Niederlage gegen Bayreuth: Telekom Baskets Bonn müssen um Playoff-Platz bangen

Niederlage gegen Bayreuth : Telekom Baskets Bonn müssen um Playoff-Platz bangen

Für die Telekom Baskets Bonn ist der Einzug in die Playoffs ernsthaft in Gefahr. Nach einer Partie, in der sie über weite Strecken die besser Mannschaft waren, mussten sich die Bonner in Bayreuth mit 78:84 nach Verlängerung geschlagen geben.

Es ist nicht wissenschaftlich belegt, aber gefühlt millionenfach erlebt: Nach Niederlagen dauern Heimfahrten deutlich länger als nach Siegen. „Und diese war eine der besonders stillen Heimfahrten“, berichtete Michael Wichterich, Sportmanager der Telekom Baskets Bonn, am Tag nach der bitteren Pleite nach Verlängerung bei Medi Bayreuth. Das 78:84 (19:14, 20:25, 15:16, 19:18, 5:11) setzt die Bonner im Kampf um die Playoffs gewaltig unter Druck.

„Es war eine ärgerliche Niederlage“, fand Wichterich, „zum einen, weil wir gute Kontrolle über das Spiel hatten und sie verloren haben. Und zum anderen, weil wir – nun ja – vermindert schlau gespielt haben. Wenn das Spiel auf Messers Schneide steht, muss man halt die richtigen Entscheidungen treffen.“ Nach einer Partie, in der sie über weite Strecken die besser Mannschaft waren, musste Stefan Bircevic die Baskets mit einem Dreier in die Overtime retten, wo ihnen dann allerdings nicht mehr allzu viel gelang – immerhin aber noch, den direkten Vergleich (Hinspiel 94:84) zu retten.

Die Baskets – mit dem wieder genesenen Spielmacher Josh Mayo in der Startformation – begannen gut. Es zeichnete sich früh ab, dass der Weg unter den Korb und über Charles Jackson eine gewinnbringende Option sein könnte. Die Bayreuther Center taten sich gegen den langen Bonner schwer und kassierten schon früh gefährlich viele Foulpfiffe. Nach der schnellen Bonner Zehn-Punkte-Führung durch Martin Breunig (18:8, 8.) fanden die Hausherren, die im Grunde ein Do-or-die-Spiel um den Playoff-Einzug bestritten, besser ins Spiel. Sie waren gewillt, sich in die Partie zu beißen und ihre letzte Chance nicht kampflos herzugeben.

Die zweite Bonner Fünf ließ die Franken dann ins Spiel kommen. Andreas Seiferth legte in der 13. Minute den Ball zum Ausgleich in den Bonner Korb, die dringend nötige Auszeit folgte – ein bisschen spät. Das Spiel war eng und sollte es bleiben. Mit einem 39:39-Gleichstand wurden die Seiten gewechselt. Als Bayreuths Aufbauspieler Bastian Doreth Jackson in Seiferth schubste, kassierte Jackson das Foul – einer von einigen interessanten Pfiffen. Die Baskets versuchten aber, sich davon nicht beirren zu lassen. „Die Schiedsrichter waren sicherlich nicht auf unserer Seite, und zwei Offensivfouls waren eine Frechheit“, erklärte Wichterich ruhig. „Die Schiedsrichter haben das Spiel beeinflusst, aber wir noch deutlich mehr, weil wir irgendwann angefangen haben, kompliziert statt einfach zu spielen. Dennoch werde ich das Thema beim Schiedsrichterobmann ansprechen.“

Überraschenderweise nutzte Bonns Trainer Chris O'Shea die Vorteile durch Jackson am Korb nicht besonders ausgiebig, so dass sich Bayreuth leisten konnte, die foulbelasteten Center zu schonen und mit kleiner Aufstellung zu spielen. In der Crunchtime zeigte sich dann, dass es um sehr viel ging. Yorman Polas Bartolo verdaddelte den Ball beim Stand von 70:70 (38.), auf der Gegenseite verteidigten die Baskets gut – bis De'Mon Brooks mit dem Ablauf der Angriffsuhr per Dreier doch noch zum 73:70 traf. Bircevic besorgte den Ausgleich, abermals der fleißige Polas Bartolo schoss aus der Distanz eine Fahrkarte, verteidigte aber gemeinsam mit Jackson gegen Kassius Robertson das 73:73. Es ging in die Verlängerung.

