, sodass die Vermögensverwaltung so konzipiert sein muss, dass schnell und vor allem auch ohne Scheu reagiert werden kann.“ Thorsten Mohr beispielsweise hat in den beiden Argentum-Fonds „Stabilitäts-Portfolio“ und „Performance Navigator“ schon über Karneval die Aktienquote so weit reduziert, wie die Anlagerichtlinien es zulassen – also im „Performance Navigator“ auf 25, im „Stabilitäts-Portfolio“ auf null Prozent. „Damit haben wir zum einen Vermögen geschützt und Gewinne gesichert. Sobald sich Anzeichen für eine Erholung zeigen, werden wir die Gelder wie gewohnt wieder voll investieren.“

Das zeigt: Profis plädieren für ein umfassendes Risikomanagement – betonen aber dennoch, dass trotz aller aktuellen Schwierigkeiten an der Aktie weiterhin kein Weg vorbeiführt. Für Jens Hartmann von der Düsseldorfer ficon Vermögensmanagement stehen Aktien als Sachwerte mehr denn je im Mittelpunkt für langfristig ausgerichtete Investoren. „Mit professionell und strategisch ausgewählten Titeln lassen sich Depots stabilisieren, Werte schützen und Vermögen weiterentwickeln. Von kurzfristigen Rückgängen sollte sich niemand von Aktien abbringen lassen.“

Die weitere Entwicklung hängt laut Jens Hartmann auch mit der weiteren Geldpolitik zusammen. „Das Zinsniveau wird weit über 2020 hinaus sehr niedrig bleiben. Das ist politisch so gewollt und finanz- und wirtschaftspolitisch kaum anders möglich, um die wirtschaftliche Stabilität im Euroraum nicht zu gefährden. Wir werden in den kommenden Jahren weiterhin keine Zinserhöhungen sehen.“