Interview mit Josh Mayo: Telekom-Baskets-Kapitän Mayo: Ich habe viele Angebote

Interview mit Josh Mayo : Telekom-Baskets-Kapitän Mayo: Ich habe viele Angebote

Nach dem Saisonende der Telekom Baskets Bonn zieht Kapitän Josh Mayo im Interview Bilanz. Es wird nicht einfach für die Bonner, den Spielmacher zu halten.

Er war Dreh- und Angelpunkt im Spiel der Telekom Baskets Bonn. Nach Anpassungsproblemen avancierte Josh Mayo im Saisonverlauf zum Topscorer der Mannschaft und gehörte zu den besten Spielmachern der Basketball-Bundesliga, bis er nach dem ersten Viertelfinalspiel gegen Brose Bamberg verletzt ausfiel und die Saison für ihn beendet war. Mit dem 29-Jährigen US-Amerikaner sprachen Tanja Schneider und Gerhard Mertens.

Herr Mayo, wie sieht Ihr ganz persönliches Fazit der Saison aus? Sie sind ja nicht gut gestartet.

Josh Mayo: Das stimmt, aber wichtig ist, wie man die Saison beendet. Auch wenn ich im Viertelfinale nur am Anfang dabei sein konnte, habe ich das eine Mal doch sehr gut gespielt. Ich bin sehr zufrieden mit meiner Entwicklung im Saisonverlauf. Es war überhaupt ein sehr schönes Jahr für mich hier in Bonn.

Wer oder was hat dazu beigetragen?

Mayo: Ich habe hier einen tollen Trainer und eine großartige Organisation vorgefunden und bin stolz darauf, wie wir uns präsentiert haben. Ehrlich gesagt, hatte ich noch nie so viel Spaß, und das will was heißen, wenn man acht Jahre Profi-Basketball gespielt hat. Ich habe in Bonn eine Menge neuer Freunde und Brüder gefunden. Das war bei mir in der Vergangenheit nicht immer der Fall. Also Danke an das Team, Danke an den Trainer und Danke an die Baskets mit ihren tollen Fans.

Wenn Sie ins Restaurant gehen, haben Sie sich dann schnell entschieden oder studieren Sie erst die ganze Speisekarte?

Mayo: Das geht meistens ziemlich schnell. Es sei denn, ich bin noch nie in diesem Restaurant gewesen. Wenn ich schon mal da war, weiß ich immer schon, was ich dort essen will.

Sind Sie gut darin, Entscheidungen zu treffen.

Mayo: Ich denke schon. Manche Entscheidungen fallen schwerer, wenn es beispielsweise um meine Karriere geht. Insgesamt gesehen bin ich mit der Erfahrung der vielen Entscheidungen, die ich bisher in meinem Leben treffen musste, ganz gut darin geworden.

Wenn es um Ihre Karriere geht: Hören Sie mehr auf Ihre Familie oder die Aussagen Ihres Agenten, oder ist es immer 100 Prozent Ihre Entscheidung?

Mayo: Es ist definitiv nie nur meine Entscheidung. Oberste Prioriät hat das, was für meine Familie gut ist. Deshalb frage ich immer auch meine Frau um Rat. Mein Agent eröffnet mir nur Möglichkeiten, aus denen wir dann auswählen müssen. Geld spielt dann natürlich auch eine Rolle.

Wann werden Sie die Entscheidung darüber treffen, für welchen Verein Sie in der nächsten Saison spielen?

Mayo: Das wird ein paar Wochen, maximal einen Monat dauern, denke ich.

Nennen Sie einen Grund, der für Bonn spricht.

Mayo: Das ist nicht einfach, denn auf der Pro-Seite gibt es so viele Gründe. Sie wollen wirklich nur einen Punkt? Okay, einer wäre der Lebensstil. Ich war schon in so vielen Ländern und Städten, aber hier in Bonn gefällt es mir bisher am besten. Hier ist es ziemlich ähnlich wie bei mir zu Hause. In den vergangenen Jahren habe ich mich nirgends so wohl gefühlt wie hier.

Und jetzt nennen Sie einen Grund, der gegen Bonn spricht?

Mayo: Mein Traum ist es, irgendwann in meiner Karriere mal einen Titel gewinnen. Die sportliche Perspektive bei den Baskets sieht in dieser Hinsicht nicht so vielversprechend aus.

Also wenn Bamberg morgen bei Ihnen vor der Tür stünde, gäbe es für die Baskets keine Chance, Sie zu halten?

Mayo: Nein, so ist es nicht, weil da noch diese vielen Dinge sind, die für Bonn sprechen. Ich kenne Bamberg nicht und, wie gesagt, meine Familie redet auch mit. Das Gesamtpaket muss stimmen. Ich kann mich aber glücklich schätzen, nach einer guten Saison viele Angebote zu haben.

Es wird erzählt, dass die Baskets mit keinem Spieler gesprochen haben, solange die Saison nicht vorbei war. Stimmt das?

Mayo: Wir haben während der Saison miteinander gesprochen und einander generelles Feedback gegeben, konkrete Vertragsangebote wurden allerdings erst nach dem Playoff-Ausscheiden ausgetauscht. Die Baskets werden ihre Gründe dafür haben, warum sie so vorgehen. Ich habe jedenfalls bis zum Saisonende hin noch viele weitere Angebote bekommen.

