Angespannte Verkehrslage: Warum es im November besonders viel Stau gibt

Angespannte Verkehrslage : Warum es im November besonders viel Stau gibt

Keine Ferien, frühe Dämmerung und schlechtes Wetter machen Pendlern das Leben aktuell schwer. Der November gilt deshalb als Staumonat. Regionale Baumaßnahmen und lokalspezifische Lagen verstärken mancherorts die Stauprobleme noch.

Der Autoverkehr verstopft die Bonner Innenstadt aktuell so stark wie schon lange nicht mehr. Auch außerhalb des Berufsverkehrs kommt es vor allem auf der Kennedybrücke zu langen Staus. Nach Einschätzung von Tiefbauamtsleiter Peter Esch liegt das nicht nur an der Baustelle auf der A 565 nahe der Nordbrücke, die dazu führt, dass viele Verkehrsteilnehmer die City als Ausweichroute nehmen.

Im November gehört der Stau auf den Autobahnen in Nordrhein Westfalen zum Alltag. Der Landesbetrieb Straßen NRW sieht den November als einen "verkehrsstarken Monat". Subjektiv wirke der November deshalb als der "Staumonat".

Die Gründe dafür sind vielfältig. Einerseits ist die Pendlerzahl durchgehend hoch, da es in diesem Monat keine Ferien gibt, erklärt Stephan Lamprecht vom Landesbetrieb. Außerdem würde in der dunklen Jahreszeit, bei schlechter Sicht, früher und stärker gebremst als in anderen Jahreszeiten. Ein weiterer Aspekt ist eine andere Verkehrsmittelnutzung als in warmen Monaten. "Wenn das Wetter kälter wird, fährt man als Pendler dann eher mit dem Auto als dem Fahrrad", erklärt Christopher Köster vom ADAC Nordrhein.

Regionale Baumaßnahmen verstärken Stauintensität

In Bonn staut es sich derzeit vor allem auf der Kennedybrücke in den sogenannten Stoßzeiten. Für viele Autofahrer ist die Fahrt durch die Bonner City die Verbindungsstrecke zwischen den Autobahnen, mit der sie den täglichen Stau auf der A 565 und der Nordbrücke umfahren können. Dort ist schon seit einigen Wochen wegen Bauarbeiten die Verkehrsführung geändert, und die Fahrspuren sind enger. An der kilometerlangen Blechlawine vor allem im Berufsverkehr wird sich auch so schnell nichts ändern: Der Landesbetrieb Straßen NRW geht davon aus, dass die dort geplante durchgängige dritte Fahrspur erst im Sommer 2019 fertig wird.

Dass es im Winter generell voll auf den Straßen wird, bestätigt auch Claus Lenz von der Bonner Taxizentrale. "Der Verkehr nimmt zu, sobald es anfängt zu regnen", sagt er. Da es in diesem Sommer fast durchgehend gutes Wetter gab, sei auch der Verkehr entspannter gewesen, berichteten ihm seine Kollegen. "Derzeit herrscht eigentlich wieder das normale Chaos in der Stadt." Gerade Bonn scheint aber ein Spezialfall zu sein, wie Tiefbauamtsleiter Peter Esch erklärt. In den Ferien erwarte man, dass der innerstädtische Verkehr urlaubsbedingt abnehme. Ihm komme es allerdings so vor, dass es in den Oster- und Herbstferien genau andersherum sei und mehr Menschen nach Bonn fahren.

"Dies führt dazu, dass die morgendliche Verkehrsbelastung gegenüber den normalen Berufsverkehrsspitzen etwas abflacht und sich stärker in den späteren Vormittag zur Geschäftsöffnung bis in die frühe Nachmittagszeit verlagert", so Esch. Die Heimreise träten dann alle über den Nachmittag verteilt an, was sich mit dem Berufsverkehr überlagere und zu Staus, zum Beispiel auf der Kennedybrücke, führe.

In Wormersdorf und Ersdorf/Altendorf sorgen durchfahrende Lastwagen, die regelmäßig den häufigen Staus auf der A 61 ausweichen, zu erheblichen Verkehrsbelastungen. Allerdings will sich nun der zuständige Verkehrsausschuss in Rheinbach dem Problem annehmen. Hintergrund ist, dass eine Weiterfahrt am Kreisel auf der L 471 in Richtung Wormersdorf für Lastwagen.

"Dezember-Fieber" bereitet keine Probleme mehr

Früher kam auch noch das sogenannte "Dezember-Fieber" in den Kommunen hinzu. Bernd Aulmann von der Straßen.NRW-Regionalniederlassung Euskirchen erklärt: "Damals mussten dann die zur Verfügung stehenden öffentlichen Gelder am Jahresende verbraucht werden, da sonst das Budget verfiel." Davon seien besonders November und Dezember betroffen gewesen. Doch heute sei man nicht mehr mit diesem Problem konfrontiert, da die öffentlichen Gelder für einzelne Baumaßnahmen so bereitstünden, dass alle Bauarbeiten sinnvoll hintereinander bearbeitet werden könnten, erklärt er.

In Bonn und Köln merkt man vom "Staumonat" jedoch eher wenig. "Da steht man ja ohnehin immer im Stau", berichtet ein Sprecher der Autobahnpolizei.