Mayo alleine reicht nicht

Telekom Baskets Bonn verlieren gegen Oldenburg

Josh Mayo (l., hier im Duell mit Will Cummings) und seine Teamkollegen erwischten nicht ihren besten Tag.

Josh Mayo (l., hier im Duell mit Will Cummings) und seine Teamkollegen erwischten nicht ihren besten Tag.

BONN. Die Telekom Baskets Bonn haben am zehnten Spieltag der Basketball-Bundesliga am Sonntag im Telekom Dome deutlich mit 78:98 gegen Oldenburg verloren. Bei den Gästen überragte Routinier Rickey Paulding.

Es gibt diese Tage, an denen gegen starke Individualisten kein Kraut gewachsen ist. Einen solchen hatten die Telekom Baskets am Sonntag in ihren Reihen. Aber eben nur einen. Während der Bonner Spielmacher Josh Mayo mit 25 Punkten und 88-prozentiger Dreierquote glänzte, hielten auf Oldenburger Seite Rickey Paulding (35), Rasid Mahalbasic (25) und Will Cummings (21) mit jeweils mehr als 20 Punkten dagegen. Unter anderem weil Mayo deutlich weniger offensive Unterstützung erhielt, stand am Ende ein 98:78 (23:21, 21:25, 32:16, 22:16)-Erfolg der Gäste auf der Anzeigetafel, die damit in diesem Traditionsduell (30:30 Siege) ausglichen.

Einen kleiner Trost wurde aus Braunschweig geliefert: Die Basketball-Löwen schlugen Ludwigsburg nach Verlängerung mit 100:99, sodass die Baskets zumindest in den Playoff-Rängen bleiben.

Überraschenderweise nutze Baskets-Trainer Predrag Krunic die Chance, Oldenburg zu überraschen, nicht. Er startete ohne einen seiner Neuzugänge Olivier Hanlan und Stefan Bircevic in die Partie. Die Etablierten waren kaum in der Lage, Mahalbasic vom Korb wegzuhalten; der Österreicher punktete nach Belieben. Als er einen Bodenpass von Karsten Tadda einigermaßen unbehelligt zum 13:5 für die Gäste verwertete, rief Krunic zur ersten Auszeit. Was auch immer er korrigierte, Mahalbasic interessierte es nicht.

Allerdings suchte Oldenburg gegen den heißlaufenden Mayo ebenfalls vergebens nach einem Mittel. Als er in der sechsten Minute seinen vierten Dreier bei vier Versuchen traf, bat Gästetrainer Mladen Drijencic sein Personal zur Besprechung. Zudem tat Krunic den Gästen unverständlicherweise den Gefallen, den heißen Mayo auf die Bank zu holen.

Bojan Subotic, neben Mayo noch einer der besseren Bonner, war dann in der Lage, Mahalbasic das idyllische Leben am Korb zumindest etwas schwerer zu machen, doch die Defensive, die sich ohnehin kein Fleißkärtchen verdient hatte, wurde mit den Neuzugängen an Bord zwar bemühter – dafür fehlte erwartungsgemäß die Abstimmung. Doch solange die Bonner in der Offensive Antworten fanden – auch sie wurden von einer moderaten Oldenburger Defensive unterstützt –, blieb die Partie eng. Mit zwei Punkten Vorsprung gingen die Bonner in die Halbzeit (46:44).

Was nach dem Seitenwechsel folgte, analysierte Hanlan nach der Partie treffend: „Wir sind mit zu wenig Energie und Aggressivität aus der Halbzeit gekommen, obwohl der Coach uns entsprechend eingestellt hatte. Als wir dann zweistellig zurücklagen, wurde es immer schwerer zurückzukommen.“