Zur Person

Das heißt: Wären die Baskets früher auf Sie zugekommen, wäre es leichter gewesen, den Vertrag mit Ihnen zu verlängern?

Mayo: Möglicherweise.

Sie sagten, die Familie redet mit. Hatten Sie die Entscheidung für Bonn mehr Ihrer Frau zu verdanken oder hatte es Ihre Frau mehr Ihnen zu verdanken?

Mayo: Diese Entscheidung habe letztendlich ich getroffen.

Und wie sieht die Perspektive jetzt aus?

Mayo: Wenn ich zu den Baskets zurückkehren sollte, wird man wohl mehr ihr danken müssen.

Stellen Sie sich folgende Situation vor: Die Baskets sagen zu Ihnen, sie hätten mit TJ DiLeo, Ryan Thompson, Julian Gamble und Ken Horton verlängert. Dazu kommt dann noch der derzeit verletzte Konstantin Klein.

Mayo: Ich glaube, wir hätten eine Supersaison, wenn wir mit der Erfahrung von fast einem Jahr und vielleicht der ein oder anderen Verstärkung weiter zusammenspielten. Aber glauben sie im Ernst, dass der Verein all diese Spieler wird halten können? Man muss das realistisch sehen.

Die Basket dürfen sich also keine großen Hoffnungen?

Mayo: Wir haben im Team oft darüber gesprochen, was für ein toller Club die Baskets sind. Doch wir sind nur eine kurze Zeit unseres Lebens als Profi-Basketballer unterwegs und müssen daraus das Beste für uns und unsere Familien machen. Aber ich betone hier: Bonn ist immer noch eine meiner Topadressen. Es hängt jedoch von zu vielen Faktoren ab, um eine Voraussage treffen zu können. Wir werden sehen.

Zurück zur Saison: Sind Sie jemand, der nachkartet und sich über die liegen gelassenen Chancen, noch Platz fünf zu erreichen, ärgert oder haken Sie das alles ab und schauen nach vorne?

Mayo: Ich mache beides. Es war ja nur noch ein Sieg, der gefehlt hat, und im Heimspiel gegen Braunschweig waren wir nur drei Punkte davon entfernt. Kurz danach ärgere ich mich richtig. Mit Abstand betrachtet hake ich diese Misserfolge aber als Lektionen ab, die man lernen muss.

Schmerzt es nicht doch noch, wenn Sie sehen, dass Oldenburg als Fünfter gegen den Vierten Bayreuth ins Halbfinale eingezogen ist?

Mayo: Nein. Da muss man auch den Oldenburgern großen Respekt zollen. Als es am Saisonende darauf ankam, haben Sie ihren besten Basketball gespielt. Auch im Endspiel um Platz fünf gegen uns haben Sie richtig gut gespielt und verdient gewonnen.

Wie erklären Sie sich die schlechte Phase nach dem unglücklich verlorenen Halbfinale im Europe Cup gegen Nanterre?

Mayo: Wir waren danach körperlich und vor allem mental angeschlagen und haben uns davon nicht so erholt, wie wir das hätten tun müssen. Warum das so war, kann ich nicht erklären. Vielleicht haben wir es uns auch zu leicht vorgestellt, diesen einen Sieg zu holen. Doch im Training, in den Teambesprechungen und wann immer wir zusammengekommen sind hatte ich nicht den Eindruck, dass es so war. Jeder wirkte konzentriert und fokussiert. Auf dem Feld haben wir es dann aber nicht umsetzen können.

Ihr Zimmergenosse bei Auswärtsspielen war Florian Koch, der nicht so viele Minuten gespielt hat, wie er sich das gewünscht hatte. Haben Sie sich mit ihm darüber unterhalten?

Mayo: Nein. Ich kenne seine Bonner Geschichte nicht und bin davon ausgegangen, dass er in früheren Jahren eine ähnliche Rolle gespielt hat. Er hat sich mir gegenüber auch nie beklagt oder etwas anmerken lassen. Wenn er unzufrieden gewesen sein sollte, hat er es gut versteckt. Flo war ein großartiger Zimmerkollege, immer gut gelaunt und hat seine Mitspieler angespornt.

TJ DiLeo sprang in die Bresche, als Sie verletzt waren. Haben Sie ihm geholfen?

Mayo: Wir alle haben ihm geholfen, und er hat mir geholfen. Sie hätten uns beim Training sehen müssen. Da ging es teilweise ziemlich hart zur Sache. Aber es war nichts Persönliches, wir wollten uns nur gegenseitig besser machen. Im Training ist TJ ein Killer, aber im Spiel war er immer etwas schüchtern. Ich habe ihm immer gesagt, dass er aggressiv sein muss - und plötzlich hat er den Schalter gefunden. Ich hoffe, die Baskets wissen seine Qualität zu schätzen.

Was machen Sie in der Pause?

Mayo: Zuerst geht es nach Hause nach Dallas. Ich werde die ersten Wochen richtig ausspannen und nur mit meiner Frau in Urlaub fahren. Um unsere Tochter kümmern sich dann die Großeltern, die zu uns rüberkommen. Ich werde mich mit Laufen fithalten, und dann geht's wieder in die Halle.

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