20 Jahre Baskets

Die Geschichte der Telekom Baskets Bonn

2000 bis 2004

2000 Baskets vor Rekordkulisse

Vorsorglich hatten die Telekom Baskets Bonn ihre Fans im Internet befragt: Mit einer deutlichen 82 Prozent-„Ja“-Quote hatten die dafür gestimmt, einmal für ein Spitzenspiel die Kölnarena „zu testen“. Das hörte sich lässig an und offenbarte weder die notwendigen Anstrengungen dazu noch die wahren Absichten: Denn die Bonner Clubverantwortlichen wollten die hiesigen Kommunalpolitiker mit einer großen Zuschauerzahl beeindrucken und anspornen, die in Reden „Bonnarena“ genannte neue Baskets-Halle nun endlich anzugehen. So wurde das Meisterschaftsspiel Telekom Baskets Bonn gegen Alba Berlin, seit 1997 ein Klassiker der Liga, kurzerhand in die 1998 eröffnete Kölnarena verlegt.

Bereits am Vorabend des 7. April 2000 konnten sich die Baskets die Hände reiben. Damit hatten sie nicht gerechnet und so viele Zuschauer schon gar nicht angestrebt. Die Kölnarena war für das Bundesligaspiel „Bonn - Berlin“ ausverkauft. Die Zahl „18.506“ bedeutete nicht nur einen neuen deutschen Indoor-Zuschauerrekord im Basketball, sondern Europarekord. Der für Basketball im Stadion („Freiluftrekord“) lag jedoch weiter bei 80.000, aufgestellt 1968 im Athener Olympiastadion zum Europacup-Finale zwischen AEK Athen und Slavia Prag.

Der Umzug mit Deckenfahnen und Banden und Vielem mehr aus der kleinen, 3500 Zuschauer fassenden Hardtberghalle in die fünfmal so große Kölnarena hatte die aufstrebenden Baskets Tage zuvor in Atem gehalten. Der General-Anzeiger druckte damals täglich eine Ticketuhr ab, auf der die Zahl noch vorhandener Eintrittskarten zu sehen war. Die Ticketpreise waren im Vergleich zu Kölner Eishockey-Verhältnissen bewusst niedrig gehalten worden.

Am 7. April 2000 füllten die Telekom Baskets Bonn mit 18 506 Zuschauern die Kölnarena

 

Nach fünf Tagen Vorverkauf war bereits der von Alba Berlin gehaltene deutsche Basketball-Zuschauerrekord (9000) gebrochen. Dennoch sollte es erstmals für ein Bonn-Berlin-Spiel „keinen Engpass für Eintrittskarten geben“, so die Baskets in einer Pressemitteilung. Die FAZ urteilte: „Was für eine Fehleinschätzung: Vergeblich versuchte beispielsweise der Berliner Manager Robert Mayer Tage vor dem Spiel noch einige Tickets zu erwerben. »Stellen Sie sich vor«, berichtete der Mann etwas verstört: »Es gibt keine mehr.«“ Vor dem Anpfiff blühte der Schwarzmarkt vor der Kölnarena.

Das Spiel ging damals zwar mit 64:72 verloren, aber die Baskets waren trotzdem selten glücklicher. Bundesweit hatten die Medien über das Event gejubelt und den deutschen Basketball einen „schlummernden Riesen“ genannt. Nach dem Schlusspfiff sagte Baskets-Präsident Wolfgang Wiedlich der „Süddeutschen Zeitung“: „Ich verneige mich vor unserem Ameisenstaat, wie der das gestemmt hat.“ Seitdem werden die vielen Baskets-Helfer gelegentlich „Ameisen“ genannt.

Akribisch hatten die Baskets den Ticketverkauf für das Großevent ausgewertet und zufriedenstellend registriert, dass rund 12.000 der 18.500 Eintrittskarten im Baskets-Einzugsbereich zwischen Bad Honnef, Siegburg und Rheinbach gekauft worden waren. Das ließ hoffen für den sportpolitischen Kampf für eine neue, größere Halle. Wirtschaftlich verlief das Experiment dagegen ernüchternd. Wiedlich heute: „Damals haben wir viel gelernt für den späteren Bau unserer eigenen Halle.“ Doch daraus wurde erstmal lange nichts. Das Event ein Fehlschuss in eigener Sache? Die Debatte ging zwar weiter, aber ohne Taten. Wurde schon nicht die heimische Kommunalpolitik für den Basketball wachgeküsst, gelang das den Telekom Baskets – unbeabsichtigt – für den Kölner Korbball.

Unternehmen und Mäzene unternahmen daraufhin einen großen Anlauf, wieder an die glorreichen Zeiten des mehrfachen Deutschen Meisters BSC Saturn Köln anzuknüpfen. Der Erstliga-Wildcard im Juni 2001 folgte am 3. Oktober 2001 das Auftaktspiel zur ersten Basketball-Profisaison in Köln seit 1984 – Gegner waren ausgerechnet die Telekom Baskets. Unter Predrag Krunic, mit 33 Jahren damals der jüngste Headcoach der Liga, erteilte Bonn den Kölnern unter Erfolgscoach Svetislav Pesic mit 85:66 vor 15.000 Fans in der Kölnarena eine regelrechte Lehrstunde. Später gewann Köln einmal die Meisterschaft (2006) und dreimal den Pokal (2004, 2005, 2007).

