20 Jahre Baskets

Die Geschichte der Telekom Baskets Bonn

1891 bis 1975

1891 Die Stunde null in Springfield

Der Winter im US-Bundesstaat Massachusetts kann hart sein. Vor gut zwei Monaten noch sprach man von einer Schneemenge biblischen Ausmaßes, von der schneereichsten Woche seit 1891. Just im Schneewinter 1891, in dem auch der Ort Springfield im Dezember unter einer dichten weißen Decke lag, bekam Sportlehrer James Naismith den Auftrag, über eine neue Hallensportart nachzudenken. Naismith war ein kluger Mann. Das Gerangel am Boden störte ihn, er wollte sein Spiel sozusagen in eine höhere Ebene verlegen. Dazu ließ er auf jeder Hallenseite einen Korb anbringen, den man nur mit einem kräftigen Sprung erreichen konnte. Der Hausmeister der YMCA-Sportschule von Springfield schleppte dafür Pfirsichkörbe heran – Massachusetts schließlich ist nicht nur bekannt für seinen Schnee, sondern auch für seinen prächtigen Obstanbau, für Äpfel, Himbeeren und Pfirsiche. Naismith nannte das Spiel nach seiner wichtigsten Zutat: Basketball, also Korbball. Die Körbe wurden in einer Höhe von zehn Fuß, umgerechnet 3,05 Metern, befestigt.

 

Naismith gilt als Erfinder des Basketballs. In Springfield steht heute die Ruhmeshalle des Basketballs. Sie trägt seinen Namen: Naismith Memorial Basketball Hall of Fame. Was der Sportlehrer damals nicht wissen konnte: Die Wurzeln des Spiels mit Ball und Korb oder Ring reichen weit zurück, vermutlich an die 3000 Jahre. Die Olmeken – ihnen haben wir auch die Schokolade zu verdanken -spielten bereits mit einem Ball, genauer: mit dem Kautschukball. Von den Mayas und Azteken ist Ähnliches bekannt.

Naismith indes war offenbar ein klarer Denker. Für sein neues Basketball-Spiel hatte er die Regeln schnell zusammengefasst, es waren 13. An erster Stelle stand der ebenso schlichte wie klassische Satz: „There must be a ball.“ Das erste Basketballspiel der Geschichte nach den Naismith-Regeln findet am 21. Dezember 1891 im Springfield College statt, es endet mit dem basketball-unüblichen Ergebnis von 1:0. Zwei Mannschaften von je neun Spielern treten zweimal 15 Minuten gegeneinander an. Viele der Regeln haben sich mittlerweile geändert, vor allem die, nach der man beim Basketball nicht mit dem Ball laufen darf. Geblieben aber ist zentimetergenau und weltweit die Höhe des Korbes: 3,05 Meter. Naismith selbst hatte sich darüber nicht viele Gedanken gemacht: Es war halt die Höhe, auf der die Pfirsichkörbe an der Empore der Sporthalle von Springfield angebracht werden konnten.

Das Spiel unter und mit den Körben verbreitete sich explosionsartig, schon 1892 waren die Frauen dabei. Deutschland hinkte hinterher. Als der Basketball 1936 in Berlin olympisch wurde, bestaunte man ihn hierzulande noch als Kuriosität. James Naismith war Ehrengast und sprach vom „glücklichsten Augenblick meines Lebens“. Nach dem Krieg waren es amerikanische Soldaten, die dem Basketball in Deutschland auf die Sprüngen halfen, vor allem in Universitätsstädten wurde er heimisch.

Der Basketball-Erfinder starb drei Jahre nach Berlin in Lawrence im Bundesstaat Kansas; an der Universität von Kansas war er lange Sportlehrer gewesen. In Berlin hatte er „seinem“ Sport eine große Zukunft vorausgesagt. Heute spielen, so die offizielle Angabe des Weltbasketballverbands FIBA, 450 Millionen Menschen Basketball.

