BBL-Playoff-Viertelfinale: Telekom Baskets verlieren Schlacht in Bamberg

BBL-Playoff-Viertelfinale : Telekom Baskets verlieren Schlacht in Bamberg

Die starken Bonner haben in Bamberg am Sieg geschnuppert, mussten sich am Ende aber mit einem 63:76 geschlagen geben und liegen in der Viertelfinalserie nun mit 1:2 hinten.

Was für ein Kampf, was für eine Moral. Unter Aufbietung aller Kräfte stemmten sich die Telekom Baskets Bonn am Sonntag im dritten Spiel der Viertelfinalserie bei Brose Bamberg gegen die Niederlage, lieferten ein Klassespiel ab, schnupperten kurzzeitig sogar am Sieg, verloren aber am Ende mit 63:76 (17:18, 12:18, 23:12, 11:28). Nun liegt die Mannschaft von Trainer Predrag Krunic in der Serie mit 1:2 zurück und braucht im Heimspiel am Dienstag (20.30 Uhr) einen Erfolg, um ihre Halbfinalhoffnungen am Leben zu erhalten. Gewinnt Bamberg, ist die Basketball-Bundesligasaison für Bonn beendet.

Es gehört zu den üblichen Ritualen in den Bundesliga-Arenen, dass die Hallensprecher die Fans beider Lager dem Dezibeltest unterziehen. Zuerst müssen die Gästeanhänger so laut wie möglich jubeln, dann die der Hausherren. Am Sonntag in Bamberg machten sich nach dieser Aufforderung gerade mal 50 Bonner Fans in einer oberen Ecke der Tribüne bemerkbar, ehe dann die mit Klatschpappen bewaffnete Konkurrenz ihre akustische Übermacht demonstrierte.

Man musste durchaus damit rechnen, dass sich die Kräfteverhältnisse auf dem Feld ähnlich gestalten würden. Schließlich mussten die Bonner ohne ihren Kapitän und Spielmacher Josh Mayo auskommen, der sich beim 72:87 am Mittwoch eine Muskelverletzung zugezogen hatte. Als die Gäste dann nach kaum einer Minute schon drei Fouls auf dem Konto hatten und wenig später mit 2:9 und 4:11 zurücklagen, schienen sich alle Befürchtungen zu bewahrheiten.

"Es war eine Schlacht"

Doch dann zeigten die Baskets, dass sie nicht nur mit einem Plan nach Franken gekommen waren, um das Spiel zu gewinnen, sondern dass sie auch alles dafür tun wollten, ihn in die Tat umzusetzen. Am Ende sollte Bambergs Trainer Andreas Trinchieri feststellen: „Es war eine Schlacht. Die Baskets haben uns alles abverlangt. Gratulation zu diesem großen Kampf.“

Nach dem frühen Rückstand blieben die Bonner stabil und schlugen zurück. Vier Punkte von Julian Gamble, ein Dreier von Ken Horton und ein Korb von TJ DiLeo ließen sie nach sieben Minuten zum 11:11 ausgleichen. Das war möglich, weil sie ihre Chancen in dieser Phase besser nutzten, aber vor allem, weil sie den Favoriten mit einer aufopferungsvollen Abwehrarbeit geradezu bekämpften. Die Baskets spielten aggressiv, gut sortiert und ohne Respekt – und sorgten auf diese Weise für viel Sand im Getriebe des Meisters. Der hatte dann zwar den einen oder anderen freien Wurf, schloss aber insgesamt nicht so hochprozentig ab, dass es gereicht hätte, Bonn abzuschütteln.

Wenn sich die Baskets etwas vorwerfen mussten, dann war es die mangelnde Präsenz im Rebound. Allzu oft sicherten sich Bamberger Hände den Abpraller. Offensiv ging der Ball vor der Pause elfmal an den Absender aus Franken zurück, das war die Grundlage für seine 36:29-Führung nach 20 Minuten. Trefferquoten auf beiden Seiten von etwas über 30 Prozent bis dahin dokumentierten, dass die 6150 Zuschauer in der Brose Arena bis zur Pause ein Kampfspiel gesehen hatten.

