Die B9 im Süden: Nah am Wasser gebaut

Bonn-Frankreich: Die B9 zwischen Idylle, Industrie und Rhein

Hinter Worms

Hinter Worms.

Bonn. Viele Menschen, die die Bundesstraße 9 benutzen, haben ein festes Ziel vor Augen: den Arbeitgeber, ein Ausflugsziel oder die Grenze zu Frankreich. Für diese Fahrt zwischen Bonn und Lauterbourg gilt: Der Weg ist das Ziel. Was hat die B 9 zu bieten auf der rund 300 Kilometer langen Strecke?

Viele Menschen, die die Bundesstraße 9 benutzen, haben ein festes Ziel vor Augen: den Arbeitgeber, ein Ausflugsziel oder die Grenze zu Frankreich. Beziehungsweise das, was dahinter liegt. Für diese Fahrt zwischen Bonn und Lauterbourg, der ersten französischen Siedlung hinter dem pfälzisch-französischen Grenzübergang, gilt: Der Weg ist das Ziel. Was hat die B 9 zu bieten auf der rund 300 Kilometer langen Strecke?

Die Reise beginnt an der südlichen Stadtgrenze Bonns so unspektakulär, wie es nur geht: Die B 9 ist hier eine schlichte, zweispurige Schnellstraße, wie man sie überall kennt. Das ändert sich dann schlagartig ab Rolandswerth, wenn die Bundesstraße erstmals auf den Rhein trifft. Urlaubsfeeling kommt auf an diesem strahlenden Tag: Die Sonne spiegelt sich im Wasser, kleine Häfen und schmucke Häuser veredeln bis Remagen das Ambiente. Dort ist die B 9 dann abseits des Wassers bis Bad Breisig zweispurig ausgebaut, bis sie in Brohl endlich wieder auf den Rhein trifft. Ab hier ist die Umgebung malerisch. Das Auge muss sich auf die Straße konzentrieren, doch es will viel lieber auf Weinstöcke, die Berge und das Wasser blicken. Bis Andernach geht das so. Doch dann kommt ein Bruch.

Dicke Betonschrammwände verhindern jede Sicht auf die Umgebung, von Weitem schon ist der Kühlturm des Atomkraftwerks Mülheim-Kärlich zu entdecken, der aber bald schon Geschichte sein wird. Auf einmal fährt man mitten durch eine Industriezone. Auf der nach unten offenen Skala der semischönen Abschnitte der B 9 erhält der autobahnähnlich ausgebaute Teil, der nach Koblenz hineinführt, einen Ehrenplatz. Ein ramschiges Industriegebiet mit Baumärkten, Autohändlern und Erotik-Dienstleistern zieht vorbei, bevor der Fahrer die Europabrücke erreicht und damit dem zweiten großen Fluss an der B 9 begegnet: der Mosel. Hier stellt die Straße die wichtigste Nord-Süd-Achse der Stadt dar. Allerdings: Sollte Koblenz eine schöne Seite haben – von der B 9 aus sieht man sie nicht.

 

Was dann kommt, entschädigt allerdings für alles. Hinter Koblenz wird die B 9 mehr und mehr zu einer atemberaubend schönen Straße, oft nur von der viel befahrenen Bahntrasse vom Rhein getrennt. Allen Bewohnern in den zahlreichen Orten am Fuße der Weinberge, der alten Burgen und Schlösser, wünscht man spontan einen großzügig bemessenen Balkon, um dieses Panorama, das sich zwischen Stolzenfels und Bingen erstreckt, in vollem Umfang zu genießen. Denn mal abgesehen von der Aussicht, müssen sie ziemlich viel Lärm aushalten. Nicht nur durch die viel befahrene Bundesstraße, sondern vor allem auch durch die ungezählten Güterzüge, die vorbeirattern.

Spätestens in St. Goar angekommen, wird mit Blick auf die Loreley klar, warum das obere Mittelrheintal Unesco Welterbe ist: malerisch, idyllisch, faszinierend – schöner kann man es wohl auch nicht zeichnen. Auch wenn der Ort selbst den Blick schon sehr offensichtlich auf die wohl zahlreichen Touristen gelenkt hat. In Oberwesel prägen dann mehr als zuvor noch alte Türme und Gemäuer das Bild. Der klassische Ort ist hier wie folgt aufgebaut: In der Mitte eine Kirche, darum herum ein paar Häuser bis die Berge mit den Weinreben beginnen. Und ganz oben drüber thront eine alte Burg. Brücken finden sich hingegen selten. Der Rhein wird eher mit der Fähre überquert. Ein Sinnbild für die Entschleunigung, die zumindest auf den ersten Blick im oberen Mittelrheintal herrscht.

Auf der restlichen Strecke kommt dann schnell Langeweile auf. Zwischen Bingen und Mainz ersetzt die A 60 die B 9, südlich von Mainz, auf Höhe von Nierstein, warten dann ein letztes Mal idyllische Weinberge und der Rhein auf den Fahrer. Worms grüßt mit einem ebenfalls ramschigen Industriegebiet, die B 9 gleicht in ihrem weiteren Verlauf dann eher einer Autobahn, bis sie auf ihrem letzten Abschnitt zwischen Randel und dem französischen Grenzort Lauterbourg zu einer vielbefahrenen Waldstraße wird, die von Deutschen vor allem genutzt wird, um in den Urlaub zu fahren oder im grenznahen Großsupermarkt günstig französisches Wasser zu kaufen.

Zur B9 nördlich von Bonn