1960 Basketball-Anfänge in Bonn

In der Universitätsstadt Bonn spielen vor allem die Studenten Basketball. Auf Vereinsebene ist die Sportart weniger als ein zartes Pflänzchen. Eine bis auf Kreis-/Stadtebene heruntergebrochene Verbandsstruktur existiert noch nicht. Deshalb spielen die Teams der ersten Stunde Ende der 1960er-Jahre im Basketballkreis Köln mit: Godesberger TV (GTV), Bonner TV (BTV), Bonner SC (BSC) und Rhöndorfer TV (RTV).

1975 Basketball erobert in der Region zuerst die Schulen

Ohne sie hätte sich der Basketball in Bonn und Bad Honnef wohl kaum so stark entwickelt: Die ersten Pioniere auf beiden Seiten des Rheins sind 1975 Dr. Helge aufm Kampe am Siebengebirgs-Gymnasium und Werner Otto an der Otto-Kühne-Schule („Päda“). Beide eint die Fächerkombination Mathematik und Sport, was die statistische Auswertung und Begleitung eines Basketballspiels begünstigt. Generationen von Schülern werden darin ausgebildet, ein Basketballspiel nicht mit Strichliste, sondern ordnungsgemäß zu begleiten. Hört sich harmlos an, ist aber eine kleine Geheimwissenschaft. Und es ist noch eine Zeit ohne G-8-Abitur und viel Sportunterricht. Nachmittags steht Freizeit auf dem Programm – also weitgehend Basketball.

Die Früchte akribischer und leidenschaftlicher Arbeit reifen Mitte/Ende der 1970er Jahre im Rahmen des Schulmeister-Wettbewerbs  „Jugend  trainiert  für Olympia“: „Sibbi“ und „Päda“ machen Schlagzeilen in der Region. Studiendirektor Otto, selbst dreimal Deutscher Meister, führt die männliche C-Jugend 1976 immer weiter – Kreismeister, Landesmeister – bis ins Bundesfinale: Haarscharf schrammt das „Päda“-Team am Titel vorbei (34:35 gegen das Moll-Gymnasium Mannheim). Damals im Team: Martin und Stefan Otto sowie Georg Nietgen und Klaus Kühne. Die drei Jugend-Leistungsträger werden Jahre später das GTV-Herrenteam in die 2. Liga werfen.

Zwei Jahre später dann „Gold“ für das „Sibbi“: Die C-Jugend-Mädchen schlagen am 6. Mai 1978 die Waldparkschule Heidelberg im Finale mit 20:13. „Wir begrüßen den Deutschen Meister“ titelte die Honnefer Volkszeitung. Roter Teppich und rote Rosen schon am Flughafen Wahn (heute: Köln/Bonn), und die Stadt Bad Honnef stiftete einen Satz Trainingsanzüge. 1980 wiederholt das Team unter Trainer Aufm Kampe den Coup von Berlin: Wieder Deutscher Meister, diesmal in der B-Jugend-Klasse. „Dieses Mädchenteam“, heißt es in der Broschüre zum 75-jährigen Jubiläum des Rhöndorfer TV (1987), sei „wohl die beste Jugendmannschaft“, die jemals in Bad Honnef gespielt habe. Bis 1987 sollte das stimmen.

Es folgten weitere große Erfolge im Bonner und Honnefer Schulbasketball. Westdeutsche Meisterschaften (NRW) in allen Jahrgängen, auch vordere Plätze bei „Jugend trainiert für Olympia“. Längst war mit dem Aloisiuskolleg („Ako“) in Bad Godesberg ein dritter Talent-Hotspot entstanden, seitdem dort der gebürtige Rumäne und ehemalige Nationalspieler Anton Feier unterrichtete – im  Fach Sport, was unausgesprochen Basketball bedeutete. Und beim „Päda“ hatte Otto in Studienrat Klaus Fechner einen rundum kompetenten wie engagierten Mit-Ausbilder gefunden. Fechner wird 1983 gemeinsam mit Martin Otto, inzwischen Jugendtrainer am „Päda“ und im Godesberger TV, für etwas verantwortlich sein, was der General-Anzeiger am 9. Mai 1983 als „wahren Triumphzug“ bezeichnet. Sowohl die weibliche (Otto) als auch männliche C-Jugend-Mannschaft (Fechner) wird in Berlin Deutscher Schulmeister. Auch in den nächsten Jahren qualifiziert das „Päda“ sich oft für die Endrunde in Berlin.