Nachhaltige Geldanlagen : Mehr Grün ins Depot

Geld ökologisch oder ethisch korrekt anlegen – das galt lange Zeit als etwas für träumerische Welt-verbesserer. Doch dieses Öko-Image ist passé.

Das Angebot an verantwortungsvollen Investments ist in den vergangenen Jahren stark gewachsen. Vom Zinspapier bis hin zu Fonds – jeder Anlegertyp wird bei „grünen“ Investments fündig. Dass grüne Anlagen dabei weniger Rendite abwerfen als herkömmliche Investments, ist ein überholtes Vorur-teil.

Immer häufiger legen Unternehmen und andere Institutionen Green Bonds auf und bieten sie am Kapital-markt Investoren an. Das Kapital, das mit diesen speziellen Anleihen aufgenommen wird, darf ausschließ-lich zur Finanzierung von ökologischen oder nachhaltigen Projekten verwendet werden. Der Markt für Green Bonds wächst rasant. Im ersten Quartal dieses Jahres wurden einer Analyse der Ratingagentur Moody’s zufolge grüne Anleihen über insgesamt 47,2 Milliarden US-Dollar platziert. Das ist ein Anstieg um 40 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Etwa die Hälfte des Volumens entfällt dabei auf Emittenten in Europa.

Mehr als niedrige einstellige Renditen sind mit soliden Green Bonds jedoch nicht zu erzielen. Anleger, die einen höheren Kupon erzielen möchten, müssen Abstriche bei der Solvenz des Schuldners machen. Das Verlustrisiko steigt dann erheblich. Deutlich größere Chancen bestehen nach Einschätzung von Anla-geexperten bei „grünen“ Aktien – Unternehmen zum Beispiel, die sich im Bereich Umwelttechnik, Erneu-erbare Energien oder Umweltinfrastruktur tummeln. Verbraucher und Industrie sind durch gesetzliche Vorgaben gezwungen, immer stärker auf energieeffiziente Technologien auszuweichen – zum Beispiel Elektroautos zu kaufen oder wärmedämmende Systeme an Häuserfassaden und auf Dächern zu installieren. „Dadurch bestehen im Einzelfall große Wachstumschancen – mit positiven Auswirkungen für die Aktien von Unternehmen, die Lösungen dafür anbieten“, sagt Christoph Groß, Nachhaltigkeitsexperte und Fondsmanager bei der LBBW Asset Management.

Die Schwierigkeit dabei: Welche Konzerne wirkliche „Nachhaltigkeitschampions“ sind und in Sachen Ökologie und fairen Arbeits- und Lieferbedingungen zur obersten Liga weltweit gehören, ist schwer zu durchschauen. „Für einen privaten Anleger bedeutet es einen ziemlichen Aufwand, Unternehmen nach dem Best-in-Class-Prinzip vom Kurszettel herauszufiltern“, sagt Holger Horstmann von der Sparkasse KölnBonn. „Einfacher ist es, zu einem auf Nachhaltigkeit ausgerichteten Aktienfonds zu greifen und diese Aufgabe den Experten im Fondsmanagement zu überlassen. Dass Anleger mit diesen Fonds schlechter abschneiden als mit herkömmlichen Produkten, stimmt so nicht.“ Das Angebot an speziellen Öko- oder Nachhaltigkeitsfonds ist groß. Auch gut ein Dutzend „grüne“ börsengehandelte Indexfonds – sogenannte ETFs (Exchange Traded Funds) – gibt es mittlerweile. Nachhaltigkeits- oder Ökofonds haben einen generellen Vorteil: Die breite Streuung des Fondsdepots auf viele verschiedene Titel senkt das Anlagerisiko gegenüber dem Kauf einer einzelnen Aktie.

Sparkasse KölnBonn-Experte Holger Horstmann empfiehlt allerdings: „Wie bei jeder Geldanlage sollte der Privatanleger aber auch die klare Entscheidung treffen, ob ein nachhaltiges Investment mit seinen Anlagezielen übereinstimmt und seiner persönlichen Risikoneigung entspricht.“

(rps)