Am Dienstag geht es bereits gegen Teneriffa weiter

Philipp Schwethelm eröffnete die zweite Halbzeit mit einem Dreier zur Oldenburger 47:46-Führung, der wegweisend sein sollte: Nachdem die Niedersachsen bis dahin keinen ihrer sieben Distanzversuche getroffen hatten, drohte Bonn nun eine weitere Option, die der Oldenburger Altmeister Paulding reichlich nutzen sollte. Im dritten Viertel sammelte er 20 seiner insgesamt 32 Punkte. Als der 36-Jährige die 63:53-Führung in den Bonner Korb stopfte, versuchte Krunic das offensichtlich drohende Enteilen mit einer weiteren Auszeit zu verhindern, doch das gelang nur bedingt. Die Offensive der Gäste war ins Laufen gekommen und nutzte ihre zahlreichen Optionen, deren beste Paulding blieb. Sein Dreier zum 68:57 markierte die erste zweistellige Oldenburger Führung.

Aus dieser Führung zog der Tabellendritte die entsprechende Souveränität, um die Partie beinahe ungefährdet ins Ziel zu spielen. Zwar kamen die Bonner im Schlussdurchgang nach einem Steal von Yorman Polas Bartolo, den er zum 70:76 in den Oldenburger Korb brachte, noch einmal auf sechs Punkte heran (33.), doch die von den jetzt wieder etwas lautstärker anfeuernden Fans erhoffte Aufholjagd wurde sogleich von Paulding und Kollegen gekontert. Damit war der Widerstand der Baskets dann endgültig gebrochen. „Unsere zweite Hälfte war defensiv nicht gut genug, um ein Spiel gegen eine Mannschaft wie Oldenburg zu gewinnen“, fand Krunic. „Unsere Neuverpflichtungen haben einen soliden Job gemacht, brauchen aber noch Zeit zur Integration.“

Oldenburg blieb angesichts möglicher Playoff-Konstellationen auf dem Gaspedal und erarbeitete sich ein 20-Punkte-Plus für einen direkten Vergleich, zu dem es gar nicht kommen wird, wenn die Baskets sich nicht steigern. Noch gelten zwei Neue, die integriert werden müssen, als Erklärung für fehlende Abstimmung. Fehlende Intensität in der Defense und Einzelaktionen mit dem Kopf durch die Wand erklären sie nicht.

Viel Trainingsmöglichkeiten gibt es nicht, das Aufeinander-Abstimmen werden die Baskets unter Wettbewerbsbedingungen verbessern müssen: Schon am Dienstag (20 Uhr) tritt Iberostar Teneriffa, der Tabellenführer der Champions-League-Gruppe B, zum Auftakt der Rückrunde im Telekom Dome an. Beim spanischen Spitzenteam hatte Bonn zum Start in den europäischen Wettbewerb Anfang Oktober mit 68:87 verloren, seitdem gaben die Spanier nur eine Champions-League-Partie (65:66 gegen PAOK Saloniki) ab.

Keine leichte Aufgabe, bei der Mayo offensiv sicher mehr Unterstützung brauchen wird.

 

Telekom Baskets: Jarelle Reischel 2 Punkte, Olivier Hanlan 10/1 Dreier, Bojan Subotic 12/3, Ra’Shad James 5/1, Stefan Bircevic 7, TJ DiLeo 5, Martin Breunig 7, Yorman Polas Bartolo 5, Josh Mayo 25/7, James Webb III.

Oldenburg: Paulding 21 Punkte/3 Dreier, Mahalbasic 25, Cummings 21, Schwethelm 9/3, Tadda 4, Massenat 4, Stojanowski2, Boothe 1, Keßen.

Trefferquote (zwei Punkte): Bonn 36% (13/36), Oldenburg 73% (32/44); Dreierquote: Bonn 52% (12/23), Oldenburg 32% (6/19), Rebounds: Bonn 28, Oldenburg 35; Assists: Bonn 10, Oldenburg 19; Ballgewinne: Bonn 2, Oldenburg 8, Ballverluste: Bonn 13, Oldenburg 9, Fouls: Bonn 21 (Hanlan 5), Oldenburg 22. Zuschauer: 5720.