B 9 heute

Kunst am Wegesrand

Bonn. Kultur plus Bonn gleich Ludwig van Beethoven? Diese Gleichung geht nicht auf. Bonn hat in Sachen Kunst mehr zu bieten als den wohl berühmtesten Sohn der Stadt. Viel mehr. Ein Sammelbecken für Kunstwerke im öffentlichen Raum ist die Bundesstraße 9.

„Um die bildende Kunst zu fördern“, beschloss das Parlament in seiner 30. Sitzung 1950, bei allen Bauaufträgen des Bundes grundsätzlich einen Betrag von mindestens einem Prozent der Bausumme für Werke bildender Künstler vorzusehen. Arno Hennig (SPD), Berichterstatter des Ausschusses für Kulturpolitik, sagte: „Kunst gehört ins Volk, Kunst gehört dorthin, wo Menschen zusammenkommen.“ Die öffentliche Hand müsse als Auftraggeber die Rolle des Mäzens übernehmen.

Die Geburtsstunde des Hochkreuzes kurz vor Bad Godesberg ist allerdings deutlich früher. Das Original wurde vermutlich vom Kölner Erzbischof Walram von Jülich um 1340 gestiftet. Heute steht einige Meter versetzt eine Kopie, vor Wind und Wetter geschützt. Beäugt wird das Wegekreuz von John F. Kennedy – ein Denkmal des ehemaligen US-Präsidenten von Marlene Dammin-Darius und Herm-Jörg Barner aus dem Jahre 1989.

Im Gegensatz zu den Steinskulptur in Bad Godesberg steht das bunte Gemälde an einer Fassade auf der Kölnstraße, worüber die B 9 in Richtung Domstadt führt. Ist die Straße im Süden Bonns hauptsächlich das Zuhause von Firmen, wird sie ab dem Bertha-von-Suttner-Platz zu einer Adresse für Wohnhäuser. Und sie wird bunt. So bunt, wie das Graffito an der Hauswand. Die spanischen Künstler Ariz und Sagüe haben sich hier mit ihren Spraydosen zum 125-jährigen Bestehen der Orgelbau-Werkstatt Klais ausgetobt.

Ein anderes viel kleineres, aber wohl bekannteres Street-Art-Werk prangt an der Bundeskunsthalle. Nichtsdestotrotz wirkt es gegen die Hauswand auf der Kölnstraße einsam, unscheinbar, ein wenig fremd. Auch hier kein Fall von Vandalismus. Ganz im Gegenteil. Thomas Baumgärtel hat sich dort verewigt. Der „Bananensprayer“ hat weltweit über 4000 Kunstmuseen und Galerien mit seiner Banane versehen. Baumgärtels Grafik ist nur eins von vielen Kunstwerken, die rund um das Kunstmuseum und die Bundeskunsthalle ausgestellt sind. Sie sind aber nicht wegen dieser Gebäude dort, sondern um die Umgebung aufzuwerten. Kultur war unter der Ägide von Helmut Kohl auf dem Vormarsch. „Mein innerer Schweinehund“ des dänischen Bildhauers Jens Galschiøt aus dem Jahre 1993 steht etwas abseits. Die Skulptur mit Schweinekopf und Mantel soll den Blick auf zunehmende Gewalt, Intoleranz und Rassismus lenken. Das Denkmal wurde zeitgleich in zwanzig Städten Europas aufgebaut.

Vor dem Haus der Geschichte steht der „Jahrhundertschritt“ von Wolfgang Mattheuer (1990), der die Zerrissenheit des vergangenen Jahrhunderts symbolisiert. Auf dem Bundeskanzlerplatz erinnert ein Bronzekopf von Hubertus von Pilgrim an den ehemaligen Kanzler Konrad Adenauer. Der Kölner Dom und die Kathedrale Reims wurden in den Kopf eingearbeitet und symbolisieren die deutsch-französische Freundschaft. Auch der Alte Zoll und der Stadtgarten sind gespickt mit Kunstwerken. Hier steht etwa die viel diskutierte Beethoven-Skulptur von Markus Lüpertz. Der Künstler selbst sagte, er habe Beethoven als verletzte Gestalt darstellen wollen. Die Statue ist eines von vielen Beethoven-Denkmälern in Bonn. Denn ganz ohne ihn kommt die Kunst dann doch nicht aus.

Interaktive Karte: Kunst am Wegesrand - für Informationen zu den einzelnen Kunstwerken auf die Markierung klicken.