Telekom Baskets Bonn: Ben Simons soll Scharfschütze werden

Telekom Baskets Bonn : Ben Simons soll Scharfschütze der Baskets werden

Ben Simons soll der Scharfschütze der Baskets werden. Der neue Flügelspieler der Telekom Baskets Bonn soll die Gegner das Fürchten lehren, nicht zuletzt mit seinen Distanzwürfen.

Das Leben in Cadillac ist ein beschauliches. Harte Winter und angenehme Sommer prägen das Jahr in dem 10.000-Einwohnerstädtchen im Norden des US-Bundesstaates Michigan. Rund 300 Kilometer sind es bis zur kanadischen Grenze mit dem Bundesstaat Ontario, eine gute Stunde braucht man mit dem Auto bis zum großen Michigansee. Auf dem Weg dorthin durchquert man den Huron-Manistee-Nationalpark. Direkt nebenan verleihen der Lake Cadillac und der Lake Mitchell dem Ort eine ländliche Idylle. Die Menschen haben die Ruhe weg. Jagen und Angeln sind Volkssport, Golfen sowieso.

In dieser Umgebung ist Ben Simons großgeworden. Der neue Flügelspieler der Telekom Baskets Bonn soll die Gegner das Fürchten lehren, nicht zuletzt mit seinen Distanzwürfen. Der 28-Jährige US-Amerikaner kommt mit der Empfehlung an den Rhein, mehr als 40 Prozent seiner Dreierversuche zu verwandeln. In Antwerpen, wo Simons von 2013 bis 2015 spielte, waren es sogar 47,5 Prozent. Anfang dieses Jahres versenkte der 2,03-Meter-Forward in der ersten spanischen Liga zehn Dreier (14 Versuche) im Spiel seines Clubs Obradoiro gegen San Pablo Burgos - Saisonrekord. Das erinnert an Bonns Gunman Hurl Beechum. "Ja, ich habe von ihm gehört", sagt Simons zum Bundesliga-Rekordschützen, der einmal zwölf Dreier in einem Spiel und 161 Distanzwürfe in einer Saison versenkte. Simons zieht die Augenbrauen hoch: "Wow, das ist fantastisch."

Doch wer glaubt, der ehemalige Spieler der Drake University (Ohio) sei nach Bonn gekommen, um diesem Rekord nachzujagen, den belehrt Simons eines Besseren: "Ich bin keiner, der etwas erzwingen will. Wenn ich die offenen Würfe bekomme, nehme ich sie. Aber ich werfe nicht, nur um meine Statistiken aufzupolieren", verspricht er. "Es gibt die Tage, an denen die Würfe fallen, es gibt aber auch die Tage, an denen es nicht so gut funktioniert. Man braucht Ruhe und Geduld und muss das Spiel auf sich zukommen lassen. Dann spürt man, was möglich ist und was nicht." Oberste Prioriät hat für Simons dabei der Erfolg der Mannschaft. "Die Mitspieler arbeiten für mich, und ich arbeite für sie. Da ist kein Platz für Egoismus", macht er klar.

Seit seiner Zeit auf dem College hat sich Simons stetig verbessert. Das hat Methode. "Ich will mich nicht nur auf meinen Dreier verlassen. Auch meine Gegner in der Bundesliga werden von meiner Stärke wissen und mich eng bewachen. Ich muss noch andere Mittel finden, sie zu schlagen", weiß er. Deshalb will er verstärkt den Korb attackieren und sein Passspiel verbessern. Simons: "Ich bin relativ groß, das hilft mir, meine Mitspieler einzusetzen, die in die freien Räume stoßen." Und auch im Rebound will er noch zulegen.

Das Leben in Cadillac hat auf den Absolventen in Business und Marketing abgefärbt. "Ich liebe alles, was sich draußen abspielt", erzählt er. Angeln, Jagen und Golfen eben. Letzteres kann er in Bonn und Umgebung zur Genüge tun. Den anderen Hobbys frönt er immer dann, wenn er zwischen den Spielzeiten nach Hause reist - zu seinen Eltern, die beide Lehrer sind und immer noch in Cadillac wohnen, und seinem jüngeren Bruder, der auch Basketball spielt, aber kein Profi ist. Ein Gegenbesuch seiner Familie in Europa hat noch nicht stattgefunden. Den wird es voraussichtlich auch nie geben. Simons: "Meine Eltern sind sehr bodenständig, reisen wenig und wenn, dann nur innerhalb der USA. Sie haben beide keinen Reisepass."