Im Juli 2009 reichte der zunächst wirtschaftlich stark aufgestellte Verein, der mehrfach seinen Namen – RheinEnergy Cologne, RheinEnergie Cologne, RheinEnergie Köln, Köln 99ers – geändert hatte und letztlich im kleinen EnergyDome (3000 Zuschauer) spielte, den Insolvenzantrag ein. Seitdem existiert in Köln kein Profi-Basketball mehr.

2000 Wieder scheitert die Meisterschaft an Berlin

Das Team der Telekom Baskets Bonn 2000/2001

Das Team der Telekom Baskets Bonn 2000/2001

 

Im Team der Baskets hat es zuletzt spürbar gekriselt. Zudem hat sich in der Liga der Trend zu einer immer athletischeren Spielweise fortgesetzt. Sport-Manager Kramer und Headcoach  Socé  reagieren und  vollziehen die zweite große Zäsur in ihrer gemeinsamen Amtszeit: Vier neue Spieler kommen, von denen die kämpferischen Paul Burke und Igor Perica voll im Socé-Kompass liegen, während Playmaker Mark Miller (KK Split)  und  Center MC  Mazique (KK Zagreb) US-Bilderbuchathleten sind.

Beide haben die strenge kroatische Basketballschule ohne Störungen durchlaufen, weshalb Socé recht optimistisch ist. Zudem kommt Kelecevic zurück, und Beechum ist weiter an Bord. Alles zusammen bedeutet geballte Offensiv-Kraft – und Platz drei in der Hauptrundentabelle hinter Berlin und Leverkusen.

Im Finale wartet wieder Berlin

In den Playoffs schaltet Bonn im Viertelfinale Trier mit 3:0 aus und Leverkusen in einer hartumkämpften Serie mit 3:1. Im Finale wartet – mal wieder – Berlin. Und wieder ein Sonderzug. Diesmal hat er mit 900 Metern Rekordlänge. Die Euphorie bei den Bonner Fans ist riesengroß und Alba Berlin auf der Auswechselbank wieder zu tief besetzt. Mit 0:3 geht die Finalserie zu Ende – und nach sechs erfolgreichen Jahren Socés Trainerära in Bonn. Der Vertrag wird nach dreimal Silber in fünf Erstliga-Jahren beiderseits nicht verlängert. Socé soll frustriert gewesen sein, weil die wirtschaftlichen Möglichkeiten der Baskets mehr als eine Finalteilnahme nicht zulassen würden.

Schloss Hagerhof wieder Deutscher Meister

Unterdessen feiert der Basketballkreis Bonn an anderer Stelle eine Deutsche Meisterschaft - im Schulwettbewerb „Jugend trainiert für Olympia“: Das Basketball-Internat Schloss Hagerhof in Bad Honnef hat bei den Jungen seinen ersten Titel gewonnen und wird dies 2002 sogar wiederholen. Mit Lehrer Martin Otto, einst GTV- und RTV-Aufbauspieler, und Geschäftsführer Michael Laufer, einst RTV-Headcoach, sind dort alte Basketballbekannte am Werk.

2001 Predrag Krunic wird Headcoach

Die Baskets sind im Sommer 2001 nicht nur in Deutschland ein etablierter Erstligist, sondern haben sich auch in Europa einen Namen gemacht. Seit 1997/98 spielt man durchgängig im Korac- oder höherklassigeren Saporta-Cup (heute EuroCup) und hat zuletzt zweimal das Saporta-Viertelfinale erreicht: Einmal hieß Pamesa Valencia (1999/00) die Endstation, das andere Mal Maroussi Athen (2001/02).

Predrag Krunic in der Auszeit.

Predrag Krunic in der Auszeit.

 

Deshalb fliegt der neue Baskets-Coach Predrag  Krunic zuversichtlich in seine Heimatstadt, um Aleksandar Nadjfeji (KK Radnicki Belgrad) zu verpflichten. Der Power Forward hat bereits mit 16 Jahren in der „jugoslawischen Bundesliga“ gespielt, ist Nationalspieler und in Deutschland ein Unbekannter. Der Coup gelingt, und der 25-Jährige wird bald die ganze Liga beeindrucken. Zum Saisonstart am 3. Oktober 2001 aber erstmal den neuen Wildcard-Bundesligisten RheinEnergy Cologne. Dort sitzt Svetislav Pesic auf der Trainerbank, und Bonn zeigt sich bärenstark: 85:66 vor 15.000 Zuschauern.

