20 Jahre Baskets

Die Geschichte der Telekom Baskets Bonn

1980 bis 1990

1980 Bundesliga-Schiedsrichter und RTV-Erfolg

Nicht Silvio, sondern Silvia – die erste Frau an der Pfeife in der Männer-Bundesliga stammt aus Bonn-Wachtberg. Weil mancher Club das für unmöglich hält, adressiert er die Einladung zum Spiel an „Herrn Otto Silvia“. „Kreidebleich stieg Silvia Otto in den brodelnden Hexenkessel“, schreibt 1980 die Westfälische Rundschau über ein Match in Hagen. So geht das Woche für Woche, dass die Lokalzeitung an einem Bundesliga-Standort, wo die 1,63 Meter „große“ Silvia Otto erstmals auftrat, von „einer kleinen Bonner Hausfrau“ berichtet, die „die langen Kerls zähmt“. Sie muss sich einiges anhören: „Versuchs doch mal mit  Kuchenbacken“.

Silvia Otto

 

Rhöndorf ist top

Rhöndorfs Regionalliga-Herren sind die Nr. 1 in der Region: Am Menzenberg bejubeln Anfang/Mitte der 1980er-Jahre regelmäßig 600 RTV-Fans Norbert Walkembach, Helge aufm Kampe, Michael Winkelhausen & Co.

1985 Ein Ex-NBA-Star kommt nach Bad Godesberg

Zur Saison 1985/86 übernimmt Basketballdozent Dr. Klaus Molkenthin beim GTV den Trainerjob. Es wird eine durchwachsene Spielzeit. Schließlich landet das GTV-Headcoach-Amt bei „Ako“-Basketballchef Feier. Der hat für die Regionalliga-Saison 1986/87 rund 10.000 Mark als Spieleretat zur Verfügung. Er fragt sein Team: „Habt ihr etwas dagegen, wenn ich das Geld für einen ehemaligen NBA-Profi ausgebe?“ Keiner ist dagegen.

Dieser Spieler heißt Arvid Kramer. Er spielte in der US-Profiliga NBA bei den Denver Nuggets (1980), dann zog es ihn nach Europa. Der kämpferische Center spielte in den Topligen Italiens (Siena) und Frankreich (Lyon), ehe er zum mehrfachen Deutschen Meister Bayer 04 Leverkusen wechselte. Dort spielte auch John Ecker, Ehemann der Gold-Weitspringerin Heide Rosendahl, die nach ihrer aktiven Zeit eine Fitnessstudio-Kette betreibt.

Kramer heiratet eine Deutsche, wurde Studioleiter in Köln. Basketball spielte er bis 1986 nur noch zum Spaß beim TuS Opladen (2. Liga). Nun also in Godesberg.

Arvid Kramer

 

1987 Kramer und der GTV steigen auf

Mit dem Ex-NBA-Profi Kramer und einer Mannschaft, die im Kern aus den Schülertalenten von „Päda“ und „Ako“ besteht, schafft GTV-Trainer Feier 1987 auf Anhieb den Zweitliga-Aufstieg. Der Exil-Rumäne ist so etwas wie der Gegenentwurf zu Studiendirektor Otto und vor allem alles in einer Person: Trainer ohne Lizenz, Manager, Sponsorakquisiteur – und auch für die Fan-Bewirtung während der Heimspiele im Sportpark Pennenfeld zuständig. Denn der GTV hat das „Cusanus“ verlassen, weil die Basketballbegeisterung in Bonn spürbar gewachsen ist.

März 1987: GTV-Trainer Anton Feier und -Spieler Frank Baron bejubeln den Aufstieg von der Regionalliga in die 2. Bundesliga

 

1990 Der GTV darf oben mitspielen

1990 profitiert der GTV vom Nachrückverfahren und ist plötzlich Erstligist. Abteilungsleiter Rüdiger Schulze-Husmann klärt und organisiert das Administrative, Feier den großen Rest. McDonalds Bad Godesberg wird Hauptsponsor, ansonsten basiert das Erstligageschäft des GTV vorwiegend aus Tankstellen-Blumen- und Weihnachtsbaumverkauf sowie einem Katzenhotel in Mehlem. Auch die Spieler müssen „Dienst tun“.

Ein wirtschaftliches Abenteuer ist der Erstliga-Ausflug sowieso, aber auch manche Auswärtsfahrt: In der ausverkauften Halle in Bamberg wartet man auf die GTV-Spieler. Ursache: Eine Rostlaube ist auf der Autobahn stehengeblieben. Doch es wird auch großer Sport geboten: Kevin Stevenson und Kramer heißen die Leistungsträger.

Zum entscheidenden Spiel um den Klassenerhalt gegen Ulm im April 1991 wechselt der GTV in die Hardtberghalle: Erstmals pilgern 2000 Bonner zum Basketball, doch der Gasr gewinnt mit 112:109 nach Verlängerung, der GTV steigt ab.