Seiferth traf zur Bayreuther Führung, die Baskets verteidigten gut, leisteten sich aber drei Angriffe hintereinander mit erfolglosen Abschlüssen aus der Distanz und blieben vier Minuten ohne Korberfolg. Als Polas Bartolo 55 Sekunden vor Schluss an der Freiwurflinie auf 75:77 verkürzte, war noch alles drin, doch die Dreierquote der Franken hatte die der Bonner, als es in die entscheidende Phase ging, längst überholt und Robertson machte in diesem Wissen aus der Distanz den Deckel auf die Angelegenheit.

In einer letzten Auszeit erinnerten beide Trainer noch einmal an den in der Schlussabrechnung möglicherweise doch noch wichtigen direkten Vergleich. Die Bayreuther witterten hier noch ihre Chance, doch die Baskets konnten zumindest dieses Minimalziel noch erreichen. Sie spielten mit neun Punkten Rückstand den letzten Angriff herunter – und Mayo traf mit Spielende doch noch einmal aus der Distanz zum 78:84-Endstand. Mit kühlem Kopf. Den werden sie jetzt brauchen. „Es wird uns nicht guttun jetzt mit der Rechnerei anzufangen“, sagt Wichterich. „Wir haben erfahrene Spieler, die mit Druck umgehen können. Und ich sehe keinen, der nicht willens ist, unser Ziel zu verwirklichen. Wir sind in der Lage, am Sonntag gegen Frankfurt den Sieg zu holen, den wir brauchen.“

Die Baskets bleiben Siebter, doch dieser direkte Vergleich mit Bayreuth könnte noch wichtiger werden, als den Bonnern lieb ist. In Kombination mit der Niederlage in Bremerhaven haben sie sich in erhebliche Schwierigkeiten gebracht. Man darf davon ausgehen, dass diese beiden Partien in der Baskets-Hochrechnung für eine Abschlusstabelle deutlich eher als Siege vorgesehen waren als die zum Finale anstehenden Partien gegen Alba Berlin und am letzten Spieltag gegen München.

Also geht es mit Druck, der vermeidbar gewesen wäre, in das straffe Restprogramm, das noch drei Heim- und drei Auswärtsspiele bereithält. Es geht noch gegen Frankfurt (H), Braunschweig (A), Jena (H), Berlin (A), Würzburg (A) und den FC Bayern (H).

Statistik

Bayreuth: Seiferth 15 Punkte, Brooks 15/2 Dreier, Doreth 11/3, Thomas 10/2, Hrovat 10/1, Meisner 8, Robertson 7/1, Anderson 5/1, Mika 3, Ravio.

Telekom Baskets: Nate Linhart 4, Jarelle Reischel, Olivier Hanlan 13/1, Bojan Subotic 4, Stefan Bircevic 9/3, Charles Jackson 17, TJ DiLeo 8, Martin Breunig 4, Yorman Polas Bartolo 7/1, 14 Josh Mayo 12/3.

Trefferquote: Bayreuth 42% (31/74), Bonn 39% (28/71); Dreierquote: Bayreuth 32% (10/31), Bonn 27% (8/30); Freiwurfquote: Bayreuth 75% (12/16); Bonn 61% (14/23); Rebounds: Bayreuth 44, Bonn 43 (Bester: Polas Bartolo 10), Assists: Bayreuth 23, Bonn 12 (Bester: Polas Bartolo 3); Ballgewinne: Bayreuth: 4, Bonn 8; Ballverluste: Bayreuth 14, Bonn 14; Fouls: Bayreuth 21, Bonn 21. Zuschauer: 3011.