Krunics  Team  ist auch bärenstark: Mit Beechum und dem neuverpflichteten Aleksandar Zecevic hat es zwei Scharfschützen und in Terrence Rencher wieder einen Top-Playmaker. Nach der Hauptrunde stehen die Baskets punktgleich mit Frankfurt und Köln ganz oben und beenden die Hauptrunde als Tabellenzweiter. Doch in den Playoffs verletzen sich Beechum und Burke. Im Halbfinale folgt das Aus gegen Köln (1:3). Doch die erste Saison ohne Socé, vor der nicht wenige Bauchschmerzen hatten, ist gemeistert. Für Krunic war sie auch eine Emanzipationsetappe.

2002 Erster Einzug in die Pokal-Endrunde

Baskets-Coach Krunic ersetzt Zecevic durch Brad Traina, Burke durch  Brian Brown, und der schwedische Nationalspieler Olouma Nnamaka wird sofort Publikumsliebling: Bald wird er „The Wall“ heißen, weil seine Sprungkraft ihm reihenweise spektakuläre Blockshots erlaubt. Außerdem hat Bonn – nach Behnke – wieder den längsten Spieler der Liga. Der 2,21 Meter lange Aleksandar Radojevic ist aber auch einer der emotionalsten, nicht nur bei den Baskets, sondern ligaweit. Das stimuliert die Hardtberghalle und verursacht auswärts Pfeifkonzerte. Emotional aufgeladen bleibt, wie eh und je, auch das Treiben am Spielfeldrand, wenn der nüchterne Hamburger Referee Boris Schmidt in der Konstellation Kramer/Pesic „Dienst tut“.

Erstmals werden die Telekom Baskets Hauptrunden-Erster, und erstmals in der Clubgeschichte ziehen sie in die Pokal-Endrunde (TOP 4) ein. Mit Traina haben sie einen Spieler an Bord, der manchmal undiszipliniert agiert, aber auch binnen Minuten mit einer Dreierserie von nahe der Mittellinie Spiele kippen kann. Im Zielleinlauf beider Wettbewerbe bleibt der große Wurf aus. In den Playoffs wird der rheinische Rivale Bayer Leverkusen zwar mit 3:2 niedergekämpft, im Halbfinale folgt das Aus gegen Bamberg (1:3). Im Top 4 scheidet man im Halbfinale gegen Köln (76:85) aus.

Fans der Telekom Baskets Bonn beim Top 4 in Berlin

Fans der Telekom Baskets Bonn beim Top 4 in Berlin

 

2004 Krunic muss gehen

Beechum verlässt nach immerhin fünf Spielzeiten den Hardtberg, Rencher wird von Köln „eingekauft“ und Branko Klepac steht vor seiner fünften Saison in Bonn. Das Wechselkarussell beschert den Baskets jedoch mit dem Litauer Rimantas Kaukenas, dem Slowenen Aleksandar Capin und dem US-Amerikaner Altron Jackson, zuletzt Topscorer in Ungarn, überragende Einzelspieler. Höhepunkt wird die Viertelfinal-Serie gegen die Skyliners Frankfurt: Bonn als Hauptrunden-Zweiter ist Favorit, liegt 0:2 zurück. Mit zwei außerordentlichen Klimmzügen schafft die Krunic-Truppe noch das 2:2, dann setzt sich der spätere Überraschungsmeister im 5. Spiel in der Hardtberghalle (76:83) durch.

Krunic und sein "ic"-lastiges Team

Sport-Manager Kramer, für den Basketball einst Deutscher geworden, zieht es samt Familie zurück in die USA – per Greencard. Seine GmbH wird im Sommer geschlossen. Die Baskets gründen für das „Bundesliga-Geschäft“ die BonBas GmbH. Kramer und Krunic beeilen sich im Sommer mit der Kader-Zusammenstellung. Alles etwas überhastet. Das Team ist zudem etwas „ic“-lastig: Radovan Markovic, Dragan Miletic, Branko Milisavljevic, Aleksandar Djuric, Martin Mihajlovic, dazu Landsmann Nadjfeji und der Ungar Balasz Simon sowie der Lette Kristaps Janicenoks. Krunic gleitet sein mit Spielern aus Ex-Jugoslawien gespickte Team aus dem Ruder, und Milisavljevic gilt als Ich-bezogener Charakter und heimlicher Anführer. Es gibt tolle Spiele, sogar das TOP-4-Finale wird erreicht, aber erstmals seit 1997 verpassen die Baskets die Playoffs.

Krunic muss gehen

Pedrag Krunic

 

Im Sommer entlassen die Baskets Krunic. Nun müssen sie neben Kosten für die Hallenplanung auch noch eine Abfindung stemmen. Auch soll der Kader 2004/05 einer der teuersten gewesen sein. Erstmals läuten die Baskets eine umfangreiche Trainersuche ein. Letztlich vertraut man wieder einem erfolgreichen Headcoach aus Ex-Jugoslawien: Daniel Jusup aus Kroatien kommt, die Co-Trainer stehen schon vorher fest. Einmal hält man an Karsten Schul fest, zum anderen holt Wiedlich Michael Koch, einen der besten und erfahrensten deutschen Basketballer. Er wohnt in Königswinter.