B 9 historisch

Bundesstraße im Wandel

Luftbild der Friedrich-Ebert-Allee im Jahr 2013.

Luftbild der Friedrich-Ebert-Allee im Jahr 2013.

Bonn. Die B9 ist und bleibt eine Dauerbaustelle. Zum einen, weil die Instandhaltung der Bundesstraße immer wieder eine Baustelle nötig macht. Zum anderen, weil dort neue Gebäude entstehen.

Die B 9 befindet sich stetig im Wandel. „Bis in die 70er Jahre grasten entlang der B9 noch die Schafe“, erinnert sich Norbert Schloßmacher, Leiter des Bonner Stadtarchivs.

Viel Gartenlandschaft und Vorort-Idylle war auch dort, wo sich heute das Regierungsviertel befindet. Alleine ein 14-Hektar-Grundstück in der Gronau zwischen Rhein und Bundesstraße, auf dem unter anderem der Lange Eugen gebaut wurde, ließ sich der Bund 98,5 Million Mark kosten.

Empfänger: die Stadt Bonn, das Hauptstadt-Provisorium. Das Gebiet wurde zudem
zum Standort von Bundeskanzleramt und Bundeshaus. Sie reihen sich in die Bauriege des Bundes ein. Denn nicht nur Regierungsbauten entstanden, auch Kultur brauchte Platz. „Wir können sicher sein: Wäre die Mauer einige Jahre früher gefallen, gäbe es heute keine Museumsmeile in Bonn“, sagt Schloßmacher.

Bundeskanzler Helmut Kohl war es, der sich für geistig-kulturelle Einrichtungen einsetzte. In seiner Regierungserklärung vom 13. Oktober 1982 sagte er: „Die Bundesregierung wird darauf hinwirken, dass in der Bundeshauptstadt Bonn eine Sammlung zur deutschen Geschichte nach 1945 entsteht, gewidmet der Geschichte unseres Staates und der geteilten Nation.“ Die Bauarbeiten für das „Haus der Geschichte“ und die „Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik“ begannen im Herbst 1987.
Mit dem Kunstmuseum wurde schon zwei Jahre vorher begonnen. Fertig wurde die Museumsmeile 1992. Alles zusammen kostete mehr als 100 Millionen Mark.

 

In die Zeit des Bau-Booms gehört auch das Maritim-Hotel an der Godesberger Allee. Ziel war es, einen Veranstaltungsort für Konferenzen und Tagungen zu haben. Priorität genoss die Errichtung der neuen Luxusherberge in politischen Kreisen, schließlich sollte hier zwischen dem 19. März und 11. April 1990 die Konferenz für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (KSZE) stattfinden. Rund 30 Millionen D-Mark investierte die Stadt, insgesamt flossen rund 100 Millionen-Mark in den Bau. Den Großteil übernahm der Bund. Als zweitgrößtes Hotel Nordrhein- Westfalens wurde es 1989 in gerade mal neun Monaten Bauzeit und damit rechtzeitig für die große Konferenz fertiggestellt.

Obwohl im Laufe der Jahrzehnte viel Neues entlang der B 9 entstand, wurde wenig abgerissen. Aber wenn, dann mit ordentlich „Krawumm“. „Woran sich wohl jeder Bonner noch erinnert, ist die Sprengung des Konrad-Adenauer-Hauses und der Abriss der britischen Botschaft“, sagt Schloßmacher. Am 14. Dezember 2003 fiel die zwischen 1970 und 1972 errichtete, zehnstöckige CDU-Parteizentrale in sich zusammen und machte Platz für die Neubauten der Telekom. Aus demselben Grund musste auch die britische
Botschaft weichen.

Und heute? Heute stehen immer noch rechts und links der B 9 Baukräne. Gerade wurde das Bürogebäude „The Square“ direkt am Trajektknoten fertig gestellt. In direkterNachbarschaft will die Sozietät Flick Glocke Schaumburg ihren Firmensitz hochziehen. Die Baugrube dafür war schon im August ausgehoben. Gegenüber heißt der Bauherr Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ). Im kommenden Jahr sollen die Mitarbeiter dort ihre Büros beziehen. Und natürlich ist auch die Stadt Bauherr in der Ecke: Sie baut ein Stück der Friedrich-Ebert-Allee aus und erneuert gleichzeitig den Kanal.