Bonn ging kurzzeitig in Führung

Mindestens genauso gut verteidigen, zuverlässiger rebounden und besser treffen musste die Bonner Devise für die zweite Halbzeit sein. Teil drei wurde gleich mit Leben erfüllt, als Horton mit einem Dreier auf 32:36 verkürzte. Dann müssen sich die Bonner Fans für lange Zeit die Augen gerieben haben, denn auch Teil eins und zwei der Devise setzte ihre Mannschaft um. Mit dem Resultat, dass der krasse Außenseiter mit seinem unermüdlichen Antreiber DiLeo, der nur phasenweise von Mayo-Ersatz Jamarr Sanders entlastet wurde, überragend Regie führte und wichtige Punkte erzielte, sowie mit einem an alter Wirkungsstätte aufdrehenden Ryan Thompson das Kommando übernahm.

Der Shooting Guard erzielte innerhalb kürzester Zeit elf Punkte und schaute nach jedem Erfolg triumphierend zur Bamberger Bank oder schlug sich demonstrativ auf die Brust. Es war Gamble, der Bonn beim 44:43 erstmals in Führung brachte. Und als die Baskets ihren Vorsprung bis auf 51:43 ausgebaut hatten, schien wie schon in Spiel eins (93:92) eine Sensation möglich.

Aber der Meister ist halt der Meister und hat ein paar überragende Individualisten im Team, die Spiele entscheiden können. Vor allem die Dreier von Lucca Staiger, Darius Miller, Fabien Causeur und Janis Strelnieks zogen den Baskets nach ihrer 55:50-Führung den Zahn. Jetzt klappte bei den Bambergern alles.

Krunic war stolz auf sein Team

Bestes Beispiel war der Treffer aus der Mitteldistanz zum 67:61 für Brose. Nationalspieler Daniel Theis musste unter Zeitdruck werfen, und der Ball flog in hohem Bogen Richtung Korb über das Brett ins Netz. Strelnieks erhielt nach seinem Dreier sogar noch einen Bonuswurf, der die Vorentscheidung zum 71:61 brachte. „Das waren richtig große Würfe, auf die wir am Ende keine Antwort mehr hatten“, stellte Zuschauer Mayo fest.

Coach Krunic war trotz der Niederlage stolz auf sein Team. „Das war eine unglaubliche kämpferische Leistung. Wir haben an uns geglaubt und haben unsere Chance gesucht, doch dann hat Bamberg sehr schwierige Würfe getroffen“, sagte er. „In den letzten Minuten haben uns auch die Kraft und ein Spieler wie Josh Mayo gefehlt, um noch einmal zurückzukommen. Wir können aber viel Positives mit ins fünfte Spiel nehmen“, sagte der 49-Jährige.

Sein Gegenüber Trinchieri war für die heftige Bonner Gegenwehr fast schon dankbar: „Ich liebe solche Spiele. Wenn man sie dann gewinnt, sind sie umso schöner. Meine Mannschaft braucht solche Schlachten, sie sind gut für ihre Entwicklung.“

Krunic geht nicht davon aus, dass Mayo am Dienstag wieder ins Team zurückkehren wird. Der Spieler selbst war weniger pessimistisch. „Ich werde hart dafür arbeiten. Wir haben noch zwei Tage Zeit. Es gibt durchaus eine Chance, dass ich dabei bin“, sagte Mayo.

Statistik

Bamberg: Zisis 15 Punkte/2 Dreier, Staiger 13/3, Miller 13/3, Strelnieks 11/3, Theis 8, Causeur 8/1, Melli 5, Radosevic 3, Olinde, Lo, Kratzer, Heckmann.

Bonn: Thompson 15, Gamble 15, Horton 11/3, Barovic 9, DiLeo 8, Silins 3/1, Bartolo 2, Sanders, Koch.

Trefferquote: Bamberg 40% (26/65), Bonn 37% (22/60); Zweier: Bamberg: 40% (14/35), Bonn 40% (18/45); Dreier: Bamberg 40% (12/39), Bonn 27% (4/15); Freiwurfquote: Bamberg: 67% (12/18), Bonn 79% (15/19); Rebounds: Bamberg 43 (Bester: Radosevic 8), Bonn 37 (Bester: Horton 12); Assists: Bamberg 15 (Bester: Zisis 5), Bonn 12 (Bester: DiLeo 5); Ballgewinne: Bamberg 4, Bonn 6; Ballverluste: Bamberg 11, Bonn 9; Fouls: Bamberg: 24, Bonn 22.

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