Telekom Baskets Bonn

Baskets feiern Überraschungssieg gegen Bamberg

Die Telekom Baskets Bonn haben sich im heimischen Telekom Dome überraschend gegen Brose Bamberg durchgesetzt.

Die Telekom Baskets Bonn haben sich im heimischen Telekom Dome überraschend gegen Brose Bamberg durchgesetzt.

Bonn. Die Bonner Telekom Baskets haben Brose Bamberg auch ohne ihren erkrankten Spielmacher Josh Mayo besiegt. Das Spiel ging mit 92:81 zu Ende. Die Bonner sammelten damit wichtige Punkte im Playoff-Rennen.

Der Ausfall eines zentralen Spielers kann in einem Team eine besondere Art von Dynamik freisetzen. Die Kollegen rücken zusammen, einige erhalten mehr Spielzeit, jeder gibt ein paar Prozent mehr, manche übernehmen mehr Verantwortung, wachsen über sich hinaus. Dazu noch ein cleverer Plan: fertig ist der Überraschungssieg.

Tatsächlich konnte Josh Mayo nach der Partie gegen Brose Bamberg beinahe noch breiter strahlen, als er das sonst nach Siegen tut. Der Kapitän der Telekom Baskets Bonn war erleichtert. Ohne ihn besiegte seine Mannschaft den deutschen Pokalsieger Brose Bamberg mit 92:81 (21:22, 19:18, 25:20, 27:21), gewann zudem den direkten Vergleich mit zwei Punkten Differenz (Hinspiel 70:77) und machte einen unerwarteten Schritt in Richtung Playoff-Teilnahme.

Der kleine Baskets-Spielmacher musste mit einer Virus-Infektion aussetzen und sah eine starke, bisweilen beeindruckende Vorstellung seiner Mannschaft. Dabei waren es gerade die beiden lange von den Bonner Fans kritisch beäugten Nachverpflichtungen Stefan Bircevic und Nate Linhart, die dem Bonner Spiel das gaben, was es benötigte.

Die Baskets begannen mit Linhart als Ersatz für Mayo, den zentralen Bonner Spieler. Da bei den Bambergern Center Cliff Alexander mit einem Bänderriss ausfiel, war die Bonner Taktik „größer“ zu spielen als gewöhnlich. Und sie ging auf. Denn die Bonner konnten nach kurzer Eingewöhnung deutlich mehr mit den Umstellungen von O'Shea anfangen, als die Bamberger. Und die Gäste behielten über die gesamte Dauer der Partie ihre Probleme damit.

Das einzige wirksame Mittel gegen den Bonner Center Charles Jackson waren zunächst Fouls, denn seine Trefferquote an der Freiwurflinie war überschaubar, besserte sich aber nach dem Seitenwechsel.

Da neben Mayo auch TJ DiLeo nach einer schlaflosen Nacht zwischen Bad und Bett angeschlagen war, mussten die anderen übernehmen. Und das machten sie. Olivier Hanlan lieferte sein bestes Spiel im Bonner Trikot ab, führte umsichtig Regie und teilte sich als Topscorer (22) den Löwenanteil der Punkte mit Jackson (21). Yorman Polas Bartolo engte die Wirkungskreise des zentralen Bambergers Tyrese Rice gewohnt gewissenhaft ein, sammelte dazu ein Double-Double aus elf Punkten und zehn Rebounds und brachte alleine mehr Energie mit, als die Bamberger nach vier Spielen innerhalb von zehn Tagen im Schlussviertel noch gemeinsam im Tank hatten.

Stefan Bircevic übernahm die Mayo-Dreierquote (67%) und den vorentscheidenden Dreier zum 82:76, der den Bambergern nach einer finalen Aufholjagd endgültig verdeutlichte, dass auch bei Bonnern ohne Mayo nichts zu holen war. Und Nate Linhart behielt in der Schlussphase routiniert die Nerven und sein Team auf Linie, als O'Shea von draußen beinahe verzweifelt versuchte, seinen Männern Ruhe und Cleverness als Rezept mit in die Schlussminuten zu geben. Bis auf 70:70 waren die Bamberger, die erst am Mittwoch gegen Titelverteidiger AEK Athen den Einzug ins Top4 der Champions League klargemacht hatten, noch einmal herangekommen. Dann hatten Polas Bartolo und Jackson mit einem 6:0-Lauf der Halle das Gefühl vermittelt, dass hier nichts mehr anbrennt. Bamberg-Trainer Federico Perego versuchte, seinem Team mit einer Auszeit noch einmal zurück ins Spiel zu verhelfen, doch Baskets-Maskottchen Bonni hatte bereits zur großen Fanblockfahne gegriffen und rannte euphorisch übers Parkett – zum ersten Mal in dieser Saison. Tatsächlich hatte der so oft vermisste Baskets-Spirit Einzug gehalten.

„Wir haben einfach gekämpft“, erklärte Linhart hinterher relativ simpel und ergänzte: „Wir wussten, dass wir das Fehlen von Josh kompensieren müssen. Wir haben schwierige Würfe getroffen, und am Ende hat es gereicht.“ Auch er hatte sein bestes Spiel für die Baskets gemacht und spielte seine souveräne Schlussphase ein wenig herunter: „Erfahrung mitzubringen, ist mein Job.“ Ein Pass auf Hanlan zum 57:52 in der 28. Minute hatte übrigens gezeigt, warum sich Linharts Können nicht schon nach zwei Wochen gemeinsamen Trainings voll entfalten konnte. Für solche Zuspiele muss ein Team eingespielt sein.

Als Bircevic in der 37. Minute Zisis' letzten Konterversuchen von der Dreierlinie aus eine strikte Absage erteilte, ballte O'Shea die Faust. Hinter ihm tobten die Spieler auf der Bank, reckten die Arme mit drei emporgestreckten Fingern in die Höhe, wedelten mit ihren Handtüchern. Dazwischen: Der strahlende Mayo. O'Shea war nach dem Spiel zu Scherzen aufgelegt: „Wenn meine Spieler die schwierigen Würfe treffen, sieht mein Plan hinterher clever aus“, sagt er und lachte. Nur einer freute sich eher still: Der entkräftete DiLeo sehnte, weit entfernt von einer rosigen Gesichtsfarbe, einen freien Tag im Bett herbei.

Statistik

Telekom Baskets: Nate Linhart 3 Punkte, Jarelle Reischel, Olivier Hanlan 22 (3 Dreier), Stefan Bircevic 18/4, Charles Jackson 21, TJ DiLeo 4/1, Martin Breunig 4, Yorman Polas Bartolo 11, James Webb III 4.

Bamberg: Hickman 11/3, Rice 15/3, Zisis 9/2, Stuckey 3/1, Schmidt, Olinde 2, Harris 15, Rubit 9, Heckmann 8, Taylor 9/2, Kulboka.

Trefferquote: Bonn 52% (34/66), Bamberg 46% (27/59); Dreierquote: Bonn 38% (10/26), Bamberg 44% (11/25); Freiwurfquote: Bonn 64% (14/22), Bamberg 70% (16/23); Rebounds: Bonn 35 (Bester: Polas Bartolo 10), Bamberg 34 (Bester: Rubit 9); Assists: Bonn 23 (Bester: Linhart 8), Bamberg 26 (Bester: Rice 7); Ballgewinne: Bonn 6, Bamberg 3; Ballverluste: Bonn 5, Bamberg 11; Fouls: Bonn 18, Bamberg 23. Zuschauer: 5800.