Basketball-Bundesliga: Telekom Baskets Bonn unterliegen Braunschweig 85:90

Basketball-Bundesliga : Telekom Baskets Bonn unterliegen Braunschweig 85:90

Auch mit Rückkehrer Eugene Lawrence konnten die Telekom Baskets Bonn am Freitagabend nicht den ersehnten nächsten Sieg in der BBL feiern. Gegen die ebenfalls kriselnden Basketball Löwen Braunschweig verloren die Bonner zu Hause 85:90.

Geno Lawrence hat breite Schultern. Sehr breite Schultern. Sie können eine ganze Mannschaft tragen. Gereicht hat es trotzdem nicht. Mit dem 85:90 (21:14, 20:18, 20:29, 24:29) im Kellerduell der Basketball-Bundesliga stürzen die Basketball-Löwen Braunschweig die Telekom Baskets Bonn trotz des gelungenen Einstands des Rückkehrers tiefer in die Krise.

Als Lawrence bei der Teamvorstellung angekündigt wurde, hatte die Halle Mehr-als-Playoff-Lautstärke. Es war ein Gänsehautmoment. Genauso wie seine Einwechslung in der sechsten Minute. Ziemlich gewaltige Erwartungen lagen da offen hörbar auf dem Rückkehrer. Dass er damit überhaupt kein Problem hat, stellte er von Beginn an unter Beweis. Und tatsächlich zeigte sich auch schnell die erste Erwartung der Baskets-Verantwortlichen erfüllt: Lawrence macht seine Mitspieler besser. Paradebeispiel: Benjamin Lischka. Das Sorgenkind der Bonner Rotation blühte unter Lawrence-Anleitung und mit seinen Pässen geradezu auf.

Dass es wieder nicht zum dritte Sieg reichte, hatte auch mit Murphy zu tun. Der hatte schon vor der Partie wieder zugeschlagen - der Pate des Gesetzes, das beschreibt, dass es auch dann noch schlimmer geht, wenn etwas schon am schlimmsten scheint. Und wenn ein Team gegen Braunschweig eines dringend benötigt, ist es ein stabiler Center. Denn Scott Eatherton ist mit der Beste, den die Liga auf dieser Position zu bieten hat. Und so war es eine Hiobsbotschaft, dass ausgerechnet Martin Breunig passen musste. Doppelt bitter: Das nach Breunigs Unwohlsein im Donnerstagstraining diagnostizierte leichte Schädel-Hirn-Trauma hatte der Big Man in der Partie bei Besiktas Istanbul erlitten, als ein gegnerischer Spieler beim Rebound wild um sich ruderte und Breunig mit dem Ellbogen am Kopf traf. Dreifach bitter: Breunig kassierte das Foul statt die Baskets mit zwei Freiwürfen noch einmal ranbringen zu können.

Subotic machte einen ordentlichen Job

Aber: Solche Situationen bieten auch Chancen – für die anderen. Und so machte Bojan Subotic unterstützt von Alec Brown einen ordentlichen Job gegen den längsten Löwen. Allerdings sollte dieser nach anfänglichen Problemen trotzdem ins Spiel finden und es für die Baskets noch schlimmer kommen: Kurz vor der Pause musste Yorman Polas Bartolo verletzt raus, nachdem ihm Eatherton im Kampf um den Ball am Boden aufs Knie gefallen war. Nun hieß es: noch enger zusammenrücken.

Die Baskets hatten stark angefangen. Da war wenig von den Selbstzweifeln der vergangenen Wochen zu sehen. Bonn spielte wie eine Mannschaft mit Ziel. Kein nervöses Händchen. Deutlich weniger vergebene einfache Körbe als die Baskets das fast schon zur Regel gemacht hatten. Joshiko Saibou schloss das erste Viertel mit dem Buzzer zum 21:14 ab. Bonn sah gut aus, hätte aber auch schon höher führen können.

Zu Beginn des zweiten Viertels gelangen Eatherton dann seine Punkte drei und vier, bis dahin hatten die Baskets ihn gut im Griff. Ben Simons blieb die Dreierflaute treu, dennoch war der Scharfschütze mit ganz anderer Körpersprache unterwegs und arbeitete gegen seine eigene Krise. In der 13. Minute stopfte er den Ball mit dem geballten Frust seiner Distanzquote zum 27:22 in den Korb und als tatsächlich zwei Minuten der erste Simons-Dreier fiel, flogen auf der Bonner Bank die geballten Fäuste in die Luft. Mit einer 41:32-Führung gingen die Baskets in die Kabine und Michael Wichterich stand vor der TV-Kamera Rede und Antwort.

Auf die Trainerfrage stellte der Baskets-Sportmanager keinen Persilschein aus: „Irgendwann kommt der Punkt, an dem man über den Coach nachdenken muss, aber den sehe ich noch nicht. Meistens kommt dieser Punkt, wenn der Trainer ratlos ist. Und den Eindruck haben wir nicht. Wir haben viele Dinge neu eingeführt in den letzten Wochen und heute wollen wir Ergebnisse sehen.“

Weiter ging es ohne Polas Bartolo, aber mit dem Ausbau der Führung. Bis zum 50:38 in der 23. Minute. Dann arbeiteten sich die Gäste ran. Dank Eatherton und dem immer stärker werdenden Karim Jallow. Die Defense des nur noch zusehenden Deutsch-Kubaners fehlte. Als es ins letzte Viertel ging, begann die Nervenprüfung bei null (61:61).

Aber die Braunschweiger hatten sich im dritten Viertel das Bewusstsein erarbeitet, dass sie hier ihre Krise beenden könnten. Bonn kämpfte, TJ DiLeo spielte nach einem schmerzhaften Zusammenprall humpelnd weiter und war Sinnbild der Bonner, die wollten, aber am Ende nicht konnten, weil die Gäste es doch geschafft hatten, gegen die ausgedünnte Bonner Defensive ihre Optionen wie gewünscht an den Start zu bringen.

„Geno hat ein gutes Debüt gefeiert“

Geno Lawrence erlebte eine merkwürdige Abklatschrunde nach der Partie zwischen der Wiedersehensfreude und der Enttäuschung angesichts einer verpassten Großchance im Abstiegskampf. Denn da sind die Baskets spätestens jetzt angekommen.

„Wir haben im dritten Viertel die Kontrolle über das Spiel verloren“, erklärte Wichterich nach der Partie. „Wir haben überlegt und Braunschweig hat agiert. Geno hat ein gutes Debüt gefeiert und die Mitspieler gefunden. Wenn daraus keine Punkte gemacht werden, wird es eben schwer. Aber ich bin zuversichtlich, dass wir über den Hügel, über den wir rüber müssen, kommen, wenn die Verletzten wieder dabei sind.“

Baskets: Joshiko Saibou 8 Punkte, Trey McKinney Jones 2, Eugene Lawrence 12/1 Dreier, Bojan Subotic 6, Benjamin Lischka 11, Branden Frazier 9/1, TJ DiLeo 11/1, Yorman Polas Bartolo 8/1, Alec Brown 7/1, Ben Simons 11/3.