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6000 jecke Fans im ausverkauften Telekom Dome: Telekom Baskets siegen beim Karnevalsspiel 112:96 gegen Gießen

6000 jecke Fans im ausverkauften Telekom Dome : Telekom Baskets siegen beim Karnevalsspiel 112:96 gegen Gießen

Der neue Trainer Will Voigt feierte mit seiner Mannschaft den ersten Erfolg in seinem zweiten Spiel mit den Bonnern. Beim 112:96 wiederholten die Baskets den Hinrundensieg (88:85) vor fünf Wochen in Gießen.

Gefeiert wird beim Karnevalsspiel auf dem Hardtberg immer, doch diesmal fiel die Party nach dem 112:96-Sieg (35:16, 13:30, 32:20, 32:30) der Telekom Baskets Bonn gegen die Giessen 46ers besonders ausgelassen aus. 6000 kostümierte Fans gerieten im ausverkauften Telekom Dome außer Rand und Band, als ihre Mannschaft phasenweise ein wahres Feuerwerk abbrannte und zwei wichtige Punkte im Kampf um den Klassenerhalt holte. In der Tabelle überholte Bonn die Hamburg Towers und liegt nun mit einem Sieg Vorsprung auf die Norddeutschen und Schlusslicht Mitteldeutscher BC auf Rang 15.

Solch eine Stimmung hat man in Bonns Basketball-Tempel lange nicht mehr erlebt. Coach Will Voigt, Anfang Februar als Nachfolger des glücklosen Thomas Päch verpflichtet, schwärmte geradezu. „Die Fans waren unglaublich und haben uns damit einen großen Heimvorteil gegeben. Wir haben uns davon tragen lassen und sind über weite Teile des Spiels aggressiv geblieben“, sagte er. Der US-Amerikaner feierte im zweiten Spiel seinen ersten Erfolg mit den Baskets.

Grandioser Sturmlauf

Die Gefühlslage auf Gießener Seite war naturgemäß eine ganz andere. „Ein super Publikum, das war eine ganz schöne Hölle hier, mit diesen Karnevalsliedern und, dass dann alle mit einsetzen – das war sehr schwer zu spielen“, fand es 46ers-Coach Ingo Freyer gar nicht lustig. Offenbar hatte sein Verein die Entscheidung, auf Wunsch der Baskets das Karnevalsspiel zu retten und in Bonn anzutreten, über seinen Kopf hinweg gefällt. Freyer: „Es ist sehr schade, dass wir zugestimmt haben. Das war schon ein enormer Nachteil. Wir haben den Rhythmus nie gefunden und deshalb geht der Sieg für Bonn so in Ordnung.“

Die Baskets ließen sich von der Kulisse vom Sprungball weg zu einem grandiosen Sturmlauf treiben. Voigt hatte wohl bewusst eine kleine Aufstellung gewählt: Branden Frazier, Eugene Lawrence, Trey McKinney Jones, Ben Simons und Martin Breunig sollten gleich Tempo und Aggressivität ins Spiel bringen. Und das gelang. Nach nur wenigen Sekunden hieß es bereits 6:0, weil zuerst McKinney Jones und dann Breu-
nig ihre Attacken mit Körben und Bonuswürfen nach Fouls erfolgreich abgeschlossen hatten. Von da an überrollten sie ihren Gegner bis zur 34:13-Führung: 21 Punkte Vorsprung. Den Hausherren gelang in dieser Phase fast alles. Und mit ihrer Verteidigung ließen sie die 46ers nicht zur Entfaltung kommen.

Doch mit den ersten personellen Wechseln kam allmählich Sand ins Getriebe des Basketsspiels. Gießen wehrte sich und schlug zurück. Nun wollte bei den Bonnern kaum noch etwas klappen. Altbekannte Schwächen in Angriff und Verteidigung brachen wieder hervor. Angeführt von Brandon Thomas kam Gießen bis zur Pause auf 46:48 heran.

Topscorer war Trey McKinney Jones

In der zweiten Halbzeit musste sich zeigen, ob das mit 13:30 verlorene zweite Viertel bei den Baskets seine psychologischen Spuren hinterlassen und sie ähnlich kleinmütig machen würde, wie es in so manchen Spielen der vergangenen Wochen war. „Es war ein völlig neues Spiel. In ähnlichen Situationen ist das Team zuletzt nicht zurückgekommen. Aber meine Spieler haben sich ins Spiel gebissen. Das war eine tolle Reaktion“, freute sich Voigt. Der überragende Mann des Abends wischte gleich mit Beginn der zweiten Halbzeit die Befürchtungen eines weiteren Einbruchs vom Tisch: Trey McKinney Jones. Der US-Amerikaner zeigte seine beste Leistung im Magenta-Dress, war am Ende mit 27 Punkten Topscorer und hinten und vorne an fast allen wichtigen Aktionen der Bonner beteiligt. Voigt: „Ich kenne ihn schon aus der G-League, deshalb hatte ich ein gutes Gefühl bei ihm, dass er auf mein Coaching gut reagieren würde.“

Mit fünf Punkten in Folge gab McKinney-Jones das richtige Signal. Bonn setzte sich wieder ab, auch weil andere Spieler mit Macht den lauernden Angsthasen in ihnen, der zittrige Hände macht, vertrieben. Ben Simons etwa. Innerhalb weniger Sekunden setzte er zwei Dreier daneben, kam noch einmal in Ballbesitz und rang sich dazu durch, es noch einmal zu versuchen. Bäng – 73:62. Zwar blieben die Gäste dran, wobei vor allem die Distanzschützen sowie die flinken Guards Stephen Brown und Teyvon Myers den Baskets wehtaten, aber sie blieben stabil. Beim 82:76 gestalteten Alec Brown per Dreier und Jones mit Freiwürfen den Vorsprung wieder zweistellig. Von Verunsicherung war jetzt nichts mehr zu sehen.

Die Schlussphase geriet zu einem Bonner Schaulaufen. Jones durfte seine Leistung mit den Punkten zum 100:88 krönen, nachdem er zuvor den Ball geklaut hatte. „Tataaa“, der altbekannte Karnevalstusch hallte durch den Telekom Dome. 6000 verrückte Fans gerieten aus dem Häuschen und trieben den Schallpegel in den schmerzhaften Bereich. Die letzten Minuten waren geradezu spektakulär. Dunks von Jones und Breunig, Dreier Simons – und dann durfte auch Nachwuchsspieler Kilian Binapfl seine Punkte machen.

Weiter geht’s für die Baskets am Sonntag mit dem Heimspiel gegen Würzburg (15 Uhr, Telekom Dome).