Trainer beurlaubt

Telekom Baskets trennen sich von Krunic und James

Predrag Krunic ist nicht mehr Trainer der Telekom Baskets Bonn.

Bonn. Die Telekom Baskets Bonn ziehen Konsequenzen aus den zuletzt desaströsen Auftritten: Der Basketball-Bundesligist trennt sich von Trainer Predrag Krunic und Guard Ra’Shad James.

Eines steht fest: Hätten alle seine Spieler immer das gleiche Engagement gezeigt wie Predrag Krunic, wären die Telekom Baskets wohl nicht in die aktuelle missliche Lage gekommen. Doch es hatte sich bereits im Laufe der Woche abgezeichnet: Der Basketball-Bundesligist hat die Reißleine gezogen und nach den zuletzt desaströsen Auftritten in der Champions League gegen Nanterre und Fribourg den Cheftrainer beurlaubt. Zudem wurde der Vertrag mit Guard Ra’Shad James im gegenseitigen Einvernehmen aufgelöst.

In der Trainerfrage „haben wir nach der mental und sportlich erneut desolaten Vorstellung im Champions-League-Spiel gegen Fribourg keinen anderen Weg mehr gesehen, als Predrag Krunic zu beurlauben“, so Baskets-Präsident Wolfgang Wiedlich. Wer Krunics Nachfolge antritt, steht noch nicht fest. Interimsweise wird Co-Trainer Chris O’Shea die Mannschaft betreuen. Der 37-jährige US-Amerikaner, seit 2015 auf dem Hardtberg, wird das Team auf das Pokalhalbfinale bei Brose Bamberg vorbereiten und dort am Sonntag (18 Uhr) als hauptverantwortlicher Coach an der Seitenlinie stehen.

Gleiches gilt für die Champions-League-Partie am nächsten Dienstag in Venedig. „Wir kommen Sonntagnacht aus Bamberg zurück und fliegen tags darauf nach Italien“, sagt Sport-Manager Michael Wichterich, „da macht es keinen Sinn, einen neuen Trainer einzubringen. Aber danach sollte es schon so schnell wie möglich funktionieren.“ Savo Milovic, der Headcoach des Jugend-BBL-Teams Bonn/Rhöndorf, wird O'Shea als Co-Trainer unterstützen, danach aber wieder ins zweite Glied rücken.

Wichterich hatte die Mannschaft gemeinsam mit Krunic am Donnerstagmorgen in der Kabine informiert. „Manchmal atmet eine Mannschaft dann erleichtert auf, das war hier nicht so“, sagt Wichterich. „Das Überbringen dieser Nachricht ist mir schwergefallen. Dass es den Spielern genauso ging, habe ich auf vielen Gesichtern gesehen. Wir alle hatten eine gute Beziehung, die über die Arbeit hinausging. Auch wenn wir der Meinung sind, dass diese Entscheidung inhaltlich richtig ist – man verliert jemanden, der sehr viel für Team und Verein gegeben hat.“

Anschließend verabschiedete sich Krunic in der Geschäftsstelle, O'Shea leitete das Training. „Wir hatten mit Coach Krunic zwei großartige Jahre“, sagte Teamkapitän Josh Mayo anschließend. „Es ist traurig, dass es so gekommen ist. Als Team müssen wir uns jetzt umso mehr selbst in die Pflicht nehmen und nach vorn schauen.“

Krunic hatte die Baskets zu Beginn der Spielzeit 2016/17 kurzfristig übernommen, als Silvano Poropat aus gesundheitlichen Gründen wenige Tage vor Saisonbeginn ausfiel. In dieser Spielzeit erreichte Bonn mit dem Einzug ins Halbfinale des Fiba Europe Cup das bislang beste internationale Ergebnis der Vereinsgeschichte.

Für den Bosnier war es das zweite Engagement als Cheftrainer auf dem Hardtberg. Von 2001 bis 2005 war er der Nachfolger von Bruno Soce, in dessen Amtszeit er selbst als junger Co-Trainer in Bonn begonnen hatte.

Wer nun derjenige sein wird, der es schaffen soll, die so häufig fehlende Intensität der Mannschaft dauerhaft aufs Feld zu bringen, verrät Wichterich nicht. Derjenige soll aber mit entscheiden, wer als Nachfolger von Ra'Shad James kommen soll. Dass nachverpflichtet werden soll, bestätigt Wichterich: „Wir sind mit unserem Guard-Trio sehr gut aufgestellt, brauchen aber trotzdem noch jemanden“, sagte der Sportmanager. „Die Tatsache, dass dann im europäischen Wettbewerb immer einer der Ausländer aussetzen musste, hat zwar diese Saison Unruhe reingebracht, aber dem müssen wir uns stellen.“

Eine Personalie schließt Wichterich aus: „Dirk Bauermann ist ein erfahrener und verdienter Trainer, aber für uns keine Option.“ Die Ex-Baskets Chris Ensminger und Sasa Nadjfeji wiederum erklärten beide auf GA-Anfrage, dass es keinen Kontakt zu den Baskets in dieser Angelegenheit gegeben habe. Beide hatten die Bonner Entwicklung verfolgt. „Ich fühle mich wohl in Ulm und mir macht das Entwickeln junger Spieler Spaß“, sagt Ensminger. „Ich fokussiere mich auf meinen Job – und habe hier einen Vertrag.“ Gleichwohl scheint er nicht abgeneigt, denn Trainerjobs in der BBL wachsen nicht gerade auf den Bäumen, und Bonn ist ein renommierter Standort. „Natürlich ist das eine attraktive Aufgabe.“

Auch Nadjfeji sieht das so, fühlt aber in erster Linie mit Krunic, zu dem er ein gutes Verhältnis hat. „Ich bin ja in derselben Situation. Auch bei uns haben Verletzungen dazu geführt, dass wir in Schwierigkeiten geraten sind. Es ist schön, dass einige Bonner in dieser Situation an mich denken, aber mich hat von Vereinsseite niemand kontaktiert.“ Auch Nadjfeji war nach dem letzten Spiel beim Pro-A-Ligisten Tigers Tübingen entlassen worden.

Wer auch immer die Mannschaft übernimmt, er übernimmt sie ohne den Topscorer. Obwohl diese Zahl für James spricht, wirkte sein Engagement in Bonn oft wie ein Missverständnis. Das sah er offenbar selbst ähnlich und ging nach der letzten Niederlage gegen Fribourg auf Wichterich zu. „Beide Parteien waren unzufrieden, und das hatte sich aufgebaut“, sagt der Sportchef der Baskets. „Er hat das Gespräch gesucht, und wir sind übereingekommen, dass wir den Vertrag auflösen. Es hat einfach nicht so gepasst, wie wir uns das vorgestellt hatten.“

Den treffsicheren Shane Gibson, dessen Dreimonatsvertrag die Baskets nicht verlängert hatten, zurückzuholen, ist, so Wichterich, keine Option.