20 Jahre Baskets

Die Geschichte der Telekom Baskets Bonn

1995 bis 1998

1995 Die Telekom Baskets Bonn sind geboren

Die „Wolke sieben“ ist über den Rhein nach Bonn gezogen. Dort haben die Fans nach Fusion, Ausgliederung (Post-SV Bonn) und Neugründung eines reinen Basketballvereins (Telekom Baskets Bonn e.V.) zunächst leichte Orientierungsschwierigkeiten. Doch die ersten Zweitliga-Spiele unter dem neuen Coach Bruno Socé wehen alle Irritationen weg: Knallharte Defense, bedingungsloser Einsatz, Sieg um Sieg, ausverkaufte Heimspiele. Fazit: ungeschlagen Meister der 2. Liga Nord.

Am 27. April 1995 gewinnt Bonn im letzten Relegationsspiel gegen die TG Landshut 91:90 - der Erstliga-Aufstieg! Die anschließende Party im Pennenfeld dauert bis nach Mitternacht. Fans auf beiden Seiten des Rheins reiben sich die Hände: Die Lokalderbys sind wiederbelebt. Diesmal auf Erstliga-Niveau. Das hat bundesweit nur der Basketballkreis Bonn zu bieten.

Die Telekom Baskets 1995-1996

 

In der darauf folgenden Saison beginnt das Wettrüsten zwischen den beiden Rhein-Rivalen. Rhöndorf holt von Erstligist Bayreuth Richard Morton, mit 21,97 Punkten pro Spiel Topscorer der Saison 1995/96, dazu den wieselflinken Steven Key. DSF-Kommentator Frank Buschmann spricht von „zwei Zauberern“, die Rhöndorf in die Playoffs führen können.

Dieses Ziel ist für den Aufsteiger Bonn wohl "eine Nummer zu groß“. Trainer Bruno Socé holt aus Berlin Gunther Behnke sowie Sebastian Machowski (bis Ende März 2015 Cheftrainer bei den Baskets Oldenburg) und aus Zagreb den – in Deutschland unbekannten – Kroaten Sinisa Kelecevic. Ansonsten vertraut Socé seinem Aufstiegsteam, das prompt den Klassenerhalt schafft.

Die Rhöndorfer enttäuschen unterdessen und erspielen sich in der Abschlusstabelle nur den 11. Platz - das reicht nicht für die Playoffs in der Menzenberger Sporthalle.

1996 Die Baskets beziehen eine neue Heimat

Obwohl die Fans einen Umzug in den „Eiskeller“ Hardtberghalle (Kapazität: 3000 Zuschauer) für „größenwahnsinnig“ halten, wagen die Baskets den Schritt. Am Ende wird die Halle zu klein sein.

 

Bonn im Rausch: Baskets sind Vize-Meister

Bonn liegt in der Saison 1996/97 vor dem letzten Spiel – ausgerechnet beim Tabellenersten Berlin – auf Rang neun. In der letzten Spielminute steht es 70:68 für Bonn, aber Berlin hat den letzten Angriff – bis Taylor Sasa Obradovic (heute Headcoach von Alba Berlin) Sekunden vor dem Abpfiff den Ball stibitzt. Ein Steal mit Folgen: Bonn springt in der Endtabelle auf Rang sieben, ist in den Playoffs und muss nun – ausgerechnet – gegen den Tabellenzweiten Rhöndorf unter Cheftrainer Tom Schneeman ran. Gespielt wird noch nach dem Best-of-Seven-Modus. Wer zuerst vier Spiele gewinnt, ist im Halbfinale. Am 6. April 1997 steht es 3:2 (60:63, 75:69, 77:85, 80:76, 93:76) für Bonn. In der Schlussminute des 6. Spiels wechselt die Führung hin und her, 4100 Zuschauer in der Hardtberghalle sind außer Rand und Band, als Jan Rohdewald 1,1 Sekunden vor dem Ende mit seinem sechsten Dreier zum 85:83 den Hardtberg beben lässt.

Bald ist der Ticket-Notstand ein handfestes Problem. Nachdem die selbstbewussten Baskets auch Bamberg mit 3:0 aus den Playoffs fegen, stehen sie als erster Aufsteiger in der deutschen Basketballgeschichte im Finale – und die Fans vor Vorverkaufsstellen. Nur ganz Geduldige, Online-Shops gibt es noch nicht, ergattern ein Ticket, die Warteschlange reicht von einem Sportgeschäft 800 Meter lang bis zum Friedensplatz.

Im Finale gegen Alba Berlin endet das Bonner Basketballmärchen. Doch zum ersten Endspiel Anfang Mai 1997 fährt ein vom Fanclub „Defense – die Fans“ organisierter Sonderzug. Eine 88:94-Niederlage in der Hauptstadt ist ein achtbares Ergebnis, die 79:109-Heimschlappe (2. Finale) nicht. Es steht 0:2. Trotzdem fährt ein noch längerer zweiter zweiter Sonderzug nach Berlin. Die Rückfahrt gerät zum Triumph-Zug: Taylors legendärer „Wurf vom Parkplatz“ lässt die Baskets 78:77 gewinnen. Dann ist die Saison nach dem 4. Finale (98:81 für Berlin in der Hardtberghalle) beendet. Die Fans bejubeln enthusiastisch „Silber“, während Berlins erster Titel eineWachablösung markiert: Erstmals seit 1989 heißt der Deutsche Meister nicht mehr Bayer 04 Leverkusen. Nebenbei: In seinem letzten von vielen Bonner Spielerjahren gewinnt der 40-jährige Kramer den Vizetitel.

Für Bonn hagelt es nach der sensationellen Spielzeit Ehrungen: Socé wird Trainer des Jahres 1997, der 40-jährige Center Kramer erhält den BBL-Ehrenoskar, die Mannschaft wird zum „Überraschungsteam 1997“ erklärt. Fast vergessen: In der Bonner Hardtberghalle wurde auch das Allstar-Game 1996 ausgetragen – als „BBL-Dankeschön“ für die Fortschritte in der Basketballregion Bonn/Bad Honnef. Zum wertvollsten Spieler (MVP) des Allstar-Games wird der Bonner Kelecevic gewählt.

1997 Bonn bleibt auf Erfolgsspur

Die Aufsteiger-Hurra-Saison der Telekom Baskets war keine Eintagsfliege: Die Hauptrunde 1997/98 endet mit Platz zwei für Bonn. Das Team war weitgehend zusammengeblieben. Drazan Tomic und der kämpferische Steven Hutchinson verstärkten die Mannschaft, und Machowski avanciert zum treffsichersten Dreierschützen der Liga. Doch in die Playoffs geht „General“ Perwas verletzt, auch Taylor ist angeschlagen. Gegen den Siebten ratiopharm Ulm erfolgt ein schnelles Aus (1:3). Rhöndorf wird Fünfter und muss gegen Trier (Vierter) ran. Eine zähe Viertelfinalserie: Der RTV liegt 0:2 zurück, kämpft sich zurück, aber im 5. Viertelfinale gibt der Heimvorteil den Ausschlag: 96:118.

1998 Erstmals international vertreten

Vom Uralgebirge bis nach Jerusalem, von Lissabon bis Tiflis: Die Telekom Baskets haben seit 1997 mehr als 350.000 Kilometer zurückgelegt – und viel erlebt. Damit sind sie seit fast 20 Jahren Bonns Botschafter in ganz Europa. Hier finden Sie sich das gesamte GA-Europacup-Archiv und eine interaktive Reisekarte.