Telekom Baskets Bonn: Interview mit Präsident Wolfgang Wiedlich

Interview mit Wolfgang Wiedlich : Das sagt der Baskets-Präsident zur Bonner Krise

Baskets-Präsident Wolfgang Wiedlich äußert im Interview seine Hoffnung auf ein Erfolgserlebnis in der Bundesliga und gibt zu: Wir haben uns die Saison anders vorgestellt.

Es ist gerade gut zwei Wochen her, da hat Wolfgang Wiedlich nach dem verlorenen Spiel gegen die Hamburg Towers gesagt, dass er die Krise seiner Telekom Baskets nicht als existenziell empfindet, weil noch 21 Spiele zu spielen waren. Der Terminkalender ist zwei Spiele weiter Richtung Saisonende gerückt, die Nachverpflichtungen Alec Brown und Eugene Lawrence sind inzwischen mit dabei. Aus zehn sind zwölf Niederlagen geworden, und auch in der Champions League hat mit der Partie in Istanbul das zittrige Händchen Einzug gehalten. Mit dem Präsidenten der Baskets sprach Tanja Schneider.

Herr Wiedlich, wie ist Ihre Gefühlslage heute?

Wolfgang Wiedlich: „Wenn man nach einigen knappen Niederlagen im Tabellenkeller hängt, hat man in der Regel auch noch mehr Pech als Glück. Die Situation hat sich noch einmal verschärft, weil sich TJ DiLeo am Ende des letzten Spiels verletzt und einen Bänderriss erlitten hat. Er fällt mindestens drei Wochen aus. Hinzu kommt die Knieverletzung von Yorman Polas Bartolo, ebenfalls im letzten Spiel, und die von Martin Breunig in Istanbul erlittene Gehirnerschütterung. Zum Zeitpunkt der Nachverpflichtung von zwei Spielern hatten wir das natürlich nicht auf dem Schirm. Meine Gefühlslage ist also angespannt.“

Und was sagt der Kopf des Baskets-Präsidenten, fragt der sich, ob nicht nur mehr Erfahrung auf dem Feld, sondern vielleicht auch an der Seitenlinie notwendig ist?

Wiedlich: „Wir denken aktuell in alle Richtungen und haben da keine Tabus. Das nun hochdosierte Verletzungspech lässt sich aber mit maximaler Erfahrung auch nicht verhindern.“

Der Hauptsponsor, so ist – wenig überraschend – zu hören, sei „not amused“ angesichts der aktuellen Situation. Ist er bereit, in weitere Verstärkungen zu investieren?

Wiedlich: „Ich kenne niemanden, den die Situation amüsiert. Bisher haben wir alle Nachverpflichtungen auf eigene Rechnung und damit eigenes Risiko finanziert. Wir haben bei den Baskets auch keinen Automatismus verinnerlicht, wonach wir, wenn es einmal brennt, direkt beim Hauptsponsor anklopfen. Sie werden verstehen, dass ich nicht für die Telekom sprechen kann.“

Befassen Sie sich schon mit einem Abstiegsszenario?

Wiedlich: „Insofern, dass wir es mit allen Kräften verhindern wollen.“

Wer weniger Geld hat als die Konkurrenz, muss andere Wege gehen, um ans gleiche Ziel zu kommen. Dieser neue Weg stellt sich momentan als Sackgasse dar. Müssen Sie sich eingestehen, dass Ihr Verein nur mit einem größeren Etat wieder in gewünschte Tabellenregionen kommt?

Wiedlich: „Wir haben uns das auch anders vorgestellt, aber vor dieser Saison war das keine Geldfrage. Mit unserem Mittelfeld-Etat können, müssen wir aber nicht die Playoffs erreichen. Meist haben wir es jedoch geschafft.“

Beim letzten Spiel haben viele Fans sehr deutlich gemacht, dass sie gerade jetzt bereit sind zusammenzurücken. Liegt auch Positives in der Situation?

Wiedlich: „Durchaus. Gemeinsam kämpfen schweißt zusammen. Aber die Mannschaft braucht nun endlich einmal ein psychologisch aufbauendes Erfolgserlebnis in der Bundesliga. Das Champions-League-Match am Mittwoch gegen den ungarischen Meister ist angesichts unseres Lazarett-Standes sportlich erstmal unwichtig, das Spannendste daran ist, welcher Baskets-Rumpfkader antritt und wie befreit er ohne jeden Erwartungsdruck aufspielt.“