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Telekom Baskets Bonn: Baskets verlieren gegen Neptunas Klaipeda

Telekom Baskets Bonn : Baskets verpassen erste Chance aufs Achtelfinale

Die Telekom Baskets Bonn haben am Mittwoch gegen die Neptunas Klaipeda verloren. Damit verpasste die Mannschaft die erste Chance auf das Achtelfinalticket.

Ob Litauen eine Reise wert war? Die Telekom Baskets und ihre kleine mitgereiste Fangruppe dürften unterschiedlicher Meinung sein. Die Basketballer, für die es eine Dienstreise war, können nicht ansatzweise zu einem positiven Fazit kommen: Sie wollten mit einem Sieg ihr Ticket fürs Achtelfinale buchen und gingen bei Neptunas Klaipeda an der Ostsee baden. 68:93 (15:20, 17:23, 18:24, 18:26) hieß es am Ende – auch der in der engen Champions-League-Gruppe D wichtige direkte Vergleich war nach dem Bonner 97:85-Sieg im Hinspiel dahin.

Die Fans zumindest hatten ihre Freude, einen alten Bekannten getroffen zu haben: Tadas Klimavicius, der für beide Vereine gespielt hat, hatte sie eingeladen und anschließend quer durch sein Heimatland persönlich zur Halle gefahren. Das Tüpfelchen auf dem i blieb allerdings aus, weil die Neptunas-Verteidigung den Bonnern Aufgaben stellte, die diese mangels Intensität nur selten zu lösen vermochten.

„Das war mit unsere beschämendste Leistung dieses Jahr“, sagte der bediente Baskets-Sportmanager Michael Wichterich. „Offensichtlich waren wir nach zwei Siegen der Meinung, dass unsere individuelle Qualität reicht, um mit weniger Einsatz zu gewinnen. An dem haben es alle außer Bojan Subotic fehlen lassen. Wir hatten ein gutes Ziel vor Augen, für das es sich lohnt zu kämpfen, und haben ohne Stolz gespielt. Dafür fehlt mir das Verständnis.“

Einen Ausländer zu viel im Kader

Durch ihre Nachverpflichtungen haben die Baskets nach Champions-League-Regeln einen Ausländer zu viel im Kader, und Päch verzichtete daher auf den Einsatz des nach einer Knieblessur noch nicht hundertprozentig fitten Deutsch-Kubaners Yorman Polas Bartolo. Auch sein Aussetzen stellte sich im Nachhinein als Problem dar, denn sein Einsatz und sein Wille fehlten.

Päch schickte Geno Lawrence, Benjamin Simons, Kilian Binapfl, Bojan Subotic und Alec Brown in die Partie, die Bonn idealerweise ins Achtelfinale bringen sollten. Den Baskets, das war klar, reichte ein weiterer Sieg auf dem Konto. Bei noch drei zu spielenden Partien und den Ergebnissen des Vorabends hatten sie es in eigener Hand, als Gruppenerster weiterzukommen und so auf einen leichteren Gegner zu treffen, denn Gruppenerste werden –vierten zugelost, und Zweite spielen gegen Dritte.

Doch der Start war holprig, die Defensive der Ostseestädter war gut sortiert und bereitete Pächs Team Probleme. Als Gailius per Dreier zum 9:4 traf, nahm der Coach eine Auszeit, um gar nicht erst noch weiter abreißen zu lassen. Die Baskets wollten ihr Ticket. Lieber gleich als später. Denn die noch ausstehenden Aufgaben gegen Dijon und bei Paok Thessaloniki würden mit dem Druck, gewinnen zu müssen, auch nicht einfacher. Doch sie zeigten es zu wenig.

Rückstand wuchs in zweistelligen Bereich

Der Rückstand wuchs in den zweistelligen Bereich. Auch, weil die Bonner noch ohne Wurfglück unterwegs waren. Ein starker Angriff, den Stephen Zimmerman per Block einleitete und den Joshiko Saibou zum 13:18 abschloss, zwang Neptunas zur Auszeit. Bei Saibous 16:18 schienen sich die Baskets freigeschwommen zu haben (10.). Doch die Hausherren fanden angeführt von Routinier Zygimantas Janavicius immer Mittel, den Gegner an sich abtropfen zu lassen.

Die gute Chance, den Rückstand nach einem Zimmerman-Steal unter die psychologisch nicht unwichtige Marke von zehn Punkten zu drücken, warf Simons hektisch geradewegs ins Aus. Der Forward ärgerte sich über sich selbst, aber als er sich umdrehte, sah er unterstützenden Applaus: weitermachen, besser machen. Doch Neptunas war stabil unterwegs.

Es war klar, dass die Baskets kräftiger an der Partie würden rütteln müssen, um die Gastgeber hier aus der Balance zu bringen. Auf der Tribüne sahen die Bonner Fans und Klimavicius, dass Bonn dabei war, eine große Chance leichtfertig zu verschenken. Da waren kaum Ansätze, die Besserung verhießen. Päch brüllte von außen: „Play simple!“ Spielt einfach. Doch die Entscheidungen in der Offensive waren und blieben nicht die besten.

Neptunas kontert aus der Distanz

Als Simons vor der Halbzeit auf 32:40 verkürzte, konterte Klaipeda aus der Distanz. Eine starke Defensivsequenz zum Abschluss war ein kleiner Hoffnungsschimmer, doch nach dem Seitenwechsel das alte Bild: Neptunas spielte sich aus der Krise, die Gäste liefen hinterher. Als Branden Frazier in der 25. Minute zum Korb zog und zum 42:50 traf, nahmen die Hausherren eine Auszeit. Es war das letzte Mal, dass Bonn seinen Gegner in Sichtweite hatte.

Im letzten Viertel, möglicherweise hoffte mancher noch, dass die Baskets den direkten Vergleich retteten, spießten die Wassermänner das enttäuschend auftretende Bonner Team dann geradezu auf ihren Dreizack. Es war streckenweise eine Demontage.

Wichterich vermied es eine ganze Weile, in die Kabine zu gehen, stand noch in der Halle. Ihm war anzusehen, dass er kochte. Die Dienstreise dürfte so ein eher ungemütliches Ende gefunden haben, während die kleine Fangruppe einigermaßen fröhlich, aber diesen unverständlichen Auftritt diskutierend, von Klimavicius zurück zum Flughafen nach Vilnius chauffiert wurde.

Statistik

Klaipeda: Sedekerskis 2 Punkte, Pazera, Slavinskas, Masiulis 8, Jogela 10/2 Dreier, Janavicius 16/2, Delininkaitis 2, Olisevicius 24/4, Galdikas 2, Gailius 25/3, Williamson 3.

Telekom Baskets: Joshiko Saibou 10, Trey McKinney Jones 11, Eugene Lawrence, Bojan Subotic 11/1, Benjamin Lischka 6, Branden Frazier 8, Alec Brown, Kilian Binapfl 2, Gabriel de Oliveira 4, Benjamin Simons 14/4, Stephen Zimmerman 2.

Trefferquote: Klaipeda53% (32/60), Bonn 42% (26/62); Dreierquote: Klaipeda 46% (11/24), Bonn 25% (5/20); Freiwurfquote: Klaipeda 86% (18/21), Bonn 79% (11/14); Rebounds: Klaipeda 35, Bonn 28; Assists: Klaipeda 27, Bonn 19; Ballgewinne: Klaipeda 6, Bonn 8; Ballverluste: Klaipeda 12, Bonn 14; Fouls: Klaipeda 19, Bonn 22; Zuschauer: 2418.