Basketball-Bundesliga: Telekom Baskets treffen im BBL-Pokal auf die Bayern

Basketball-Bundesliga : Telekom Baskets treffen im BBL-Pokal auf die Bayern

Die Telekom Baskets Bonn haben am Samstagabend deutlich mit 82:114 gegen die Merlins Crailsheim verloren. Die Mannschaft des neuen Bonner Trainers Thomas Päch präsentierte sich wie ein Absteiger und hatte das Spiel zu keinem Zeitpunkt unter Kontrolle. Jetzt müssen die Telekom Baskets bei den Bayern antreten.

Es gab einige Zuschauer, die den Telekom Dome am Samstagabend schon weit vor der Schlusssirene verließen. Als klar war, dass die Telekom Baskets Bonn von den Merlins Crailsheim nach allen Regeln der Kunst entzaubert wurden und eine Besserung nicht in Sicht war. Unter dem Strich stand am Ende eine deprimierende 82:114-Niederlage (19:34, 21:33, 17:26, 25:21). So hoch haben die Bonner vor eigenem Publikum in der Basketball-Bundesliga noch nie verloren. Es ist 22 Jahre her, als Alba Berlin am 9. Mai 1997 in der Hardtberghalle mit 109:78 als Sieger vom Feld ging. Es war das zweite Spiel der damaligen Finalserie, die die Baskets als Aufsteiger sensationell erreicht hatten.

"Das ist kein Rekord, den man als Trainer aufstellen will", sagte Thomas Päch einen Tag nach dem Desaster. Da hatte er das Geschehen bereits mit seiner Mannschaft aufgearbeitet, hatte seinen Spielern in einer Video-Analyse ihre Fehler aufgezeigt. Päch: "Das ist ein wichtiger Teil der Nachbereitung." Zudem war Eile geboten, denn bereits am Sonntag flogen die Baskets nach München, wo sie an diesem Montagabend (20.30 Uhr, Audi Dome) im Achtelfinale des BBL-Pokals bei den Bayern antreten müssen. Ausgerechnet beim übermächtigen deutschen Meister, ausgerechnet nach dem katastrophalen Auftritt gegen die Crailsheimer. "Normalerweise ist ein Spiel gegen die Bayern das leichteste Spiel des Jahres", sagte Päch, "weil nur die Bayern verlieren können. Doch das ist in diesem Fall nicht so. Wir haben etwas zu beweisen. Wir müssen auf dem Feld das umsetzen, was wir täglich trainieren."

Das war einen Tag zuvor gegen Crailsheim nur acht Minuten der Fall, wie Päch in der Video-Analyse herausfand. "Da haben wir das umgesetzt, was wir machen wollten. Leider haben wir einige gute Korbchancen nicht genutzt, und Crailsheim hat einen Dreier nach dem anderen getroffen." Nach fünf Minuten lagen die Hausherren bereits mit 6:15 hinten, nach Chancen gerechnet hätte es aber auch 15:15 stehen können. Denn allen voran Martin Breunig hatte mehrmals Pech mit Korblegern, und Ben Simons, ansonsten ein eiskalter Distanzschütze, hatte einen völlig freien Dreier, für den er in Ruhe Maß nehmen konnte, nicht im Korb untergebracht.

Und dann nahm das Unheil gegen einen nach zwei Siegen mit viel Selbstvertrauen angereisten Gast, der sich in einen Rausch spielte und traf, wie er wollte, seinen Lauf. Beim 34:19 nach zehn Minuten hatten die Gäste bereits zehn ihrer insgesamt 21 Dreier versenkt. "Wir sind panisch geworden und haben überdreht. Alle wollten, aber es hat dann nichts mehr zusammengepasst. Und mir ist es nicht gelungen, darauf korrigierend Einfluss zu nehmen", blickte Päch zurück.

Der Bonner Anteil unter den 4810 Zuschauern auf dem Hardtberg verfolgte das Geschehen mit zunehmendem Entsetzen. Ihre Mannschaft spielte völlig konfus. Struktur war in ihrem Spiel nicht zu erkennen. Keiner der Bonner Guards war in der Lage, die Fäden in die Hand zu bekommen. Ob Branden Frazier, Joshiko Saibou oder TJ DiLeo - das Spiel lief völlig an ihnen vorbei. Und in der Abwehr wurden die Bonner von ihrem Gegner ein ums andere Mal schwindelig gespielt. Ob Ballbewegung, Laufwege, Intensität, Entschlossenheit oder Wurfauswahl - Crailsheim bot all das, was sich eigentlich die Baskets für diese Saison auf die Fahne geschrieben haben. "Immer wieder hat der falsche Spieler zum falschen Zeitpunkt das Falsche gemacht", drückte es Päch aus.

Als die Gäste nach 34 Minuten beim 100:65 eine dreistellige Punktausbeute auf die Anzeigetafel gebracht hatten, war der harte Kern der Basketsfans auf der bei weitem nicht gefüllten Stehtribüne längst dazu übergegangen, sich selbst zu feiern. Gerade sie hatten die Verpflichtung von Päch fast schon euphorisch gefeiert. Die desolate Leistung gegen Crailsheim hat der Aufbruchstimmung, die im Umfeld des Vereins zu spüren war, aber ein jähes Ende bereitet.

Trotz der Schwere der Aufgabe in München ist Päch froh, dass seine Spieler nicht lange über die bittere Niederlage nachdenken können. "Jeder will jetzt zeigen, dass wir anders auftreten können als gegen Crailsheim", blickte Päch voraus. Er hofft dabei darauf, dass auch die Bayern nach fünf Spielen in zwölf Tagen nicht mehr mit vollen Akkus antreten. Am Donnerstag hatte die Mannschaft von Trainer Dejan Radonjic noch in der EuroLeague bei ZSKA Moskau antreten müssen (68:79).

Auch für die Bonner bleibt die Belastung hoch. Am Mittwoch steht bereits die Heimpremiere in der Champions League auf dem Programm. Dann stellt sich um 20 Uhr der spanische Erstligist Casademont Saragossa im Telekom Dome vor.

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