Bonn spielt weiter in Europa: Telekom Baskets mit Überraschungssieg gegen Holon

Bonn spielt weiter in Europa : Telekom Baskets mit Überraschungssieg gegen Holon

Die Telekom Baskets Bonn haben ihre Playoff-Chancen in der Basketball-Champions-League gewahrt. Der Bundesligist gewann am Dienstagabend das vorletzte Gruppenspiel gegen UNET Holon aus Israel mit 91:83 (49:45).

Die Ausländerregelung im europäischen Wettbewerb führt häufig dazu, dass deutsche Spieler nur die Bank auffüllen. Hinter Namen wie Jasinski oder Falkenstein steht bei den Telekom Baskets in der Statistik fast immer ein DNP, did not play – hat nicht gespielt. Gegen Unet Holon spielten sie mit. Und trugen angeführt vom überragenden James Webb III zu einem 91:83 (25:17, 24:28, 21:14, 21:24)-Sieg bei, den vor der Partie kaum jemand im Telekom Dome für möglich gehalten hatte. „Das war keine einfache Situation“, sagte Headcoach Chris O’Shea, „aber die Jungs haben das hervorragend gemacht.“

Damit haben die Baskets ein Ticket für den zweitklassigen Europe Cup sicher und ihren Teil dazu beigetragen, dass auch das Weiterkommen in der Champions League noch möglich ist. Jetzt müssen sie auf Schützenhilfe hoffen. Die anderen Partien der Gruppe finden erst am Mittwoch statt.

Denn die ohnehin überschaubaren Chancen der Baskets, noch die Champions-League-Playoffs zu erreichen, hatten vor der Partie zwei weitere Dämpfer erhalten. Neben dem Dauerverletzten Charles Jackson mussten auch Spielmacher Josh Mayo und der deutsch-kubanische Verteidigungsminister Yorman Polas Bartolo mit muskulären Problemen passen. Damit saßen drei der besten – vielleicht die besten – Baskets auf der Bank.

Für alle, die das Positive im Schwierigen sehen: Zumindest ergab sich dadurch aber auch die Möglichkeit, den Gegner einigermaßen unvorbereitet auf diese Situation anzutreffen. Unvorbereitet auf Spieler, die fast immer dabei sind, aber selten Spielzeit bekommen und deshalb auch nicht auf den Videos von findigen Scouts „ausgespäht“ werden können.

Und diese Chance packten die Baskets am Schopfe. Was O’Shea sich ausgedacht hatte, funktionierte mehr als ordentlich. Bonn kam mit dem Überraschungseffekt gut in die Partie und agierte von Beginn an mit Leidenschaft. Die Gäste hatten etwa ihre Probleme mit ungewohnten Bonner Defensivformationen oder mit Webb III. als Ersatz für Polas Bartolo auf der Position des Small Forward. Der große Webb rotierte sozusagen eine Position nach unten und stellte die Israelis dort mit seiner Größe vor eine schwierige Aufgabe.

O’Shea wechselte viel, schließlich hat sein Team am kommenden Wochenende ein schwieriges Spiel in Ludwigsburg vor der Brust. Da konnte er die Tanks der übriggebliebenen Etablierten nicht komplett leerfahren. Jasinski und Falkenstein fielen nicht als Zweitligaspieler vom Kooperationspartner Rhöndorf auf, sondern hielten ebenso ordentlich dagegen wie die erfahrenen Kollegen.

Immer wieder Webb, der ein Double-Double aus 17 Punkten und 14 Rebounds sammelte, brachte Bonn in Defensive wie Offensive zu Vorteilen. Zudem agierten die erfahrenen Bojan Subotic und Stefan Bircevic deutlich besser als in der jüngeren Vergangenheit. Die gewachsene Verantwortung stand den einzelnen Baskets gut. Vor der Halbzeit allerdings drohte die Krankheit, die den Sieg gegen Gießen gekostet hatte: Die Baskets verteidigten die Dreier nicht gut genug. Mit dem Pausenbuzzer verkürzte Scottie Reynolds auf 45:49.

Und auch die ersten Punkte nach der Pause gehörten den Gästen. Darion Atkins traf ebenfalls aus der Distanz zum 48:49. Doch die Männer von Chris O’Shea behielten die Nerven und an ihrem Matchplan fest, auf den die Israelis zu keiner Zeit ein wirkliches Mittel fanden. Bonn spielte füreinander und miteinander.

Auch eine kritische Phase mit einigen fragwürdigen Entscheidungen zu ihren Ungunsten überstanden Webb III und seine Mitstreiter. Als Shawn Jones in Jarelle Reischel rannte, dieser das Offensivfoul des Israelis aufnahm, ballte O’Shea wild die Fäuste. Auf der Bank feierten die gezwungenen Zuschauer Jackson, Mayo und Bartolo mit denen, die sonst ein DNP hinter dem Namen haben.

Telekom Baskets: Jarelle Reischel 15 Punkte/2 Dreier, Olivier Hanlan 8, Bojan Subotic 16, Stefan Bircevic 12/2, TJ DiLeo 2, Martin Breunig 15, James Webb III 17/1, Julian Jasinski 6/1, David Falkenstein. Zuschauer: 2640.

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