Er selbst liebt Europa, ist froh, dass er 2009 den Schritt über den Teich gewagt hat und zunächst in der Bundesliga bei den Tigers Tübingen Station machte. Sein Engagement dauerte nur drei Monate. Simons: "Es lief nicht gut für uns und für mich auch nicht. Ich war jung und kam gerade vom College. Ich brauchte eine Weile, um mich an mein neues Leben und an den europäischen Basketball zu gewöhnen."

In Antwerpen entwickelte er dann allmählich seine Qualitäten. Inzwischen hat er sich einen Namen als Scharfschütze gemacht. In Bonn will er vorangehen, zu einer führenden Spielerpersönlichkeit werden. Den Kontakt zu den Baskets hergestellt hat sein Berater Patrick King, der in Bonn wohnt. "Er hat mir nur Gutes über den Verein erzählt, und was ich seit meiner Ankunft erlebt und erfahren habe, hat er nicht übertrieben", sagt Simons. Er hält die deutsche Liga für sehr stark. "Die BBL hat sich in den vergangenen Jahren enorm entwickelt. Die Möglichkeit, mich mit Bonn für die Champions League zu qualifizieren, war ein zusätzlicher Anreiz für mich."

Schließlich ist es die Basketball-Philosophie von Trainer Thomas Päch, die den Ausschlag für die Baskets gegeben hat. "Die Art, Basketball zu spielen", so Simons, "glaube ich, passt zu mir. Es wird viel Tempo drin sein und viel Transition, wo ich meine Schnelligkeit ausspielen kann. Wir werden den Ball viel bewegen, viel passen und aktiv verteidigen." Dabei sei Päch keiner, der jeden Spielzug, jedes System bis ins kleinste Detail vorschreibe. Simons: "Wir haben unsere Freiheiten, aber damit auch mehr Verantwortung. Wir müssen das Spiel lesen und darauf reagieren."

Er glaubt, dass die Baskets, "eine gute Mannschaft zusammengestellt haben. Wir haben viel Qualität im Kader, auch die jungen Spieler, Kilian und Gabriel, können uns weiterhelfen." Und die Teamchemie stimme so weit: "Ich habe den Eindruck, dass wir gut zusammenpassen, auf dem Feld und auch privat. Jetzt müssen wir uns allmählich nur noch besser kennenlernen und sehen, wo die Stärken und Schwächen liegen."

Von Bonn hat er noch nicht so viel gesehen, aber er ist nicht zum ersten Mal im Rheinland. "Mit 18 war ich mit meiner Collegemannschaft auf Europa-Tour und auch in Köln, wo wir den Dom besucht

haben." In Bonn ist ihm die Beethovenhalle aufgefallen. Simons: "Sie wird ja gerade renoviert und wohl bald neu eröffnet." Mit dieser Einschätzung liegt er zwar ziemlich falsch, aber hingehen gehört ohnehin nicht zu seinen Prioritäten. Auch Museumsbesuche stehen nicht oben auf seiner Liste. "Ich bin ja schon lange in Europa unterwegs und habe schon viele Museen gesehen." Aber die Region will er erkunden, zusammen mit seiner Ehefrau Ashley. Simons: "Ich finde es faszinierend, Menschen und ihre Kultur kennenzulernen." Deshalb will er auch die Nähe zu den Fans suchen. "Hoffentlich geht es bald los", kann er den ersten Heimauftritt kaum erwarten. Er wolle grundsätzlich jedes Spiel gewinnen. "Anders", meint er, "können wir unseren Job nicht angehen." Dafür werde er alles tun. "Und dann werden wir sehen, wo es uns hinführt." An den Bedingungen werde es nicht scheitern. "Auf das, was der Verein hier aufgebaut hat, kann er zu Recht stolz sein. Professioneller geht's nicht", schwärmt er und hofft, sein Spiel in diesem Umfeld auf ein neues Level heben zu können. Simons: "Ich bin bereit und freue mich riesig darauf."

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