Vom Bartträger zum Multitalent - Autoschlüssel im Wandel der Zeit

Vom Bartträger zum Multitalent - Autoschlüssel im Wandel der Zeit

Klein und wohlgeformt - die modernen Autoschlüssel mit Funktechnik sind Handschmeichler. Doch bei Verlust oder Defekt muss der Gang in die Werkstatt angetreten werden - was teuer werden kann. Ihr technisches Innenleben wird immer komplexer.

Klein, aber oho: Das trifft auf moderne Autoschlüssel zu. Denn mittlerweile sind sie vollgepackt mit Technik. Als Fernbedienung sind sie schon ein alter Hut, denn dies ist seit Jahren Standard. Oft können sie mittlerweile sogar in der Hosentasche bleiben, wenn ihr Signal dem nahenden Fahrer vor Fahrtantritt Türen öffnet, Zündknöpfe freischaltet und gleich auch noch Sitze und Spiegel einstellt. Aber auch bei Autoschlüsseln gilt: Je komplexer das Innenleben, desto teurer die Reparatur oder der Ersatz.

Ein Autoschlüssel ist heute weit teurer als noch vor Einführung der Funktechnik. "Früher hat ein neuer Schlüssel 30 oder 40 D-Mark gekostet. Heute sind es meist mehr als 100, bisweilen sogar mehrere Hundert Euro", sagt Arnulf Thiemel vom ADAC Technik Zentrum in Landsberg am Lech. "Dafür waren die alten Schlüssel aber auch vergleichsweise unsicher und hatten weniger Funktionen. Heute kann ich einen verlorenen Schlüssel auscodieren lassen. Dann ist zumindest ein Wegfahren mit dem Auto nicht mehr möglich."

Aber auch mit dieser Maßnahme sind hohe Kosten verbunden: War das Fräsen des mechanischen Ersatzes einst noch günstig, ist das Reaktivieren des High-Tech-Schlüssels kostenintensiv. "Der Schlüssel muss beim Hersteller individuell neu programmiert und die Daten in einer Datenbank archiviert werden - da steckt Logistik dahinter", so Thiemel. Nach Auskunft des Zentralverbands Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK) in Bonn variieren die Preise für das Neucodieren je nach Hersteller und Modell.

Für den Fall eines Schlüsseldiebstahls oder -verlusts rät Thiemel dazu, mit Auto und allen Ersatzschlüsseln auf direktem Weg zur Vertragswerkstatt zu fahren. Dort werden die Ersatzschlüssel "neu angelernt", so dass das Auto mit dem verlorenen Schlüssel nicht mehr gestartet werden kann. Aufschließen lässt es sich aber weiterhin, sofern die Schlüssel noch einen ausklappbaren Bart haben. Ein Austausch der mechanischen Schlösser ist bei Verlust also sinnvoll.

Eine Mühe, die offenbar lohnt: Laut Verband der Automobilindustrie (VDA) erfolgen 70 Prozent aller Diebstähle mit einem entwendeten Schlüssel. Ersatz könne daher nur gegen Vorlage der Fahrzeugpapiere und des Personalausweises beim Hersteller erworben werden. Der Verband verweist im Zusammenhang mit dem Thema Funkschlüssel darauf, dass die Zahl der Pkw-Diebstähle in Deutschland in den vergangenen Jahren stark gesunken sei. Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) in Berlin meldete jüngst, die Zahl habe sich zwischen 2002 und 2012 halbiert.

Doch sind die modernen Schlüssel empfindlicher als ihre rein mechanischen Vorläufer. Fällt ein Funkschlüssel in eine Pfütze, rät ADAC-Experte Thiemel, ihn nicht zu benutzen und zunächst gemäß Bedienungsanleitung zu öffnen, die Batterie herauszunehmen und ihn trocknen zu lassen. Danach sollte der Schlüssel wieder funktionieren.

"Hohe oder niedrige Außentemperaturen sind dagegen kein Problem. Je nach Hersteller funktionieren sie von minus 20 bis plus 40 Grad", ergänzt der Experte. Sollte der Öffnungs- oder Schließmechanismus einmal ausfallen, ist wahrscheinlich die Schlüssel-Batterie verantwortlich. Sie halte mehrere Jahre, könne aber natürlich auch einmal leer sein.

Nach Angaben von Continental feiert der Funkschlüssel in diesen Wochen sogar ein kleines Jubiläum: Im Herbst gab der Zulieferer bekannt, dass der erste Funkschlüssel in Deutschland im Herbst 1993 in Serie ging - damals noch unter dem Dach von Siemens Automotive, einem Vorgängerunternehmen von Continental Automotive.

Fest steht: Seitdem hat sich viel getan. Autofahrer könnten ihre Schlüssel auch personalisieren, erläutert Continental. Das bedeutet, dass sie zum Beispiel ihre persönliche Sitzeinstellung, die Lenkradposition oder ihren Lieblingsradiosender hinterlegen können, die dann mit dem Entriegeln der Tür automatisch eingestellt werden.

Bei allem Fortschritt könnte das Smartphone als Türöffner dem Funkschlüssel bald Konkurrenz machen. Doch ADAC-Experte Thiemel bezweifelt, dass sich diese Möglichkeiten auf breiter Front durchsetzen wird: "Auch wenn die Technik das ermöglicht: Viele Autofahrer werden weiterhin einen Schlüssel für die Hosentasche wollen." Denn dieser gebe ein Sicherheitsgefühl und diene nicht zuletzt oft auch als willkommenes Prestigeobjekt.

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