Kommentar zum Streit um Flüchtlingsunterbringung: Wie absurd

Kommentar zum Streit um Flüchtlingsunterbringung : Wie absurd

Der Sport hat sich klar positioniert zum Thema „Flüchtlinge in Sporthallen“. Auf allen Ebenen, von den Stadtsportbünden bis zum Deutschen Olympischen Sportbund. Nein, solange es andere, sinnvollere Möglichkeiten gibt. Ja, sobald diese Möglichkeiten ausgeschöpft sind.

Dieses „Ja“ ist wichtig. Um kein Missverständnis entstehen zu lassen. Um nicht in die ausländerfeindliche Ecke gerückt zu werden. Der Sport will seinen Beitrag leisten und keineswegs den Kopf in den Sand stecken.

Ohnehin sollte außer Frage stehen, dass der Sport mithilft, Neu-Bürger, Vielleicht-bald-Bürger und überhaupt alle Bürger zu integrieren. Ob mit oder ohne sogenannten Migrationshintergrund. Das tut der Sport seit jeher. Er produziert immens viel von jenem Kitt, der die Gesellschaft zusammenhält. Wer mal zusammen geschwitzt und gespielt hat, haut dem anderen nicht mehr so schnell auf die Nase, ist eher bereit, ihn zu respektieren, mit ihm zu reden.

In vielen Gremien der Städte, Gemeinden und Bundesländer ist diese Erkenntnis verankert. Sie versuchen, dem Sport zu helfen, damit er weiterhin anderen helfen kann. Mancherorts wurden Sporthallen mit Flüchtlingen belegt, aber schnell wieder ihrer eigentlichen Bestimmung zugeführt. Das erforderte Engagement, Kreativität bei der Suche nach alternativen Lösungen und ganz banal: den Willen, die Handlungsfähigkeit des Sports zu erhalten.

Die Stadt Bonn scheint das Potenzial des Sports nicht erkannt zu haben. Zugegeben, zunächst wurden rund 3000 Flüchtlinge untergebracht, ohne die Sporthallen anzutasten. Dass danach aber ausschließlich Sporthallen auf die Liste gesetzt wurden, zeugt von bemerkenswerter Fantasielosigkeit. Wenn jetzt doch wieder andere Immobilien im Gespräch sind, belegt das nur, dass die Hausaufgaben zuvor nicht erledigt wurden.

Der Sport in Bonn könnte vor die Hunde gehen, sollten irgendwann im Sommer wirklich alle relevanten Sporthallen belegt sein. Keine Wettkampfmöglichkeit, keine Mitglieder, keine Existenz. Und was passiert, wenn die Hallen eines Tages wieder frei sind? Die Renovierung im notorisch klammen Bonn dürfte Jahre dauern.

Es ist definitiv gut, wenn Bonn die Flüchtlinge angemessen empfängt und unterbringt. Aber etwas Gutes tun, indem man etwas Gutem die Grundlage entzieht? Wie absurd!

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