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Licht im Tabellenkeller: Telekom Baskets gewinnen bei den Gießen 46ers mit 88:85

Licht im Tabellenkeller : Telekom Baskets gewinnen bei den Gießen 46ers mit 88:85

Die Telekom Baskets Bonn haben dem späten Gießener Aufbäumen standgehalten und ihren ersten Auswärtssieg gefeiert. Es war erst der dritte Erfolg insgesamt. Topscorer war Alec Brown mit 22 Punkten.

Es dauerte eine Weile, ehe der Mannschaftsbus sich in Bewegung setzte. Weil die Nada zum stichprobenartigen Dopingtest gebeten hatte, mussten die Telekom Baskets auf ihre Nachverpflichtungen Eugene Lawrence und Alec Brown ein wenig warten. Doch an diesem Abend machte das nichts. Endlich war da nicht das Bedürfnis, den Ort des Geschehens möglichst schnell zu verlassen wie in allen Auswärtsspielen zuvor. Der erste Sieg in fremder Halle war unter Dach und Fach, der dritte insgesamt. Jeder Spieler, jeder Trainer und auch die Betreuer, die aus der Sporthalle Gießen-Ost den Bus ansteuerten, wurden von den mitgereisten Fans und ihren Trommeln empfangen. Man unterhielt sich, fachsimpelte, analysierte.

Die Erleichterung lag in der kalten Nachtluft. Die Bonner genossen das Gefühl, endlich auch in der BBL gezeigt zu haben, was sie in der Champions League zu leisten im Stande sind – das Ungleichgewicht zwischen den Auftritten in beiden Wettbewerben macht die bisherige Saison insgesamt rätselhaft. Das 88:85 (16:20, 24:18, 20:17, 28:30) war ein kleiner Befreiungsschlag im Abstiegskampf. Nicht souverän, aber vielleicht war viel wichtiger, dass die Mannschaft von Cheftrainer Thomas Päch sich selbst bewies, dass sie trotz gegen Ende schmelzenden Vorsprungs einen Sieg über die Ziellinie bringen kann.

Dass die Baskets im Tabellenkeller den Lichtschalter gefunden haben, liegt auch an den beiden Spielern, die von der Nationalen Anti Doping Agentur zum Wasserlassen ausgewählt wurden. Brown war der Bonner Topscorer (22 Punkte), Lawrence hatte die Fäden gezogen und seine Mitspieler mit elf Assists versorgt. Ein echter Spielmacher. Und der spielende Beweis für das gescheiterte System Päch.

„Ich finde die Idee vom Verteilen der Verantwortung, dem schnellen Spiel und eigenen Entscheidungen nach wie vor gut“, sagte Päch am Tag nach dem Spiel. „Die Champions League hat ja gezeigt, dass es funktionieren kann. Aber mir war  dann auch irgendwann klar, dass es nicht darum geht, meinen Kopf durchzusetzen sondern das Team weiterzubringen. Wir mussten einen neuen Ansatz suchen.“

Der neue Ansatz hieß „Struktur ins Spiel“ alias Eugene Lawrence. Das wirkt seit dem ersten Auftritt des Rückkehrers. „Wir sind mental auf einem guten Weg“, glaubt Päch. „Diese letzten beiden Spiele haben uns allen gutgetan.“ Auch Brown, der in seinen ersten Partien für Bonn noch kleine Abstimmungsprobleme hatte, wird immer mehr ein Faktor. Offensiv wie defensiv.

In Gießen mussten die dezimierten Bonner aufgrund der Ausländerregelung einen weiteren Mann draußen lassen. Und so fehlte neben den verletzten Martin Breunig (Gehirnerschütterung) und TJ DiLeo (Bänderriss) auch Trey McKinney Jones.

Den Bonnern gelang viel, doch die Distanzquote erteilte den Männern in Magenta eine Absage. Nach einem vielleicht ein bisschen zu wilden ersten Viertel standen da null Prozent (null von sechs Versuchen) zu Buche, die Baskets lagen mit 16:20 hinten.

