Basketball-Pokal

O'Shea will Bonn ins Finale führen

BONN. Vom Assistenten ist er zumindest vorübergehend zum Chefcoach berufen worden: Chris O'Shea will den Basketball-Bundesligisten Telekom Baskets Bonn gegen Bamberg ins Pokal-Finale führen.

Im Spiel eins nach Predrag Krunic rückt bei den Telekom Baskets Bonn ein Mann ins Rampenlicht, der bei dem Basketball-Bundesligisten seit 2015 im Hintergrund seine Arbeit als Assistent der Bonner Cheftrainer macht: Chris O'Shea. Nach der Trennung von Krunic hat der Club dem 37-Jährigen interimsweise die sportliche Leitung übertragen. Und O'Sheas Premiere an der Seitenlinie hat es gleich in sich: Es geht für die Baskets um nichts Geringeres als den Einzug ins Endspiel um den BBL-Pokal. Am Sonntag (18 Uhr, Brose Arena) treten die Bonner im Halbfinale beim früheren Serienmeister Brose Bamberg an.

Es kommt häufig vor, dass Vereine bei der Trennung von ihrem Headcoach auch den Assistenten ausrangieren. Doch O'Shea hat inzwischen vier Trainer „überlebt“. Mathias Fischer holte den US-Amerikaner mit irischem Pass und österreichischem Führerschein 2015 nach Bonn. Beide hatten bereits in der Alpenrepublik bei den Swans Gmunden miteinander gearbeitet, wo O'Shea zehn Jahre wirkte und dort als Trainer-Flüsterer von drei hauptverantwortlichen Übungsleitern schon reichlich Erfahrung sammelte.

In dieser Zeit half O'Shea dabei, Pokalsiege und nationale Meisterschaften mit Gmunden zu gewinnen. In Bonn assistierte er nach Fischer dessen Nachfolger Carsten Pohl, Silvano Poropat und zuletzt Krunic.

Der Mann aus Reno in der Wüste des US-Bundesstaates Nevada, der über Alaska und Florida schließlich nach Europa kam, genießt bei den Baskets größte Achtung. „Es ist schon ungewöhnlich, wenn ein Verein wie die Baskets in drei Wettbewerben unterwegs ist und sich dabei auf nur einen Co-Trainer verlassen kann. Das hat seine Gründe“, sagt Sportmanager Michael Wichterich. „Chris macht hier sehr gewissenhaft eine hervorragende Arbeit. Er ist in Sachen Videoanalyse und Spielvorbereitung top und ein wertvoller Ratgeber für den Cheftrainer.“

O'Shea hat gerade seinen A-Trainer-Schein gemacht, „und in seiner Masterarbeit spiegelt sich seine Arbeit mit den diversen Trainerpersönlichkeiten sehr gut wider“, berichtet Wichterich. Gleichwohl betont er, dass O'Shea nur eine Überganglösung sei. Wichterich: „Ich bin überzeugt, dass Chris mittelfristig ein guter Bundesligacoach wird. Wir aber werden, Stand heute, nach kurzer Übergangszeit mit einem neuen Headcoach weitermachen.“

Im Training soll es bei den Baskets laut gewesen sein. Und das nicht wegen O'Shea, sondern wegen seiner Spieler. Laut Wichterich arbeitet der Coach daran, die Kommunikation auf dem Feld zu verbessern. „Er wird taktisch nicht alles umkrempeln, sondern sich an unser Grundgerüst halten. Aber ich bin mir sicher, er wird die eine oder andere ganz persönliche Note ins Spiel bringen“, blickt Wichterich auf das Pokal-Halbfinale in Bamberg.

Dort trifft Bonn auf einen Club, der sich kurioserweise ebenfalls gerade von seinem Cheftrainer getrennt und den Co-Trainer befördert hat. Der Lette Ainars Bagatskis musste gehen und wurde durch seinen Assistenten Federico Perego ersetzt. Bagatskis war erst vor der laufenden Saison als Nachfolger von Luca Banchi verpflichtet worden. Perego ist in Bamberg bereits der vierte Coach auf dem Chefposten in den vergangenen zehn Monaten. Auslöser des sportlichen Bebens waren vor allem die drei Heimniederlagen in Folge gegen München, Bayreuth und vor allem Vechta. Das 67:85 gegen den bärenstarken Aufsteiger war der bisherige Tiefpunkt.

Bei den Franken geht jetzt die Angst um, erstmals nach 18 Jahren die Playoff-Runde zu verpassen. Doch noch sind die Bamberger Tabellenfünfter, und der Kader ist mit hochkarätigen Profis gespickt. Nach den vielen Auseinandersetzungen mit Bonn in den vergangenen Jahren erwartet man in Bamberg eine Nervenschlacht. „Für den Unterlegenen geht es im Tal der Tränen weiter“, wird auf der Homepage des Clubs pathetisch formuliert.

„Wir sind noch nirgendwo angetreten ohne den Glauben, gewinnen zu können“, macht Wichterich klar. Und natürlich wolle man die Situation ausnutzen, dass der Gegner derzeit selbst mit Problemen kämpfe. „Unsere Mannschaft hat in einigen Spielen gezeigt, dass sie großes Potenzial hat. Sie muss es nur konstant abrufen“, fordert der Sportmanager.

Eine mögliche weitere Duplizität: Die Baskets spielen ohne ihren Topscorer Ra'Shad James, von dem sie sich ebenfalls getrennt haben. Bamberg muss wohl ohne seinen besten Schützen und Rebounder Augustine Rubit auskommen.