Telekom Baskets Bonn

Bonner fahren mit neuem Elan nach Bamberg

Leidensgenossen: Neben dem verletzten Charles Jackson (rechts) musste gegen Teneriffa auch Ra'Shad James zusehen – denn nach den europäischen Regeln haben die Baskets einen Ausländer zu viel.

Leidensgenossen: Neben dem verletzten Charles Jackson (rechts) musste gegen Teneriffa auch Ra'Shad James zusehen – denn nach den europäischen Regeln haben die Baskets einen Ausländer zu viel.

Bonn. Baskets-Manager Michael Wichterich sieht sein Team nach einem gutem Auftritt gegen Teneriffa auf dem richtigen Weg. Am Sonntag geht's nach Bamberg.

Charles Jackson humpelte auf seinen Krücken hinter den Teamkollegen her Richtung Kabine. Yorman Polas Bartolo ließ den Kopf hängen, auch der sonst immer fröhliche Josh Mayo konnte den Fans nicht mehr geben als eine versteinerte Miene. Doch die enttäuschte Truppe wurde gefeiert, als sie die Halle verließ. Viele Fans waren geblieben, um den Telekom Baskets Bonn Anerkennung zu zollen für ein starkes Spiel gegen Iberostar Teneriffa, das der Tabellenerste der Champions-League-Gruppe B erst nach Verlängerung mit 99:92 gewinnen konnte.

Rückblende: Nach Spielschluss gibt es Pfiffe – eine Seltenheit im Telekom Dome. Eine ernüchternde zweite Halbzeit gegen Oldenburg endet mit einer verdienten Niederlage für uninspirierte Baskets. Für fehlende Emotion, Intensität und Defense gibt es eine Quittung von den Niedersachsen (78:98), eine von den Rängen – und vom Trainer einen Platz auf der Bank für Ra'Shad James.

Dazwischen lagen zwei Tage. „Nach diesem Spiel müssen wir uns nichts vorwerfen lassen, das hätte am Ende auch anders laufen können. Ob es ein Wendepunkt war kann man erst später sehen. Ein positives Zeichen war es allemal“, sagte Michael Wichterich. „Wir hatten auf eine Reaktion der Mannschaft gehofft und waren zuversichtlich, aber sicher kann man, wenn man ehrlich ist, nie sein.“ Der Baskets-Sportmanager gibt zu: „Die Pfiffe am Sonntag haben mehr weh getan als die Niederlage.“ Und die Reaktionen nach beiden Spielen haben dem Bonner Team deutlich gemacht, dass Niederlagen auf dem Hardtberg verzeihlich sind, Spiele mit halber Kraft hingegen nicht.

Diese Partie gegen den hohen Favoriten Teneriffa war das Beste, was die Baskets in dieser Saison bisher gezeigt haben. „Auch dafür hatten die Fans ein gutes Gespür“, sagt der Sportmanager und ergänzt: „Wir wollten dieses Spiel gewinnen, um europäisch besser im Rennen zu sein, aber das Wichtigste war, dass wir die Anerkennung zurückgewonnen haben. Aber ein Mal reicht das nicht. Das müssen wir jetzt bestätigen.“ Und das gegen Bamberg.

TJ DiLeo in der Startformation

„Wenn wir mit der gleichen Einstellung und Intensität antreten, sind wir immer noch der Außenseiter“, meint Wichterich, „aber wir können uns mit Wadenbeißen und allem, was dazu gehört, wieder eine Chance auf den Sieg erarbeiten – und vielleicht nutzen wir sie dieses Mal.“

In der vergangenen Saison hatte Wichterich oft betont, dass es eine Qualität der Mannschaft sei, nach schlechten Spielen die entsprechende Reaktion zu zeigen – ein Fenster, aus dem er sich bisher noch nicht gelehnt hat. Aber er ist am Dienstagabend ein Schrittchen näher rangegangen ans Fenster: „Es war bisher nicht einfach für uns, die Rotation wurde durch die Verletzungen und Wechsel reichlich durchgeschüttelt, aber ich war und bin immer positiv, denn ich kenne die Jungs“, sagt der 45-Jährige. „Ich weiß, wie wichtig ihnen das, was sie tun, ist.“

Mit dem entsprechenden Einsatz funktionierte auch vieles automatisch besser. Cheftrainer Predrag Krunic hatte TJ DiLeo für James in die Startformation gestellt. Der Deutsch-Amerikaner zeigte, wie wohl er sich neben Josh Mayo fühlt und wie gut er mit Martin Breunig harmoniert. Zuletzt agierte gerade er sinnbildlich für die ganze Mannschaft. Verunsichert und ohne Fortune.

Jetzt bescherte das Duo den Baskets einen guten Start ins Spiel gegen die Spanier. DiLeo auf Breunig – ein Erfolgsrezept. Das lag natürlich auch daran, dass Breunig mit Teneriffa-Center Colton Iverson deutlich besser zurecht kam als mit dem Oldenburger Stabilbau-Modell Rasid Mahalbasic. „Iverson ist schon einiges leichter als Mahalbasic“, begründete Breunig, der, auch beflügelt vom guten Start, eines seiner besten Spiele im Bonner Trikot machte.

Zum Schluss hatte er sogar den Sieg in der Hand. „Der Coach hat aufgezeichnet, was wir spielen sollen“, erklärte Breunig. „Es hat nicht ganz nach Plan funktioniert, sie haben uns TJ als Option weggenommen, aber dadurch hatte ich plötzlich die Lücke zum Korb.“ Und er nutzte sie beherzt. Breunig versuchte, den Ball in Bedrängnis in den Korb zu legen, ein Foulpfiff ertönte, der Ball sprang wieder aus dem Korb. Breunig ärgerte sich. Ein Korb plus verwandelter Freiwurf wäre der Sieg gewesen. So aber rettete der zuverlässige Freiwerfer die Baskets mit dem 82:82 immerhin in die Verlängerung.

Die Anerkennung für eine starke Leistung war da längst in trockenen Tüchern.