Dann schickte sich Joshiko Saibou an, seine starke Vorstellung vom Mittwoch in der Champions League fortzusetzen. Er führte die Bonner wieder ran und traf mit dem ersten Bonner Dreier zum 26:26-Ausgleich (15.). Weil die Baskets Jordan Barnett zum wiederholten Mal zu frei kontern ließen, bat Päch zur Auszeit. Danach war es Alec Brown, der in der Baskets-Offensive übernahm. Zum 35:38-Anschluss (18.) stopfte er den Ball in den Korb. Bojan Subotic gestaltete es noch knapper, wiederum Brown schoss die Baskets zur 40:38-Pausenführung. Beim parallelen Spiel in Weißenfels führte der MBC zu diesem Zeitpunkt mit 44:40 gegen Göttingen, es drohte sogar das Abrutschen ans Tabellenende.

Die Baskets blieben ihrer Linie treu, das Spiel blieb knapp. Irgendwann hatten die Bonner mit Fleiß und Glück tatsächlich das in dieser BBL-Saison seit Ewigkeiten nicht mehr gesehene Momentum auf ihre Seite gezogen. Mit einer 60:55-Führung ging es in den Schlussabschnitt. Bonn zwang Gießen zu Fehlern und zum offensiven Strukturverlust. Das Gießener Stückwerk erlaubte immer wieder Bonner Ballgewinne, fast jeder Rebound landete in dieser Phase bei Subotic.

Als Saibou die bis dahin höchste Bonner Führung erzielte (66:57, 34.) nahm Freyer wieder eine Auszeit und der Hallensprecher plärrte: „Jetzt nochmal Gas geben; neun Punkte sind nix!“ Barnett und Pjanic gaben ihm aus der Distanz recht, und es war an Päch, bei nur noch drei Punkten Vorsprung den Lauf mit einer Besprechung zu unterbrechen.

Subotic fand Brown unterm Korb, und der verwandelte trotz Fouls zum 76:67. Per Freiwurf stellte er auf plus zehn (38.). Subotic ballte die Faust Richtung Bonner Bank. Zwanzig Fäuste antworteten. Direkt daneben skandierte der gut gefüllte Bonner Fanblock „Auswärtssieg“. Von der Gegenseite schallte es: „Freyer raus“.

Doch so weit war es noch nicht, während die Baskets den Schlüssel von der Tabellenkellertür schon in der Hand hielten, besann sich 46ers-Center John Bryant seiner Qualitäten beim Distanzwurf und das Spiel wurde noch einmal eng. Päch nahm noch eine Auszeit, um nichts anbrennen zu lassen und Polas Bartolo machte den Sieg an der Freiwurflinie dingfest.

Und in Weißenfels? Da hatte Göttingen die Partie noch umgebogen, sodass die Baskets auf der Kellertreppe jetzt zwei Stufen über dem MBC stehen. Kein Wunder also, dass beim „Fantreff“ vor dem Bus aufgeräumte Stimmung herrschte. „Es ist schon faszinierend, zu sehen, wie sich da eine Gruppe herauskristallisiert, die uns wirklich unterstützt“, sagte Päch. „Wir merken das. Und es hilft uns.“

Statistik

Gießen 46ers: Brown 6 Punkte, Myers 16/4, Pjanic 19/5, Tiby 10/1, Petrasek 7/1, Barnett 13/9, Thomas 2, Bryant 12/3.

Telekom Baskets: Joshiko Saibou 11 Punkte/1 Dreier, Eugene Lawrence 6, Bojan Subotic 12/1, Benjamin Lischka 5/1, Branden Frazier 7/1, Yorman Polas Bartolo 4, Alec Brown 22/2, Kilian Binapfl, Benjamin Simons 9/1, Stephen Zimmerman 12.

Trefferquote: Gießen 41% (29/70), Bonn 49% (33/67); Zweier: Gießen: 46% (12/26), Bonn 63% (26/41); Dreier: Gießen  39% (17/44), Bonn: 27% (7/26); Freiwurfquote: Gießen 77% (10/13), Bonn 60% (15/25); Rebounds: Gießen 38 (davon 10 offensiv, Bester: Tiby/10), Bonn 43 (davon offensiv 12, Bester: Subotic/8); Assists: Gießen 23 (Bester: Brown 9), Bonn 26 (Bester: Lawrence 11); Ballgewinne: Gießen: 6, Bonn 7; Ballverluste: Gießen 12, Bonn 13; Fouls: Gießen 21, Bonn 14; Zuschauer: 3286